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Verfall des französischen Erbes in Berlin soll gestoppt werden

Sie war die größte Siedlung für die französischen Militär-Angehörigen in Berlin: Die Cité Foch in Berlin-Reinickendorf. Inzwischen ist der Stadtteil an vielen Ecken verlassen und seit Jahren dem Verfall überlassen. Das soll sich bald ändern, doch dafür müssen erst noch einige Gebäude abgerissen werden. Von Anke Werner

Das französische Erbe im Norden von Berlin verwahrlost: Unkraut hat sich durch die Stufen gefressen, die in das ehemalige Haupt-Einkaufs-Zentrum der Franzosen führen. Die Fenster sind zerschlagen, Graffitis an die Wände gesprüht, Bauzäune versperren neugierigen Besuchern den Weg und sollen vor Vandalismus schützen. Heute erinnert hier wenig an die Vergangenheit dieses Ortes, der so wichtig für französischen Alliierten und ihre Angehörigen war.

Hier bekamen sie alles, was sie in den normalen Supermärkten vermissten: Wein, Cognac, Gauloises-Zigaretten und Käse. Mit einem Ausweis und einer Einkaufsberechtigung konnten sie Produkte aus der Heimat kaufen. Heute wirkt das Gelände unwirtlich, verwahrlost. Das soll sich nach dem Willen des Baustadtrates von Reinickendorf, Martin Lambert (CDU), bald ändern. Der Abriss des Gebäudes ist schon beschlossen, doch noch ziehen sich die Planungen hin.

Hintergrund

In keiner deutschen Stadt sind im vergangenen Jahr so viele Wohnungen gebaut worden wie in Berlin. Gemessen an der Einwohnerzahl der Stadt ist aber noch Luft nach oben. Auf einer Liste von Städten mit mehr als einer halben Millionen Einwohnern teilt sich Berlin den Platz mit Dresden.

Der ehemalige Einkaufsmarkt liegt inmitten der "Cité Foch". Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf dem ehemaligen Industriegelände ein Wohngebiet für die Angehörigen der Französischen Besatzungs- und Schutzmacht gebaut. In der "Cité Foch" standen 80 Gebäude mit fast 800 Wohnungen für die französischen Militärs und ihre Angehörigen. Die Offiziere wohnten im gutbürgerlichen Frohnau, wo ihnen nach dem Krieg beschlagnahmte Villen zugewiesen worden, in denen früher auch Nazis gewohnt hatten, erzählt Stadthistoriker Andreas Jüttemann bei einem Rundgang durch das Viertel.

1994 dann das Besatzungs-Ende: Die meisten französischen Militärangehörigen und ihre Familien verließen Berlin, kehrten in ihre Heimat zurück. Die alliierten Liegenschaften gingen zunächst in die Hand des Bundes über, und es passierte erst einmal nicht viel. Der Einkaufsmarkt wurde zeitweise von einem Fitness-Studio und einem Aldi-Einkaufsmarkt zwischengenutzt. Aber auch das ist schon Jahre her. Seitdem steht das Gebäude leer. Ein altes Hallenbad - seit 2002 geschlossen - verkommt zur Ruine. Die Polizei fahre hier regelmäßig Streife, berichtet Andreas Jüttemann, um Vandalismus zu verhindern.

Auch das ehemalige Hallenbad verfällt und soll bald Wohnungen weichen.

Der langsame Verfall hatte vor allem mit dem alten Eigentümer zu tun. Dieser war insolvent, lebte in der Schweiz und war für den Bezirk nicht ansprechbar, so Baustadtrat Martin Lambert (CDU) gegenüber rbb online. Ein neuer Eigentümer, der den gewünschten Preis zahlen wollte, war nicht zu finden. Im vergangenen Sommer wurde das Gelände dann zwangsversteigert. Doch noch immer können die Abriss-Kräne nicht kommen, denn die Verhandlungen des Bezirks mit dem neuen Eigentümer Artprojekt und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), die immer noch einen Großteil der alliierten Liegenschaften in der Cité Foch verwaltet, sind noch nicht abgeschlossen. Aber, so Baustadtrat Lambert, man habe größtes Interesse, "dass dieser Schandfleck möglichst schnell verschwindet".

Bereits im Juni wurden die Pläne des neuen Eigentümers für das Einkaufszentrum und das früheren Kirchengelände gegenüber vorgestellt.Auf dem Gelände sollen300 neue Wohnungen errichtet werden, davon ein Drittel Mietwohnungen und zwei Drittel Eigentumswohnungen. 33 Prozent der Mietwohnungen sollen mit 6,50 Euro mietpreisgebunden sein. Tobias Willmeroth, Geschäftsführender Gesellschafter von Artprojekt: "Wir würden gerne sofort abreißen. Das Problem ist, dass man nur abreißen kann, wenn man auch weiß was man da dann errichten darf." Er rechne aber damit, dass noch in diesem Jahr der Abriss beginnt.

Durchgang verboten: Eine abgesperrte Treppe in der Cité Foch.

Zuvor müssen noch einige weitere Frage gelöst werden: Die Übernahme der Straßen in der Cité Foch, die im Moment noch Privatstraßen des Bundes sind, durch das Land Berlin muss noch geklärt werden. Außerdem müssen sie in Stand gesetzt werden. Aber laut BImA sei der hierfür erforderliche städtebauliche Vertrag zwischen Bezirk und der Bundesanstalt nahezu "endverhandelt" und werde nach Ergänzung einiger Punkte demnächst unterzeichnet. Der aktuelle Entwurf des Bebauungsplans sieht außerdem vor, auch an der Stelle des Hallenbades neue Wohnungen zu bauen.

Über 20 Jahre, nachdem die französischen Alliierten die Stadt verlassen haben, scheint der Nachlass für ihr verfallenes Erbe in der Cité Foch gesichert.

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