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Raue Wellen und hohe Kunst im Baskenland

Das Guggenheim-Museum in Bilbao.

Bilbao-Effekt: Sogar ein Phänomen ist nach der baskischen Stadt benannt. Wer von Kunst und Kultur genug hat, fährt mit der Metro an den Strand.


In Bilbao ist alles Kunst. Sogar wenn Straßenlaternen ihre Hälse in die Luft recken oder ihren Kopf der Erde zuneigen. Wer genau in der Mitte steht, sieht statt Chaos eine perfekte Symmetrie. In der baskischen Stadt hat sich vieles verändert, seit Frank O. Gehry 1997 das Guggenheim-Museum fertiggestellt hat. "Früher war Bilbao eine Industriestadt - heute ist der Tourismus die Haupteinnahmequelle", sagt Fabio Gonzales. Der 30-Jährige sitzt in einem Altstadtcafé in Bilbao und ist wie viele Basken stolz auf die Stadt, die sich im Norden Spaniens an den Atlantik schmiegt. Das Guggenheim war der Auslöser, dass immer mehr Touristen in die Stadt strömten. "Wir bieten hier Qualitätstourismus, keine Massenabfertigung", sagt Gonzales. Der Aufschwung der Stadt führte zu dem Begriff "Bilbao-Effekt": die Belebung einer ganzen Stadt durch den Bau von architektonischen Meisterwerken.


Ein Meisterwerk ist das Guggenheim allemal, schon von außen: Bei jedem Schritt verändert sich das Bauwerk, gleicht Meereswellen, dann einem Schiff und zwei Meter weiter einem ein U-Boot. Direkt daneben hockt Louise Bourgeois' Spinne auf dünnen Stahlbeinen. Mutige Touristen wagen sich unter das Vieh und sehen ballgroße, weiße Spinneneier in einem Netz über ihren Köpfen baumeln.


Das Museum ist in drei Ebenen geteilt. Im ersten Raum ist dauerhaft eine riesige Installation aufgestellt - Richard Serra formt aus altem Industriematerial wellenförmige Platten, die die Besucher um das Dreifache überragen. Viele Kunstwerke der Guggenheim-Sammlung sind begehbar. Es ist nicht einfach, die Orientierung zu behalten. Schon bald knurrt der Magen. Gut, dass der Soziologe Gonzales auch über die Esskultur der Basken Bescheid weiß. "Wir lieben Pintxos, so heißen die Tapas bei uns", sagt Gonzales. Die besten gebe es in der Altstadt, in den engen Gässchen, die sich zum Fluss Rio del Nerviòn O del Bilbao hinschlängeln. Eine kleine Pintxos-Bar folgt der nächsten, dazwischen stecken kleine Boutiquen.


Nicht wärmer als 26 Grad im Sommer

Gonzales hat noch zwei Tipps parat. Erstens: Mit der Zahnradbahn Funicular de Artxanda auf den Hügel am Rande der Stadt fahren - für einen Rundblick über Bilbao, den Fluss, das Guggenheim und das Stadion, genannt "La Catedral del Fútbol". "Für uns ist Fußball wirklich eine Religion", sagt Gonzales und grinst. Bei Athletic Bilbao spielen nur Basken. "Viele der Spieler kenne ich, weil sie in meiner Straße wohnten."


Der zweite Tipp: "Fahr an den Strand!" Der lässt sich mit der Metro erreichen: Beim Hafen von Getxo trainieren Läufer barfuß im Sand, in Larrabasterra sind zwei Strände von einem Felsen geteilt, der von Wind und Wasser geschliffen wurde und sich wie ein Drachenkamm nach rechts neigt. Für den Sonnenuntergang empfiehlt Gonzales den rechten Strand - Atxabiribil Hiribidea. Hier tummeln sich Surfer in ihren schwarzen Neoprenanzügen, für Schwimmer sind die Wellen zu stark, generell übersteigen die Temperaturen im Sommer 26 Grad nicht.


Im kleinen Hafen Plentzia, Endstation der Metro L1, ankern meist Segelboote. Der Sandstrand liegt in einer kleinen, geschützten Bucht.

Mit dem Auto lassen sich von Bilbao aus weitere Strände und die wilde, vom Atlantik geformte Küste entdecken. San Juan de Gaztelugatxe ist

35 Kilometer von Bilbao entfernt. Ein schmaler Zugang verbindet das Festland mit einer Insel, auf der eine Kirche thront. Ganz ohne Klettern lässt sich das beste Foto vom Festland schießen: Neben der Kirche fällt der Felsen nicht gleich ins Meer ab, sondern hat zwei Durchgänge für das Wasser geschaffen - eine urtümliche Brücke, die ins Nichts führt. Umtost von den rauen Wellen des Atlantiks.

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