Annette Bulut

Dipl.-Journ. / freie Journalistin (Medizin, Immobilien, Energie), Dortmund

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Gezielter Nahrungsverzicht: Heilfasten erdet den Körper neu

Gezielter Nahrungsverzicht : Heilfasten erdet den Körper neu

Eine Fastenkur tut Körper und Geist gut. Sie ist gesund, stärkt das Immunsystem und aktiviert die Selbstheilung. Der freiwillige Nahrungsverzicht auf Zeit kann Krankheiten vorbeugen und sogar heilen. Hier sind die wichtigsten Tipps, damit es funktioniert.

Wie funktioniert Heilfasten?

Der 1878 geborene Arzt Otto Buchinger gilt als der Begründer des Heilfastens. Beim Fasten nach Buchinger wird täglich eine sehr geringe Kalorienmenge in Form von flüssiger Nahrung aufgenommen. Auf feste Nahrung wird ausdrücklich verzichtet, daher spricht man oft auch vom „Saftfasten".

Anders beim Fasten nach F. X. Mayr. Während bei Buchinger die Nahrung flüssig ist, steht bei dieser Fastenmethode das Kauen, die „Kauschule", im Vordergrund. Ein Bissen Brot soll intensiv gekauft werden, bevor es mit etwas Flüssigkeit wie etwa Tee, Milch, Soja-, Mandel- oder Hafermilch hinuntergeschluckt wird. Der Grund: Der Kauvorgang nimmt dem Darm die Arbeit ab.

Wenig sinnvoll ist es, vor dem Fasten sich nochmal richtig den Bauch vollzuschlagen. Deshalb beginnt das traditionelle Buchinger-Fasten eigentlich schon einen Tag vor der eigentlichen Fastenkur mit dem Entlastungstag. An diesem Tag ist die Nahrungsaufnahme auf rund tausend Kalorien beschränkt. Ab jetzt sind auch Koffein, Alkohol und Nikotin tabu. Etwas Bewegung an der frischen Luft, Stressvermeidung und Ruhe bereiten optimal auf den Fasteneinstieg vor. Manche Menschen fasten allein zuhause. Anderen fällt es leichter in einer Gruppe unter ärztlicher Betreuung.

Wie oft kann Heilfasten durchgeführt werden?

Die Fastenkur kann fünf, sieben oder 14 Tage durchgeführt werden. Sie ist keine Diät. Heilfasten ist vielmehr eine zentrale Therapie in der Naturheilkunde. Selbst wer noch nie eine Zeit lang vollständig auf Ernährung verzichtet hat, kann eine Fastenkur machen. „Man schafft das sehr gut als Heilfastenanfänger. Es ist weniger schlimm als man sich vorstellt," sagt Prof. Andreas Michalsen, Deutschland bekanntester Fastenexperte. Er forscht als Professor für klinische Naturheilkunde an der Berliner Charité und als Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin. Eine Gewichtsreduktion ist nicht das Ziel, kann aber ein Nebeneffekt einer Fastenkur sein.

Wissenschaftler haben die Wirksamkeit des freiwilligen vorübergehenden Nahrungsverzichts intensiv untersucht. „Wer das erste Mal ins Fasten einsteigt, sollte sich vorher vom Hausarzt durchchecken lassen", rät Michalsen. Das gilt auch für gesunde Menschen, die keine Medikamente einnehmen müssen und keine ernsthaften oder chronischen Krankheiten haben.

Was darf man beim Heilfasten essen?

Zu Beginn des ersten Fastentages erfolgt in der Regel die „Darmreinigung". Das bedeutet, der Fastende trinkt eine definierte Menge eines abführenden Salzes mit viel Wasser, beispielsweise 30 g Glaubersalz in einem Liter Wasser.

Fastenplan nach Otto Buchinger

Erlaubt sind während des Fastens nach Buchinger täglich:

ein Viertel Liter Gemüsebrühe, ein Viertel Liter möglichst frisch gepresste Säfte aus Obst oder Gemüse ein Esslöffel Honig (30 Gramm) 2,5 Liter Kräutertee oder stilles Wasser.

