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Salzburger sucht in Berlin nach erfolgreichen Start-ups

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Benedikt Kronberger.

Der Oberalmer Benedikt Kronberger bewertet in Berlin Start-ups für Investoren. Aber was hat das mit Fabelwesen und Kleiderversand zu tun?

Berlin ist arm, aber sexy, sagte 2003 der damalige Bürgermeister Klaus Wowereit. Heute, 13 Jahre später, strebt die deutsche Hauptstadt dem Reichtum entgegen. Denn Berlin boomt, jedes Jahr werden hier 500 neue Unternehmen gegründet, jeder achte neue Arbeitsvertrag wird in einem Büro eines Start-ups unterschrieben. Und auch das Geld fließt nach Berlin: 900 Millionen Euro Risikokapital konnten die Gründer voriges Jahr verbuchen. Das ist mehr als in London.

Inmitten des ganzen Trubels aus Zwei-Minuten-Überzeugungsreden, Tischfußballtischen und englischer Start-up-Sprache wirkt Benedikt Kronberger wie ein Ruhepol. Der Oberalmer spricht ruhig und überlegt. Kronberger ist ein wichtiger Mann in Berlins Start-up-Szene: Er ist der Chef von b-to-v, einem Wagniskapitalgeber. Die Firma verwaltet 200 Millionen Euro und berät Investoren, in welches Start-up sie investieren sollen. "Ich achte vor allem auf das Gründungsteam", sagt Kronberger. Er bewerte, ob die jungen Unternehmer das nötige Wissen und den nötigen Einsatz haben, um in der Welt der Start-ups zu bestehen. Aber auch die Marktgröße und das Produkt seien essenziell: "Ich frage, ob das Produkt ein Problem löst, ob es einen Prototypen gibt und ob die Zulassungen beantragt wurden."

Aufzüge, die aussehen wie halbe Tic Tacs mit Sichtfenster, bringen eine Salzburger Delegation in das Büro von Stefan Franzke. Er ist der Geschäftsführer von Berlin Partner und will Kapital und Unternehmergeist in die deutsche Hauptstadt bringen. So zackig wie seine Aufzüge gleiten auch die Zahlen aus Franzkes Mund. In Berlin gebe es mehr als 100 Forschungszentren, aus denen sich Start-ups entwickeln. In mehr als 70 Coworking Spaces sitzen die Gründer an ihren flexiblen Schreibtischen. 62.000 Menschen arbeiten in jungen Unternehmen. Und: Nur zehn Prozent der Start-ups sind dauerhaft erfolgreich.

Nach diesen zehn Prozent sucht Kronberger. Denn sie haben das Potenzial, Einhörner zu werden. "Als Einhörner bezeichnen wir ehemalige Start-ups mit über einer Milliarde Unternehmensbewertung", sagt der Oberalmer. Ein Berliner Einhorn ist etwa Rocket Internet, ein Wagniskapitalgeber, der 2014 an die Börse ging und 7,6 Milliarden Euro einsammelte.

Ein Einhorn mit besonderer Bedeutung ist jedoch Zalando. Der Online-Versandhändler aus Berlin wurde 2008 gegründet und sei gewissermaßen die Wurzel des Stammbaums, aus dem nun die zahlreichen Start-ups sprießen. Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Start-ups: "Die Gründer re-investieren das Geld, das sie verdienen. Sie unterstützen damit junge Gründer." Zudem geben sie ihr Wissen weiter, zahlreiche ehemalige Praktikanten hätten nun ihr eigenes junges Unternehmen, sagt Nöll. "Es ist ein System, das sich selbst verstärkt."


Benedikt Kronberger gibt Salzburgern Start-ups Tipps

Bevor Kronberger als Investor arbeitete, hat er selbst ein Start-up gegründet: Ein Online-Drogeriemarkt. Ein Investor lockte ihn nach Berlin. 2011 hat der Oberalmer die Firma verkauft, Differenzen mit den Partnern waren der Grund.
Salzburger Start-ups sollten die heimische Förderlandschaft ausnützen, die besser sei als in Deutschland. Für Gründer sei es wichtig, sich international zu vernetzen. Start-up-Events in München, Wien, Berlin und London seien eine Gelegenheit, Investoren kennenzulernen. "Durch das Internet fällt das Kontakthalten leichter", sagt Kronberger. Um die Idee zu perfektionieren, sollten die Gründer mit Gleichgesinnten diskutieren. "Die Umsetzung ist das Schwierigste."

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