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Ungewaschene Hände im Fast-Food-Restaurant

Die Österreicher legen Wert auf gutes Benehmen.Wie es um die Manieren der Bürger bestellt ist, zeigt der Praxistest.

Den Müll nicht auf die Straße werfen, nach der Toilette die Hände waschen und bei Rot nicht über die Kreuzung gehen - das halten die Österreicher für gute Manieren. Statt der klassischen Eigenschaften eines Gentleman liegt nun Alltägliches an der Spitze der guten Manieren, wie eine IMAS-Umfrage ergab. Die SN beobachteten Salzburger einen Tag lang und stellten fest, dass sich viele Menschen nicht an die Benimmregeln halten.

Der Tag beginnt mit dem Weg in die Arbeit, dafür muss eine Straße überquert werden. 30 Prozent der Österreicher halten bei Rot über die Kreuzung gehen für unhöflich. Deshalb haben sich die SN auf die Lauer gelegt und eine halbe Stunde lang den Zebrastreifen nicht aus den Augen gelassen. Das Ergebnis: Viele halten sich nicht an das Rotlicht. 51 Menschen überquerten trotz des Verbots die Straße - unter ihnen auch eine zehnköpfige Gruppe betagter Touristen. "Ich habe es eilig", erklärt eine ältere Frau, warum sie die Straßenordnung ignoriert. "Es wird ohnehin bald Grün", lautete die Begründung eines Mannes.

Sobald die Straße sicher überquert wurde, beginnt das Warten auf den Bus. 73 Prozent der Österreicher sind der Meinung, dass Müll auf die Straße zu werfen zu den schlechten Sitten gehört. Mit einem Blick rund um die Bushaltestelle sieht man vereinzelt Zigarettenstummel auf dem Gehsteig liegen. Tatsächlich: Innerhalb von einer halben Stunde drücken zwei Personen ihre Zigaretten auf dem Boden aus. Drei benutzen jedoch den Mistkübel, der neben der Bushaltestelle steht.

Der Bus kommt - und ist gerammelt voll. Man zwängt sich hinein und versucht einen halbwegs gemütlichen Platz zum Stehen zu finden. Eine Haltestelle weiter steigt eine ältere Dame in den Bus. Sofort springt ein junges Mädchen auf und bietet ihr den Sitzplatz an. Die Dame strahlt und bedankt sich. "Das ist sehr nett", sagt sie. Als sie jung war, hat sie auch immer den Älteren ihren Platz angeboten. Eine andere Dame pflichtet ihr bei: "Mir hat auch ein junger Mann den Platz angeboten." Man solle nicht über die Jugend schimpfen, denn "sie ist sehr höflich". Ein Pluspunkt also, der an die Jugendlichen in Salzburg geht. 71 Prozent der Österreicher finden es übrigens angebracht, Älteren den Platz im Bus zu überlassen.

Mittagspause, also ab in den nächsten Supermarkt, um eine Jausensemmel zu kaufen. Artig stehen die Kunden vor der Kassa an. Sehr gut, denn 72 Prozent der Österreicher finden es unhöflich, sich an der Kassa vorzudrängen. Die Kassierin hat allerdings ein anderes Bild: "Es kommt schon oft vor, dass sich die Leute vordrängen." Die anderen beschweren sich dann, wirklich etwas dagegen machen könne sie aber nicht.

Nun der Hygienecheck: Während die Schreiberin dieser Zeilen vorgibt, sich zu schminken, benutzen zehn Frauen die Toilette. Sieben waschen sich nachher die Hände, während drei schnell das Weite suchen - und das, obwohl man in dem Fast-Food-Restaurant bekanntlich mit den Händen isst. Die Frauen haben wohl nicht bedacht, dass es für eine schlechte Sitte gehalten wird, sich nach dem Toilettenbesuch nicht die Hände zu waschen.

Endlich ist Feierabend, voller Vorfreude fährt man zum Christkindlmarkt, um sich mit einem Freund zu treffen. Doch der kommt zu spät, obwohl 64 Prozent der Österreicher eine Verspätung bei Verabredungen für unhöflich halten. Eine Umfrage auf der Facebook-Seite der "Salzburger Nachrichten" zeigt, wie man mit dieser Unsitte umgehen soll: 47 Prozent der Befragten meinten, dass die Hände verschränken und langsam sauer werden der richtige Weg ist. 26 Prozent würden zehn Minuten warten und dann anrufen. Schließlich will man ja wissen, was los ist. 20 Prozent sind indes weniger geduldig: Sie würden eine Viertelstunde warten und dann einfach gehen. Sieben Prozent sehen die Unhöflichkeit ganz gelassen. Sie würden gar nichts machen, es wird schon einen guten Grund für die Verspätung geben.

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