Anna Bayer

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Bürgermeisterin von Lieberose plant "Putin-Radweg"

Audio: Antenne Brandenburg | 15.06.2020 | Anna Bayer | Bild: Anna Bayer Von Lieberose nach Moskau - Bürgermeisterin von Lieberose plant "Putin-Radweg"

Bei Lieberose lag einst der größte sowjetische Truppenübungsplatz der DDR. Die heutige Bürgermeisterin will nun an alte Traditionen anknüpfen: Sie möchte zusammen mit dem russischen Präsidenten einen Radweg von Lieberose nach Moskau bauen. Von Anna Bayer

In der Lieberoser Heide übten einst Zehntausende sowjetische Soldaten den Krieg gegen den Westen. Als die Streitkräfte Anfang der 1990er Jahre abzogen, wurde es ruhiger in der Region. Zu ruhig, findet die Bürgermeisterin Petra Dreißig (Bündnis Zukunft Lieberose): Sie will die Stadt nun mit Hilfe des russischen Präsidenten wieder "aufwecken", wie sie sagt.

Stadtansicht von Lieberose | Bild: rbb/A. Bayer Die Kleinstadt groß machen - zusammen mit Putin

Tatsächlich macht die 1.500-Einwohner-Stadt am Rande des Spreewalds bei einem Besuch einen eher verschlafenen Eindruck. Kaum Passanten sind hier unterwegs, nur hier und da schieben ein paar Touristen ihre Fahrräder über die Pflastersteinstraßen rund um den Marktplatz. Die Bürgermeisterin aber hat einen Plan, wie sie das Städtchen aus diesem "Dornröschenschlaf" holen kann. Unzählige Visionen hat sie für Lieberose: Eine Rosenart hat sie gezüchtet, die den Namen des Dorfes trägt. Auch Lieberose-Fanartikel hat Petra Dreißig designt, darunter ein Feuerzeug mit dem Schriftzug "Lieberose" undeine Kerze. Doch das ist nicht alles: Dreißig will die Kleinstadt richtig groß machen. Und dabei soll ihr nicht nur Lieberoser Merchandise helfen - sondern auch Wladimir Putin.

Die meisten ihrer Amtshandlungen erledigt die Bürgermeisterin aus dem Café "Markt 6" heraus. Und auch den Brief an den russischen Staatspräsidenten hat die 45-jährige mit den kurzen blond gefärbten Haaren im Café verfasst - und ihn eingeladen, nach Lieberose zu kommen. Das Café liegt gegenüber vom Lieberoser Rathaus und gehört Petra Dreißig selbst. Auf der Karte: Bauernfrühstück, Milchkaffee und Brötchen. Eine ausländische Delegation zwischen Kuchentheke und Kaffeemaschine ist hier nur mit viel Fantasie vorstellbar.

Die Bürgermeisterin Petra Dreißig hat einen Plan. Unzählige Visionen hat sie für Lieberose. Eine Rosenart hat sie gezüchtet, die den Namen des Dorfes tragen soll. Auch Lieberose-Fanartikel hat sie designt. Darunter ein Feuerzeug mit dem Schriftzug Lieberose und eine Kerze. Sie will die Kleinstadt groß machen. Und dabei soll ihr nicht nur Lieberoser Merchandise helfen - sondern auch Wladimir Putin.Berühmte Persönlichkeiten, die im eigenen Wohnzimmer sitzen: Das macht einen natürlich interessant. Aber warum ausgerechnet Putin?

O-Ton: „Es gibt dafür ein Bedürfnis, so ein Mythos. Es gibt Sympathien für ihn, er ist ein starker Mann, vor starken Männern hat man Respekt vor allem in der Politik und so wird sich der Mythos halten und der wird auch noch größer werden, je länger der in seinem Amt ist." 

Den Mythos größer machen, das will auch der Amtsdirektor von Lieberose/Oberspreewald Bernd Boschan, allerdings nicht unbedingt mit einem Fahrradweg

O-Ton: „Sicherlich wäre es dann angemessen, wenn es uns gelänge, den Nachweis zu bringen, dass Herr Putin mal an einem Manöver teilgenommen hat. Dann sollte das durchaus im Rahmen einer Ausstellung veröffentlicht werden, da würde die Region auch mitgehen. Aber ob mal ein Radweg direkt von Lieberose bis nach Moskau gehen soll, das scheint mir doch ein hehres Ziel"

Petra Dreißig hat aber sowieso noch viel mehr Pläne mit Putin, als nur einen Fahrradweg von Lieberose nach Moskau. In ihrem Brief bittet sie den russischen Staatschef außerdem um Investitionen für das Lieberoser Schloss und schlägt vor, mit einer deutsch-russischen Schule die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu stärken.

O-Ton: „Gelder sind überall nicht in Übermaßen vorhanden und warum nicht neue Wege gehen und sagen: Sie haben vielleicht viele Diamanten oder Gold in Russland und vielleicht können wir das eine oder andere auch bei uns vergolden damit?"

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imago images / Rupert Oberhäuser

"Hallo Herr Putin..."

