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Münchner Berufe testen: Einen Tag Bademeister im Westbad sein

Wenn ich nicht Journalistin wäre, dann wäre ich Bademeisterin. Denn ich bin sowieso Stammkundin: Wenn ich nicht hier bin, bin ich im Freibad. Es war also naheliegend, dass ich zum Start unseres neues Formats Münchner Berufe testen ins Schwimmbad muss. Zuallerst erst einmal, um zu gucken, ob all die Klischees stimmen, aber natürlich auch, um endlich ein Selfie im türkisfarbenen SWM-Polohemd zu machen. Und nun stehe ich an einem kalten Dienstagmorgen vorm Westbad. Ich mag das Schwimmbad, mit seiner Plastikpalme in der Mitte ist es irgendwie so richtig deutsches Erholungsklischee.

Fabian holt mich an der Kasse ab. Er ist 21 und hat seine Ausbildung zum Bademeister eben erst abgeschlossen. Warum er in dem Job arbeitet? Er mag Bewegung, Sport, schwimmt gut, ein Bürojob wäre nichts für ihn. Zudem sind die Stadtwerke ein sicherer Arbeitgeber. Man verdient zwar nicht so gut wie zum Beispiel in der Therme Erding, aber dafür gibt's Tarifbezahlung, unbefristete Verträge und sonst sämtliche Vorteile, die man so hat, wenn man bei der Stadt arbeitet. Außerdem kann Fabian wann immer er mag, in die Badehose schlüpfen. Ich beneide ihn ein bisschen.

Wasserproben und Verantwortung

Vor unserem Termin bin ich mir sicher: In den Job macht man nichts anderes außer in der Gegend rumgucken und nach der Schicht noch ins Wasser springen. Zumindest sehen die Bademeister im Schyrenbad immer sehr entspannt aus, wenn ich sie bei meiner Portion Pommes beobachte. Gute Farbe, lässige Haltung und die Stadtwerke München haben auch noch jede Menge offener Stelle. Da liegt der Gedanke nicht fern: Vielleicht sollte ich mich auch bewerben.

Fabian belehrt mich aber eines besseren. Zuerst führt er mich in den Keller, in den Maschinenraum. Hier ist sozusagen das Herz des Schwimmbades. Drei Mal am Tag muss der Schichtleiter hier Proben vom Wasser nehmen und den Chlorgehalt testen. Ich fühle mich in meine Schulzeit in den Chemie-Unterrricht zurückversetzt und meine Geduld ist ähnlich ausdauernd wie damals. Nervt schon mal ein bisschen und hier unten ist es auch eher kalt. Blöd ist auch: die Verantwortung. Im Kontrollraum blinken Lichter zu allen Filtern, Pumpen und Becken. Wenn irgendwas schief geht oder die Wasserqualität nicht mehr stimmt, muss man das Bad evakuieren und das Problem so schnell wie möglich in den Griff bekommen.

Standort-Regeln und Defibrillatoren

Wir fahren mit dem Aufzug hoch ins Bad. Hier gefällt es mir da schon wesentlich besser. Es ist schön warm und ich bin absolut bereit, einen Kaffee im Glashäuschen zu trinken und dabei Menschen zu gucken, aber Fabian macht mir einen Strich durch die Rechnung. Als Bademeister muss man tatsächlich alle fünf Minuten seinen Standort ändern, dafür gibt es eine Regel. Und im Glashäuschen warten nicht Zeitung und Cappuccino, sondern Defibrillator und Steuerbord über alle Becken.

Ja, Fabian hat schon mal Leute aus dem Wasser ziehen müssen. Das kommt öfter vor. Der Defibrillator kam zum Glück aber noch nie zum Einsatz. Im Glashaus hat man wirklich gar keine Ruhe: Ständig klopfen Badegäste an die Tür, denen man weiterhelfen muss. Fabian erzählt mir, dass man als Bademeister auch wahnsinnig oft angemacht wird. Wiederrum ein Klischee, das ich gar nicht mehr auf dem Schirm hatte, aber 90er Jahre und Baywatch haben wohl nachhaltige Fantasien hinterlassen.

Sauna, Sprüche und Sex

Apropos Fantasien: Unsere letzte Station ist der Sauna-Bereich - und auch hier warten Aufgaben, die ich gar nicht auf dem Schirm hatte. Als Bademeister steht man auch mal hinter dem Tresen und nimmt die Bestellung von Sauna-Gästen auf, die manchmal Handtücher tragen, manchmal aber eben auch nicht. Man muss die Aufgüsse machen - dafür gibt's ein extra Tanktop mit der Aufschrift "Jetzt wird's heiß". Vor allem Bademeisterinnen verzichten oft lieber auf diese Einladung für blöde Sprüche.

Mein Fazit also: Ganz schön viel sexuelle Stimmung in so einem Schwimmbad, ganz schön viel Verantwortung, ganz schön viel meckernde Badegäste. Wie immer ist man als Mensch, der dort arbeitet, nämlich an allem Schuld. Auch, wenn man nullkommagarnichts dafür kann. Von mir gibt's ab jetzt viel mehr Respekt und Demut. Es ist doch immer wieder spannend, wie wenig Ahnung man von anderen Berufen hat. Und es ist deshalb so toll, wenn man die Möglichkeit bekommt, mal einen Tag was anderes auszuprobieren.

Das machen Bademeister wirklich // Drei Mal am Tag die Wasserqualität stichprobenartig testen, den Kontrollraum checken, die Badegäste im Auge behalten, Sauna-Aufgüsse, an der Kasse sitzen, die Schichtplanung.

Bademeister in München // absolvieren ihre Ausbildung im Ungererbad, können sich dann in einem SWM Bad ihrer Wahl bewerben und haben bei den Stadtwerken einen sehr sicheren Job.

Klischees, die stimmen // Mädels hinterher gucken. Oder Jungs. Und Feinripp-Unterhemden tragen - aber nur in der Sauna beim Aufguss!

Klischees, die völliger Schwachsinn sind // Nur Zeitung lesen und chillen? Bademeister müssen tatsächlich alle fünf Minuten den Standort wechseln.

Money // SWM-Mitarbeiter werden alle nach dem Tarifvertrag Versorgungsbetriebe bezahlt - je nach Aufgabe in den Entgeltgruppen 5 bis 8. Das bedeutet, das Einstiegsgehalt in den M-Bädern liegt für sie zwischen rund 2.700 und 3.300 Euro brutto.


Danke an die Stadtwerke München für die Möglichkeit, einen Tag Bademeister zu sein.

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