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Manuela Schwesig: Männer und Frauen sind noch lange nicht gleichberechtigt

Manuela schwesig von vollstndiger gleichberechtigung sind wir noch weit entfernt

Manuela Schwesig bei der Kabinettssitzung der Bundesregierung im Mai.

Als erste Frau hat es Manuela Schwesig zur Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern geschafft. Vor kurzem war die 43-jährige SPD-Politikerin noch Bundesfamilienministerin. Ihr Anliegen in beiden Ämtern: Familien fördern und sich für Gleichberechtigung einsetzen.

Derzeit steht Schwesig in der Kritik, weil sie ihren Sohn auf eine private statt eine öffentliche Schule schickt. Schwesig begründet: Die Privatschule sei näher an ihrem Zuhause als die nächste weiterführende öffentliche Schule.

Das Thema Familie und Beruf spielt in Schwesigs Laufbahn eine zentrale Rolle. Mit ihr als Bundesfamilienministerin investierte der Bund in den Kita-Ausbau und verlängerte die Bezugsdauer des Elterngeldes auf 32 Monate. Gescheitert ist sie mit ihrem Modell der Familienarbeitszeit. Demnach würden Eltern bis zu 300 Euro im Monat erhalten, wenn sie ihre Arbeitszeit auf 36 Stunden pro Woche oder weniger zurückfahren.

Mit Business Insider hat Schwesig darüber gesprochen, wie es ihr gelang, sich in der Politik durchzusetzen, was und wer ihr dabei geholfen hat und welchen Rat sie heute weitergeben kann.

Es lief nicht alles reibungslos

Herausfordernd war für Schwesig der Einstieg in die Bundespolitik. „Ich war Frau, jung, ostdeutsch", sagt sie. Die damals 39-Jährige stößt auf Vorurteile und Sprüche älterer konservativer Herren. Doch Schwesig wehrt sich. „Gegen Vorurteile kann man erfolgreich ankämpfen."

Ihr Aufstieg - vor ihrem Job als Bundesministerin war Schwesig erst zehn Jahre in der Politik - war nicht geplant. „Erfolg kann man nicht planen", sagt Schwesig. Sie ging einen Schritt nach dem anderen. Ihre Strategie: „Wenn sich Chancen auftun, muss man sie nutzen."

Als Rückschritt sehen einige Beobachter allerdings den Wechsel von Bundes- auf Landesebene. Andere betonen hingegen die Möglichkeit für Schwesig, Erfahrung als Regierungsoberhaupt zu sammeln.

Prominente Politiker unterstützten

Bei der Karriere geholfen haben Schwesig zwei Mentoren. „Ich suche und nehme Rat an", sagt sie. Der amtierende Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier war einer ihrer Vertrauten, an den sie sich immer wenden konnte. Aber auch der ehemalige Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering, hat sie gefördert, „durch viele gute Gespräche", wie die SPD-Politikerin sagt.

Als junge weibliche Politikerin nahm Schwesig eine Sonderrolle ein. Hinzu kam die Herausforderung, dass sie sich neben ihrer Karriere auch für eine Familie entschied. 2007 kam ihr Sohn zur Welt, im vergangenen Jahr ihre Tochter.

Schwesig erlebt Berufswelt wie andere

Die Politikerin spürt dieselben Erwartungen wie viele andere Frauen. „Das größte Problem ist für mich, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer noch vor allem ein Frauenthema ist", sagt Schwesig. „Obwohl auch Männer Kinder haben oder pflegebedürftige Eltern, leisten Frauen noch immer 80 Prozent der Zeit für Erziehung und Pflege."

Die Folge: Frauen bleibt weniger Zeit für die Karriere. Sie nehmen daher seltener Führungspositionen ein. Laut einer Analyse von Ernst & Young vom Januar dieses Jahres stehen in deutschen börsennotierten Unternehmen den 630 männlichen Vorständen nur 45 Frauen gegenüber.

„Wenn man sich das anschaut, dann ist völlig klar, dass wir noch große Anstrengungen unternehmen müssen", sagt Schwesig. „Von vollständiger Gleichberechtigung sind wir noch weit entfernt."

Frauen haben teils bessere Chancen

In ihrer Partei sei es bei der Besetzung von hohen Posten allerdings ein Vorteil, eine Frau zu sein. Die SPD achtet darauf, Führungspositionen zu gleichem Teil mit Frauen und Männern zu besetzen. Wer als Frau gute Arbeit leistet und seine Ziele verfolgt, kann schnell aufsteigen, meint Schwesig.

Denn: Noch immer bewerben sich weniger Frauen als Männer auf hohe Stellen. Achtet eine Organisation auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern, haben Frauen zurzeit beruflich mitunter die besseren Chancen.

Gleichberechtigung gibt es noch nicht

Doch sie stehen, wenn sie sich Kinder wünschen, noch immer vor einer Herausforderung, der viele Männer weniger Bedeutung schenken: Familie und Beruf zu vereinen. Der Feminismus ist deshalb noch immer notwendig, sagt Schwesig. „Wir haben in den letzten 100 Jahren beim Kampf für gleiche Rechte von Männern und Frauen viel erreicht. Aber wir sind noch nicht am Ziel."

Für Chancengleichheit geht Schwesig verschiedene Wege. Ihr Rat: „Die feministischen Bewegungen sollten viel offensiver auf die vielen modernen Männer zugehen." Diese würde es inzwischen erfreulicherweise geben und man könnte sie für die Ziele gewinnen. Politisch spricht sich Schwesig weiterhin für ihr Modell der Familienarbeitszeit aus, mit dem sie als Bundesministerin nicht durchkam.

Motto: „Bleib dir selbst treu"

Karriere und Kinder zu verbinden, ohne dass ein Elternteil beruflich zurücktritt, ist noch immer schwer zu verwirklichen. Menschen, die ihre beruflichen Ziele trotz Familienwunsch nicht aufgeben möchten, gibt Schwesig einen Rat: „Bleib dir selbst treu."

Diesen Tipp erhielt Schwesig einst von Matthias Platzeck, dem früheren Ministerpräsidenten von Brandenburg. Man nimmt ihr dieses Motto ab. Schwesig lässt sich nicht von ihren Zielen abbringen, sowohl politisch als auch privat. So hat die Politikerin schon mit Anfang 40 eine Familie gegründet und eine beeindruckende Karriere hingelegt.

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