Barbara Streidl

Journalistin und Musikerin, München

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Sich der langen Weile hingeben

Langeweile ist doof, richtig doof. Wenn sie einen überkommt, dann fühlt sich das an, als würde da oben im Kopf gar nichts mehr passieren. Martin Heidegger beschrieb die Langeweile als "schweigenden Nebel", der alle Dinge, Menschen und einen selbst in eine merkwürdige Gleichgültigkeit zusammenrücke. In ihrem Essay nimmt die Journalistin Barbara Streidl das Phänomen kulturgeschichtlich auseinander, klärt auf, seit wann die Langeweile in der Welt ist und warum es uns Menschen heute so schwer fällt, uns von ihr aufhalten zu lassen. Aber genau das sollten wir tun. Streidls Buch ist ein Plädoyer dafür, den in unserem Alltag vorherrschenden zeitökonomischen Druck auch mal abzulassen und sich der langen Weile hinzugeben. Das Immer-mehr, Immer-schneller tue uns Menschen ohnehin nicht gut, so die Autorin. Sollte Ihnen morgen also der Bus vor der Nase wegfahren, nicht ärgern, sondern einfach langweilen. Oder Sie greifen zu Streidls kurzweiligem Buch und lesen sich durch die 100 Seiten.

Barbara Streidl: Langeweile. Reclam 2018. 100 Seiten. 10 Euro.

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