Alisa Sonntag

Freie Journalistin und Fotografin, Leipzig

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Artikel

Warum ein Viagra für Frauen nie funktionieren wird und was du über weibliche Sexualität sonst noch nicht wusstest

Als ich Emily Nagoskis Buch „Komm, wie du willst" gelesen habe, gab es einen Moment, in dem ich kurz die Luft anhalten musste. Denn Nagoski schreibt darin etwas, das mir eigentlich längst hätte klar sein müssen. Mit Sex, erklärt sie, ist es wie mit sehr vielen Dingen auf dieser Welt: Männer haben geprägt, was wir normal und richtig finden. Sex ist für uns also das, was es für einen großen Teil der Männer ist: Verlangen, das einfach so spontan entsteht. Mit Orgasmus am Ende.


Ich bin eine Frau, ich habe Sex mit Männern, ich bin in einer Welt aufgewachsen, in der Gleichberechtigung noch nicht Realität ist. Trotzdem kam die Erkenntnis fast als Schock, dass das, was meine Partner unter gutem Sex verstehen, für mich nicht die bestmögliche Variante ist. Auf einmal fielen mir viele Situationen ein, in denen mir das eigentlich hätte klar werden können: All die Male, bei denen ich keine Antwort auf die Frage wusste, was mir eigentlich im Bett gefällt - weil ich nie darüber nachgedacht hatte. Das Ziel von Sex war immer ganz automatisch der Höhepunkt meines Partners gewesen. All die Male, die ich mit Freundinnen gerätselt habe, warum sie scheinbar so viel seltener Lust auf Sex haben als ihre Partner.


Die gängige Einstellung zu weiblicher Sexualität ist, schreibt Nagoski, dass sie mehr oder weniger eine Light-Version der männlichen Sexualität sei. Nur eben nicht ganz so gut. Komplizierter. Anstrengender. Die amerikanische Sexualwissenschaftlerin und Feministin erklärt auch, warum das nicht stimmt.


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