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Die Energie für das Smartphone selbst erzeugen

Markus Schulz hat "Kalhuohfummi" und "Maroshi" entwickelt - ein Solarpanel und einen Akku, mit dem man sein Handy aufladen kann. Die eingesparten Watt werden gegen einen Luxusurlaub eingetauscht.

Wenn Markus Schulz über das Wetter spricht ist das kein Small Talk - sondern er redet über die Grundlage seines Betriebs. Der 46-jährige Berliner hat Changers gegründet: Ein Unternehmen, das ein mobiles Solarpanel und einen Akku herstellt.

"Maroshi" heißt das Solarpanel, das wetterfest und flexibel ist. Es ist etwas größer als ein iPad und erzeugt vier Watt pro Stunde. "Kalhuohfummi" ist der dazugehörige Akku, der maximal 16 Watt-Stunden speichern kann - das ist zwei Mal so viel, wie man für eine Handy-Ladung braucht. "Kalhuohfummi" ist handtellergroß und kann gleichzeitig be- und entladen werden. Mit "Kalhuofummi" kann alles betrieben werden, was einen USB-Anschluss hat: also iPads, Wireless-Tastaturen, Handys, aber auch Ventilatoren, USB-Sticks oder LED-Lampen. Ein Starter-Kit kostet 149 Euro.

Mit seiner Erfindung will Schulz vor allem eines erreichen: Freiheit. "Wir wollen, dass unsere Kunden unabhängig von Steckdosen sind - selbst etwas produzieren können." Insgesamt haben seine Kunden bisher 225.000 Watt-Stunden selbst erzeugt, das sind 28.125 Handy-Ladungen. "Die Menschen erfahren plötzlich, wie viel Energie der Toaster, der Fön und das iPad brauchen", sagt Schulz.


Tausche Luxusurlaub gegen Watt
Die derzeit 3500 Kunden von Changers sparen also Geld, weil sie weniger Strom verbrauchen. Doch das Konzept von Markus Schulz geht weiter: "Für jede selbst erzeugte Wattstunde gibt es einen Changers Credit." Dieser Credit kann dann gegen nachhaltige Produkte und Dienstleistungen eingetauscht werden. Für 59 Credits kann man etwa ein DHL-Paket im Wert von 5,90 Euro verschicken lassen, für 2000 Credits darf man eine Woche Urlaub im Rocks-Resort im Schweizer Laax verbringen. "Energie sparen soll Spaß machen", sagt Schulz dazu.

Damit es noch mehr Spaß macht, führte Schulz auf seiner Seite einen Community-Bereich ein. "Die User können sehen, wie viel Energie sie gespart haben - und wo sie im Vergleich zu ihren Freunden stehen." Es gibt Abzeichen, wenn die Kunden einen gewisse Watt-Anzahl gespart haben - oder etwa auch, wenn sie ihre Credits gegen einen Baum getauscht haben. "Der Treehugger-Award ist sehr beliebt, den gibt es bald auch auf einem T-Shirt", sagt Schulz.


Schnorrst du mir mal Energie?
 Handy und Tablets machen nur einen geringen Anteil am Stromverbrauch eines Haushaltes aus. Die Kunden dürfen also nicht mit einer Halbierung des Strompreises rechnen. Dennoch: "Es ist einfach spannend, sich mit dem Thema Strom zu beschäftigen, ihn selbst zu produzieren." Ein Kuchen schmecke eben am besten, wenn er aus den Äpfeln des eigenen Baums gemacht werde.

Schulz hofft, dass die Anzahl der "Krieger des Lichts" steigt. Warum er seine Kunden so nennt? Das habe mit der Namensgebung seiner Geräte zu tun. "Maroshi" ist eine Insel auf den Malediven, die im 16. Jahrhundert von portugiesischen Eroberern bedroht war. Das Kriegsschiff "Kalhuohfummi" dockte damals immer wieder auf "Maroshi" an, um die Krieger in den Atollen mit Lebensmittel zu versorgen. Heute sei der steigende Meeresspiegel die größte Gefahr für "Maroshi": ",Kalhuohfummi’ dockt also heute bei Maroshi an, um die Menschen mit Energie zu versorgen - damit sie weiter gegen den Klimawandel kämpfen können."

Schulz will mit seiner Innovation also erreichen, dass in Zukunft jeder einen Teil seiner Energie selbst erzeugt. "In einer Bar soll es nicht mehr heißen ,Schnorrst mir eine Zigarette’, sondern: ,Schnorrst du mir mal Energie?’."

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