Gesunde Menschen sollen das mindestens fünf bis maximal zehn Tage durchführen. Hinzukommt der Vorbereitungstag und anschließend möglichst drei Tage einer sanften Rückkehrphase mit leichter Kost wie gedünstetem Gemüse. Auf diese Weise kann sich der Magen-Darm-Trakt langsam wieder an feste Nahrung gewöhnen.

Mit dem Fastenbrechen endet das Heilfasten. Das bedeutet: das langsame Kauen eines rohen reifen Apfels oder einer gekochten Kartoffel ist als erste feste Nahrung erlaubt. Idealerweise gibt es zum langsamen Kostaufbau nach dem Fastenbrechen eine leichte vegetarische Kost mit ballaststoffreichen Lebensmitteln.

Fasten-Anleitung nach F.X. Mayr

Bei der Fastenkur nach F.X. Mayr ist ein Bissen Brot oder Brötchen, der intensiv und sehr lange gekaut wird, das wichtigste Element. Danach wird das Brot mit etwas Flüssigkeit wie etwa Tee, Milch, Soja-, Mandel- oder Hafermilch heruntergeschluckt. Der Fastende nimmt zunächst morgens täglich auf nüchternen Magen einen viertel Liter warmes Wasser zu sich. Das Wasser wird angereichert mit je einem Teelöffel Bittersalz und Basenpulver. Anschließend steht moderate Bewegung auf dem Plan. Dann sollte abwechselnd heiß und kalt geduscht werden. Dann darf auch ungesüßter Tee getrunken werden. Mittags gibt es Kräutertee oder klare Gemüsebrühe. Vor dem Mittagessen heißt es ruhen mit Leberwickel. Das bedeutet eine halbe Stunde mit feuchter Wärme auf dem Bauch liegen. Als Leberwickel kann eine Wärmflasche - mit einem feuchten Handtuch umwickelt - dienen. Ausreichend Trinken ist sehr wichtig. Je nach Verordnung sind es zwei oder vier Liter Kräutertees oder stilles Wasser. Das Abendbrot besteht aus ein bis zwei Tassen Kräutertee. Er muss löffelweise getrunken werden. Vor dem Schlafengehen muss der Fastende erneut abwechselnd heiß und kalt duschen. Anschließend so früh wie möglich ins Bett gehen. Auch hier wieder mit einem Leberwickel auf dem Bauch.

Welcher Tee hilft beim Heilfasten?

Vor allem Tees, die heilend, reinigend und entspannend wirken, helfen beim Heilfasten. Hier sind Sorten wie Kamillentee, Pfefferminztee, Schlafgarbentee oder Ringelblumentee zu nennen. Tees bringen zudem geschmackliche Abwechslung in den Fastenalltag.

Auch eine wichtige Regel während des Heilfastens: körperliche Bewegung und Ruhe. „Beim Fasten entsteht Säure. Diese muss abgeatmet werden. Es geht nicht nur darum nichts zu essen, sondern auch sich zu bewegen. Und dann wieder in eine Ruhephase zu kommen. Heilfasten ist eine ganzheitliche Erfahrung", so Michalsen. „Wenn beim Heilfasten die Glykogenspeicher in der Leber und Muskeln geleert werden, beginnt die Leber die eigenen Fettreserven abzubauen. Dadurch entsteht auch ein säuerlicher Atem, denn die Säure wird über die Lunge abgeatmet", erklärt Michalsen. Die „Entgiftung" läuft auf Hochtouren - wobei hier nicht Gifte im wörtlichen Sinn gemeint sind.

Warum ist Heilfasten gesund?

