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TTIP: Welche Folgen hat das Abkommen für Österreich?

Das österreichische Institut für Wirtschaftsforschung hat vorgerechnet, was das TTIP Österreich bringen könnte. Im besten Fall schafft das Freihandelsabkommen knapp 45.000 Arbeitsplätze.


Die USA und die EU verhandeln seit fast einem Jahr an einem transatlantischen Freihandelsabkommen - die Proteste gegen das TTIP reißen aber nicht ab. Die Kritiker berufen sich darauf, dass durch die Vereinheitlichung der Standards Chlorhühner und gentechnisch veränderte Lebensmittel in die EU gelangen könnten. Das österreichische Institut für Wirtschaftsforschung hat nun ein Arbeitspapier herausgegeben, in dem Fritz Breuss die Auswirkungen des TTIP auf Österreich diskutiert.


"TTIP ist nicht zur Überwindung der Krise geeignet"
Das Papier zeichnet ein klares Bild: Zur Überwindung der gegenwärtigen Krise ist das TTIP jedenfalls nicht geeignet. "Die positiven Effekte treten nicht sofort ein, sondern erst langfristig", schreibt Breuss in der Studie. Wenn durch das TTIP Zölle und andere Handelsbarrieren, wie zum Beispiel Pflanzenschutz, abgebaut würden, könnte der Wohlstand in Österreich jedoch im besten Fall bis 2023 um 2,71 Prozent steigen. Gemessen wird der Wohlstand mit dem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf. Die USA könnte ihren Wohlstand sogar um 13,4 Prozent steigern. Im schlechtesten Fall könnte das Bruttoinlandsprodukt in Österreich jedoch auch nur um 0,10 Prozent zulegen.

 44.831 neue Jobs möglich
Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den Arbeitsplätzen ab. Langfristig könnten durch den Abbau der Zölle in Österreich 0,07 Prozent mehr Jobs geschaffen werden - das sind 2828. Wenn das TTIP nicht nur Zölle, sondern auch andere Handelsbarrieren abbaut, könnten in zehn bis zwanzig Jahren 44.831 neue Arbeitsstellen entstehen - das ist ein Plus von 0,28 Prozent. In den USA werden hingegen 0,20 beziehungsweise 0,78 Prozent mehr Jobs geschaffen.

USA profitiert mehr von Abkommen
Warum die USA nach den Studien mehr vom TTIP profitiert, erklärt Breuss damit, dass der Zollschutz der EU momentan höher ist als in den USA. Die US-amerikanische Fahrzeugindustrie würde etwa durch Abbau der Handelshemmnisse um 100 Prozent wachsen. Doch auch die Landwirtschaft der Europäischen Union, der Export von Nahrungsmittel und Industriegüter würden profitieren.

Nach Breuss würden vor allem Großunternehmen im Ausland direkt investieren, multinationale Unternehmen würden also den größten Vorteil vom Abbau der Handelsbeschränkungen ziehen. Die meisten Multis sitzen in den USA: Die Financial Times listet die 100 größten Firmen auf, 41 davon sind aus den USA, 25 haben ihren Sitz in der EU.


China könnte bei WTO Protest einlegen
Österreich würde durch das TTIP deutlich mehr Handel mit den USA betreiben. Langfristig würden 108 Prozent mehr österreichische Güter und Dienstleistungen in den USA landen. Dafür würde aber der Handel mit anderen EU-Ländern verringert werden: An Deutschland würden österreichische Betriebe um 24 Prozent weniger liefern, an England sogar 37 Prozent.

Breuss hat auch den Handel mit Drittländern analysiert. Wenn die USA und die EU das TTIP beschließen, würde es zu starken Verlusten für China, Russland aber auch den Staaten der BRICS kommen. Die Staaten, allen voran China, könnten also eine Beschwerde bei der WTO wegen Diskriminierung einlegen.

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