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Der sanfte Riese im Winterdienst

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Michael Rahofer sorgt dafür, dass Salzburgs Straßen frei von Schnee und Eis sind.

Michael Rahofer sorgt dafür, dass Salzburgs Straßen schon in der Früh schneefrei sind. Das baldige Aufstehen macht ihm nichts. Im Gegenteil: Er mag es, wenn die Stadt erwacht. 


Um drei Uhr Früh beginnt die Schicht von Michael Rahofer. Die Stadt Salzburg schläft noch, es ist still und die Schneedecke ist noch unberührt. Mit seinem Lkw schiebt Rahofer den Schnee zur Seite, damit Autos und Busse die Straße sicher befahren können. "Ich mag es, am Morgen zu arbeiten", sagt der 37-jährige Gnigler. "Man sieht wie das Leben in der Stadt beginnt: Die Menschen holen die Zeitung, der Bäcker bringt die Semmeln."

Der große Mann mit dem zurückhaltenden Lächeln liebt seinen Job - auch wenn er beschwerlich ist. "Wir haben 24-Stunden-Dienste, schlafen gibt's da manchmal nicht", sagt Rahofer. Es passiere aber auch nur fünf Mal im Jahr, dass er einen Tag und eine Nacht lang Schnee räumen muss. Man kann sich vorstellen, dass es ihm auch dann noch Freude bereitet, wenn der Pflug den Schnee zusammendrückt und nach vorne schiebt.

Ob es hin und wieder Beschwerden gibt? Ja, manche Menschen schaufeln den Schnee vom Gehsteig runter, der Winterdienst schiebt ihn wieder rauf. "Wir treffen uns dann meist in der Mitte, so dass jeder damit leben kann", sagt Rahofer mit sanfter Stimme. "Oder wir machen solange weiter, bis der Schnee geschmolzen ist", ergänzt er neckisch.

Es scheint, als ob Rahofer nichts aus der Ruhe bringen kann. Nur einmal macht er mit seiner großen, rechten Hand einen Bogen, als er von seinem schönsten und zugleich aufregendsten Erlebnis erzählt: "Einmal habe ich einer Frau geholfen." Sie war mit ihrem Auto in den Straßengraben gefahren, ihr Kind saß auf der Rückbank. "Das Kind schrie, die Frau war verzweifelt, es war Chaos." Rahofer rief das Rote Kreuz und blieb bis die Retter kamen bei der Frau. "Es hat ihr gut getan, dass ich da war." Die Frau hatte nur leicht Verletzungen. Sie rief am nächsten Tag an und bedankte sich: "Sie brachte auch 'Merci' vorbei", sagt Rahofer. Dabei mischt sich ein bisschen Stolz in sein freundliches Lächeln.

Geschickt lenkt Rahofer den großen, orangen Lkw um die Kurve und parkt gezielt ein. Auch zu Weihnachten wird er in diesem Fahrzeug sitzen. Seine Familie ist davon nicht begeistert: "Aber es hilft nichts."

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