Heilfasten kann Krankheiten vorbeugen und Beschwerden deutlich lindern. Die meisten Fastenden fühlen sich danach vitaler und fitter. Bisher vorliegende wissenschaftliche Studien kommen zu dem Ergebnis, das Heilfasten eine nachweislich positive Wirkung auf die folgenden Erkrankungen hat:

Rheuma (rheumatoide Arthritis) Chronische Schmerzsyndrome Diabetes Typ 2, die häufigste Form der Zuckerkrankheit Bluthochdruck Metabolisches Syndrom (Kombination aus Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes) Beginnende Demenz Lebensqualität bei Multiple Sklerose

Fasten kann chronisch kranken Menschen, die an Diabetes Typ-2, Rheuma oder Bluthochdruck erkrankt sind, in ganz besonderer Weise helfen. Hier muss allerdings betont werden, dass die Fastenkur und Ernährung nur unter strenger ärztlicher Aufsicht durchgeführt werden darf. Während ein gesunder Mensch das Heilfasten beispielsweise mit der Fasten-Anleitung nach Buchinger auch zuhause durchführen kann, darf der kranke Patient dies auf keinen Fall. Fasten kann nämlich Wirkungen von Medikamenten abschwächen und verstärken und auch bei einigen Erkrankungen nicht indiziert sein. Ganz allgemein steht fest, dass der Körper beim Fasten den Stoffwechsel umstellt.

Was passiert während des Heilfasten im Körper?

Generell spielt Ernährung eine große Rolle für die Gesundheit und bei der Entstehung der häufigsten Zivilisationskrankheiten. Eine schleichende Gewichtszunahme über die Jahre ist ein Grund dafür, warum immer mehr Menschen übergewichtig sind. Hinzu kommt, dass viele durch das unerschöpfliche Nahrungsangebot dauernd essen, snacken oder naschen. Eine Hauptmahlzeit am Tag? Fehlanzeige! Doch genau damit kommt unser Körper nicht gut zurecht. Er ist evolutionsbiologisch betrachtet anders „programmiert". Bei unseren Vorfahren aus der Steinzeit folgten auf Phasen mit wenig zu essen Phasen mit reichlich Nahrung. Das heutige Übermaß an Nahrung und deren ständige Verfügbarkeit sind Schwerstarbeit für den Organismus. Die Folge dieses Lebensstils sind viele Zivilisationskrankheiten wie Adipositas, Diabetes Typ-2 oder Bluthochdruck.

Im Umkehrschluss tut es unserem Körper gut, wenn wir ihm das geben, was er systemisch kennt, nämlich eine Zeitlang zu fasten. Der Körper braucht es vielmehr, wenn sich Phasen von Essen und Phasen von Hunger abwechseln. Hungerphase bedeutet in diesem Fall mindestens zwölf bis 14 Stunden nichts zu essen. Der Effekt: Der Organismus nutzt die Fastenphase für die „Autophagie", die Eigenreparatur der Zellen. "Man kann das wie einen Werkstattbesuch der Zellen bezeichnen", erklärt der Fastenexperte.

Bei der Autophagie stehen Fette und Zucker für die Energieherstellung der Zelle nicht mehr zur Verfügung. Stattdessen beginnt die Zelle nun alte Proteine und beschädigte Zellorganellen abzubauen und zu recyclen. Eine Art Müllrecycling.

Korrekter Ablauf ist von Bedeutung

Viele Hormone regulieren sich während des Heilfastens in den Normalbereich. „Das Ganze ist wie ein Orchester an guten Effekten", sagt Michalsen. Nicht zu unterschätzen sind nach seinen Erfahrungen der erste und er letzte Tag des Fastens. Die heilsame Wirkung scheint dann besonders effektiv zu sein, wenn am ersten „Entlastungstag" leicht verdauliche Speisen gegessen werden wie Gemüse oder Reis. Am letzten Tag, dem Fastenbrechen, sollte es wirklich nur ein Apfel oder eine Kartoffel sein. "Der Eingang ins Fasten und das Rausgehen aus dem Fasten sind offenbar sehr wichtig", erläutert Michalsen.

Krebspatienten profitieren offenbar
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