Der Ton des Schreibens entspricht auch dem Setting, in dem er entstanden ist: Der Brief ist ziemlich locker formuliert, dafür, dass er an ein Staatsoberhaupt gerichtet ist. "Hallo Herr Putin, wollen wir nicht zusammen Wege bauen?", fragt Dreißig darin den russischen Staatspräsidenten. Putin habe doch immer schon "tolle Wege gebaut" oder sei sie zumindest gegangen, schreibt die Bürgermeisterin. Und sie macht Putin einen besonderen Vorschlag. In der Umgebung mangele es an Radwegen. "Deswegen dachte ich, lassen Sie uns gemeinsam neue Wege bauen: den Putin-Radweg." Dieser Weg solle von Lieberose bis nach Moskau gehen. Wie genau die Streckenführung aussehen soll, darüber hat sich Petra Dreißig allerdings noch keine Gedanken gemacht. "Hauptsache erst mal bis nach Guben, dann sind wir ja immerhin schon mal in Polen", sagt sie.

Menschen wollen Putin in Lieberose getroffen haben

Petra Dreißig ist sich sicher: Putin hat eine besondere Beziehung zu Lieberose. Sie glaubt - so wie auch viele andere Bewohner von Lieberose -, dass Wladimir Putin die Kleinstadt gut kennt. In den 1980er Jahren, als Putin noch unbekanntund in Deutschland stationiert war, soll er Gerüchten zufolge auch auf dem Truppenübungsplatz in der Lieberoser Heide gewesen sein.

Der Historiker Andreas Weigelt hat den Putin-Mythos im Dorf erforscht: 

O-Ton: „Menschen erzählen mir mit völlig überzeugter Miene: Wladimir Putin ist bei uns abends immer zum Fernsehgucken gekommen und wir haben dem was zu Essen hingestellt und wir waren mit dem befreundet" 

Historiker Andreas Weigelt | Bild: rbb/A. Bayer

Der Historiker Andreas Weigelt, der auch in Lieberose forscht, hat den Putin-Mythos im Dorf untersucht. Menschen aus Lieberose und Umgebung hätten ihm mit völlig überzeugter Miene erzählt, dass Wladimir Putin bei ihnen abends auf dem Sofa gesessen habe, um fernzusehen, sagt er. "Es gibt ein Bedürfnis für so einen Mythos", meint Weigelt. "Es gibt Sympathien für ihn. Er ist ein starker Mann." Und vor starken Männern habe man Respekt, vor allem in der Politik.

Weigelt zweifelt stark daran, dass Putin wirklich in Lieberose war. Doch der Mythos werde sich halten, glaubt er. "Und er wird auch noch größer werden, je länger Wladimir Putin im Amt ist." Dazu komme das besondere Verhältnis, das viele Ostdeutsche zu Russland hätten. "Die Menschen haben kein schlechtes Verhältnis zu Russland. Als die Sowjets hier stationiert waren, haben die Einheimischen den Menschen hinter der Uniform kennengelernt."

Amtsdirektor nicht ganz überzeugt

Obwohl Wladimir Putins Politik in Deutschland umstritten ist, lehnt es auch der Amtsdirektor von Lieberose/Oberspreewald, Bernd Boschan, nicht von vornherein ab, die Putin-Erzählung für die Region zu nutzen. Ganz so euphorisch wie Dreißig zeigt er sich aber nicht - und einen Putin-Radweg sieht er skeptisch. "Ob mal ein Radweg direkt von Lieberose bis nach Moskau gehen soll, das scheint mir doch ein hehres Ziel." Doch wenn der Nachweis erbracht werde, dass Putin tatsächlich in der Lieberoser Heide an einem Manöver teilgenommen habe: "Ja, dann sollte das durchaus im Rahmen einer Ausstellung veröffentlicht werden, da würde die Region auch mitgehen", sagt Bernd Boschan.

Gold und Diamanten sollen Lieberose vergolden

Petra Dreißig hat dagegen noch mehr Pläne mit Putin, als nur einen Fahrradweg von Lieberose nach Moskau. In ihrem Brief bittet sie den russischen Staatschef außerdem um Investitionen für das Lieberoser Schloss und schlägt vor, mit einer deutsch-russischen Schule die Beziehungen zu stärken. Gelder seien in der Region um Lieberose nicht in Übermaßen vorhanden - also: Warum nicht neue Wege gehen? "Sie haben viele Diamanten oder Gold in Russland und vielleicht können wir das eine oder andere auch bei uns vergolden damit", sagt sie.

Dreißig ist sich sicher, dass sie eine Antwort erhalten wird - der Brief müsse nur direkt in die Hände Putins gelangen. Bis dahin macht sie weiter, im "Markt 6".

Petra Dreißig hat aber sowieso noch viel mehr Pläne mit Putin, als nur einen Fahrradweg von Lieberose nach Moskau. In ihrem Brief bittet sie den russischen Staatschef außerdem um Investitionen für das Lieberoser Schloss und schlägt vor, mit einer deutsch-russischen Schule die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu stärken.

O-Ton: „Gelder sind überall nicht in Übermaßen vorhanden und warum nicht neue Wege gehen und sagen: Sie haben vielleicht viele Diamanten oder Gold in Russland und vielleicht können wir das eine oder andere auch bei uns vergolden damit?"

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