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Rezension

Das wunderbare "rumgerührt": "Gerührt" und "geschüttelt" sind nun Gemüt und Hände des Herbert Fritsch!



Oh, oh, oh, Abschiede tun wahrlich weh. Auch wenn der Mann es versteht, noch  

"
im Alter eine Tür zu öffnen, hinter der es ein Licht gibt". (Castorf in seiner Fritsch-Laudatio)

Da ist sie nun gewesen. Die gefühlte LIEBE, inszeniert und ausgeführt mit allerlei Zutaten und Mitteln der Theater-Maschinerie, in der sich kaum Jemand so frei, so erschaffend und beschwingt zu bewegen weiß, wie Herbert Fritsch. 
Verführend die Liebe der Schauspieler zu ihrem Regisseur, berührend die Liebe des Regisseurs zu seinen Schauspielern und melancholisch anrührend die Liebe des Intendanten zu seinem Schauspieler und seinem Haus-Regisseur.

Ja, die  "Rentner-Avantgarde"  (Fritsch in seiner Dankesrede) 
frotzelt, verzaubert und macht die Taschentücher naß, was das Zeug hält und was die Theater-Luft gerade hergibt. 

Der scheidende Intendant -rotzig und lebens-skeptisch- hält die Laudatio auf den Gefährten. 
Herbert Fritsch ist der Preis-Gekürte. 
Und Schauspieler wie Sebastian Blomberg, Sophie Rois und Corinna Harfouch variieren im furiosen Stakkato:

"Her-bert, Herr-berrt, Herr-Bert, Heeer-beeert und so weiter..."

Natürlich quietschbunt kostümiert in der clownesken Körper-Theater-Manier des Geehrten. Auch Claus Peymann mischt im Geiste mit, da gleich zu Beginn von Frank Castorf - nun ja - beschworen:

"Wir sind ja nun Freunde, im Alter, da sind wir auf einmal gute Freunde, der Claus und ich..."

Und geirrt hat er natürlich, dieser Peymann, damals, als er (so Castorf) dem Fritsch nach dessen  erster Inszenierung zugerufen hat:

"Herbert, bleib Schauspieler"!

Doch, dem Theater-Gott sei es gedankt, der Herbert Fritsch hat weiter gemacht, als einer der originärsten und einzigartigsten Regisseure Deutschlands.  Und so wurde er Heute also folgerichtig mit dem Theaterpreis der Stiftung preußische Seehandlung ausgezeichnet. Der Preis ist mit 20.000 Euro dotiert. Immerhin!

Als Fritsch den Preis entgegen nimmt, nach über eineinhalb Stunden Befeuerung und Befeierung, tippt er sich ans Herz und dann an die Stirn:

"Gerührt und berührt bin ich auch. Vor Allem aber rumgerührt"!

Durch das Ganze. Das soeben Erlebte. Diese Hommage, dieses Bühnen-Feuerwerk, dies Durcheinander an wild wuchernden Gefühlen widersprüchlichster Art.  Diese große Dankbarkeit für die Intensität an Erlebnissen an der Castorf´schen Volksbühne.  Diese Traurigkeit, dass das nun vorbei ist.

"Die sind nun alle weg. Die Stücke. Mit diesen Schauspielern entstanden.  Die sind nun einfach weg."

Er, Herbert Fritsch, habe das immer bewundert, im Variete:  Den Todes-Sprung.  Aus höchster Höhe hinab auf eine winzige Matratze.  Er selbst habe sich das zum Vorbild genommen. Oft. 

"Man kann es vielleicht gar nicht. Aber man macht es einfach. Man tut es eben trotzdem".

Und so gehen die Taten des Regisseurs Fritsch natürlich auch nach der Volksbühne weiter.  Zunächst an der Schaubühne.  Und weil er ja Verständnis hat, für Diejenigen, die einfach etwas tun, was die gar nicht können, deshalb will er auch nichts sagen, über Einen, der kein Theater führen kann.  Und es in Kürze trotzdem macht!

Unter donnerndem Applaus, eingerahmt von seiner bunten Truppe, geht er am Ende quietschvergnügt in die Knie, einmal rechts und einmal links.

"Ich stelle ein so riesengroßes DANKESCHÖN in diesen Theater-Raum,  dass der ganz davon angefüllt wird und abzuheben beginnt.  In Richtung Himmel. Über Berlin"!