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Im Zeitraffer durch die Stadt

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Der Salzburger Michael Leitner hat auch für die Weltfußballorganisation FIFA Hyperlapse-Videos gedreht.

Michael Leitner fotografiert Salzburg auf eine außergewöhnliche Weise. Mit seinem Werk tritt der Psychologe bei einem Festival in den USA an. Auch die FIFA setzt auf seine Technik.

Einen winzigen Schritt vorwärts, die Kamera klickt. Michael Leitner bahnt sich in der Hocke den Weg durch die Menge, die einer Oper auf dem Kapitelplatz lauscht. Der 34-jährige Salzburger schiebt eine Kamera samt Stativ vor sich her. Anfangs, erzählt Leitner, schauen die Menschen erstaunt. Doch nachdem er beharrlich kleine Schritte macht, beachten die Passanten ihn irgendwann nicht mehr. Leitner macht Hyperlapse-Videos – spezielle Zeitrafferaufnahmen, die aus zahlreichen Einzelfotos bestehen. 

Das Ergebnis ist faszinierend: An der Pferdeschwemme in der Stadt Salzburg flitzen Passanten und Autos vorbei, während sich die Kamera Richtung Hofstallgasse bewegt. Im Unterschied zu einem Video stimmt die Zeitebene nicht, die Menschen laufen im Zeitraffer, die Bewegung der Kamera ist viel langsamer. 
Mit seinem Video „One Night in Salzburg“ (Eine Nacht in Salzburg) ist Leitner nun für das Timelapse Filmfestival von Santa Monica, Kalifornien, nominiert. Eine Jury bewertet am 13. August sein Werk. „Es ist eines der größten Timelapse-Festivals der Welt. Es ist eine riesige Ehre, dass mein Video dabei ist“, sagt Leitner. An dem nominierten Video hat er mehr als zwei Jahre gearbeitet. Wenn die Nacht schön war, sei er oft von 10 bis 2 Uhr in der Früh draußen gewesen. „Es hat etwas Meditatives. Ich konzentriere mich ganz auf meine Aufgabe.“ 
Und die Aufgabe ist nicht leicht: Leitner muss erst definieren, wie sein Weg aussehen soll. Bewegung sei dabei wichtig. „Passanten, Autos oder Büsche, die im Wind rascheln, machen die Videos interessanter.“ Leitner muss zudem Bodenwellen ausgleichen – und die Aufnahmen in stundenlanger Computerarbeit zusammenstellen.
Der Salzburger hat gerade seinen Master in Psychologie abgeschlossen, nun will er sich beruflich orientieren. Zuvor hat er noch Kommunikationswissenschaft und Medientechnik studiert, insgesamt hat er sechs Abschlüsse. In seiner Master-Arbeit in Psychologie hat er eine Entdeckung in der neuropsychologischen Diagnostik gemacht. „Ich habe zwei Standbeine: Medien und Wissenschaft“, sagt Leitner. Im Idealfall will er beide Leidenschaften kombinieren. Erste Versuche in die Richtung hat er schon unternommen. Mit dem „Kick App Cup“ reiste er in das Silicon Valley, nach Indien und Brasilien. „Bei dem Cup spielen Softwareentwickler der Firma SAP und sozial benachteiligte Kinder gemeinsam Fußball – und entwickeln eine App.“ Gemeinsam mit der Salzburger Agentur Chaka2 hat er den Prozess in einem Hyperlapse-Video dokumentiert. Für die Weltfußballorganisation FIFA hat der 34-Jährige zudem ein Treffen des Sport-Masterstudiengangs in Paris festgehalten.
Ein weiteres Salzburg-Video wird es allerdings nicht geben. „Die Stadt ist abgegrast“, sagt Leitner. Er könnte sich aber vorstellen, Zeitraffer-Videos von anderen Städten für Reisebüros und Fluggesellschaften zu machen. „Tokio im besten Licht erstrahlen zu lassen wäre toll.“


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