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Eine Software hilft dem Kummertelefon

Eine Salzburger Studentin hat einen Algorithmus entwickelt, der Nachrichten von Kindern sortiert. Mitarbeiter einer Kummernummer sollen so schneller entdecken, wer wirklich in einer Krise steckt.


Früher konnte man „Rat auf Draht“ nur anrufen. Mittlerweile sind die Mitarbeiter der Notrufnummer für Kinder und Jugendliche auch per Chat oder Nachricht erreichbar. Damit sie und Berater in anderen Ländern künftig schneller erkennen, wer wirklich in einer Krisensituation steckt, hat die Studentin Sharona Boonman einen Algorithmus programmiert.

Die Software analysiert Textnachrichten von Kindern und markiert jene, die besonders schnell Aufmerksamkeit der Berater benötigen. „Kinder sagen nicht immer, was sie meinen. Sie schreiben von kleinen Problemen, leiden aber in Wahrheit an größeren“, sagt die 23-jährige Niederländerin. Und es gebe jene, die sich an die Hotline wenden, weil sie sich langweilen oder weil sie es lustig finden.

Boonman studiert Digital Communication Leadership an den Universitäten Salzburg und Kopenhagen. Für ihre Masterarbeit hat sie anonymisierte Briefe an eine Notrufnummer in Dänemark analysiert und ihr Programm dadurch lernen lassen.


Die Satzlänge ist ein wichtiger Hinweis

Der Algorithmus überprüfe einerseits die benutzten Smileys, Satzzeichen, Wörter; „Selbstmord“ im Text löse etwa gleich Alarm aus. Zudem teste er aber auch die Länge der Sätze: „Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder mit Selbstmordgedanken häufig kürzere Nachrichten schreiben als jene, die diese Gedanken nicht haben“, sagt die Niederländerin.

Etwa zehn Prozent der eingehenden Nachrichten bräuchten eine sofortige Rückmeldung.

Standardisierte Antworten soll das Programm jedoch nicht verschicken. „Es ist wichtig, dass die Anfragen der Kinder und Jugendlichen von einem Menschen bearbeitet werden.“

Das Programm basiert auf dänischen Briefen. Wäre es auch in Österreich anwendbar oder gibt es kulturelle Unterschiede? Der Algorithmus wäre auch hierzulande einsetzbar, sagt die Studentin. „Das Verhalten, die Probleme der Kinder ähneln sich.“

Die Niederländerin zog für ihr Studium zuerst nach Salzburg, dann nach Kopenhagen. Nach ihrem Masterabschluss will die 23-Jährige weiterhin für karitative Einrichtungen arbeiten. „Ich will mit meinen Kenntnissen nicht reiche Leute noch reicher machen – sondern dabei helfen, größere gesellschaftliche Probleme zu lösen.“

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