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Reportage

Tod eines Friedfertigen - Der politische Mord an Grigoris Lambrakis

Sechsunddreißig Tage vor seinem Tod, es ist ein Aprilmorgen im Jahr 1963, erklimmt Grigoris Lambrakis die Stufen zum Hügel von Marathon. Er legt einen Blumenstrauß nieder, entrollt ein Transparent und spannt es zwischen seinen ausgebreiteten Armen auf. "Hellas" steht darauf geschrieben, rechts und links davon das Friedenssymbol. In den Augen der griechischen Behörden ein unerhörtes Vorgehen. Die Regierung hat den Friedenslauf verboten und zur Sicherheit gleich ein landesweites Versammlungsverbot ausgegeben. Dass es Grigoris Lambrakis überhaupt bis nach Marathon geschafft hat, verdankt er seiner parlamentarischen Immunität und seinem zähen Willen. Seine Mitstreiter, unter ihnen Mikis Theodorakis, sind an den Blockaden der Polizei gescheitert, mehr als 600 Personen befinden sich in einem Athener Stadion in Polizeigewahrsam. Doch den Politiker und Aktivisten Lambrakis kann nichts aufhalten. Auch die Morddrohungen nicht, die er schon seit einiger Zeit erhält.