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Büro mit eigenem Kraftwerk

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Simon Speigner (rechts) und Architekt Michael Höcketstaller vor dem Holzhaus, an dem sich die Fuschler Ache teilt.

Der Thalgauer Simon Speigner kaufte ein altes Sägewerk und wandelte es in ein Wasserkraftwerk um. Er versorgt so sein Architektenbüro mit Strom. Auch Flüchtlinge profitieren davon.

Wer auf dem Parkplatz der sps-Architekten in Thalgau hält, sieht zuerst eine Ruine. Die grobe Betonmauer und die rostige Pumpe gehören zu einem Sägewerk. Seit den 80er-Jahren steht es still. Dahinter ragt ein dreistöckiges Holzhaus empor, das gänzlich mit Schindeln gedeckt ist. Die Räume im Haus seien Plus-Energie-Büros, sagt der 46-jährige Simon Speigner, Geschäftsführer. Denn die Energie für Heizung und Beleuchtung kommt vom eigenen Wasserkraftwerk.

Früher betrieb das Sägewerk seine Maschinen über den Druck des nahen Flusses, heute nutzt Speigner die Energie für sich. Oben beim kleinen Holzhaus teilt sich die Fuschler Ache, ein Teil des Wassers fließt weiterhin rechts vorbei. Eine automatische Schleuse drückt das Wasser links Richtung Betonbau, der hundert Meter weiter unten steht. Im Betonbau fällt das Wasser fünf Meter in die Tiefe und erzeugt Strom. "Zwischen Holzhaus und Betonbau ist unser Schwimmkanal mit Gegenstromanlage", sagt Speigner. Seine zehn Mitarbeiter springen an Sommertagen gern in den Bach, dessen Energie sie im Winter wärmt. Das Kraftwerk erzeugt 320.000 kWh pro Jahr, Speigner nutzt nur ein Sechstel. Den Rest speist er in das System der Salzburg AG ein.


"Das gibt viel Kraft"

Während draußen das Wasser fließt, setzt Speigner innen auf Holz. Die Wände, der Boden, die Decken der Büros sind mit unterschiedlichen Holzarten verkleidet. In der Mitte hält ein Betonkern das Gebäude aufrecht. In dem Beton sind große Steine erkennbar. "Wir haben uns an dem Erscheinungsbild des alten Sägewerks orientiert", sagt Speigner.

sps-Architekt Michael Höcketstaller zeigt sich von dem Arbeitsplatz begeistert. "Wir sehen hier die Architektur, die wir selbst machen." Wenn er etwa die Details einer Tür plane, könne er sich von den Schnitzereien an der Eingangstür inspirieren lassen. Höcketstaller schätzt auch die Ruhe: "Das gibt viel Kraft."

Neben sps arbeiten ein Innenarchitekt, eine Agentur und ein Beleuchtungsspezialist im Haus. Eine Familie wohnt in dem Holzbau - und seit 2015 zwei Syrer kostenlos. Die Flüchtlinge hat Speigner bei einem Klassik-Konzert kennengelernt, das er in seinem Erdgeschoß organisiert hatte. "Wir machen öfter Kulturveranstaltungen." Der Architekt setzte sich für die Syrer ein. Mittlerweile arbeite einer als Kochlehrling, während der zweite Deutsch lerne, erzählt Speigner: "Hier ist es sicher einfacher, das Kriegstrauma zu verarbeiten."


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