18 Abos und 20 Abonnenten
O-Ton

Wer gestaltet die Zukunft?

In jeder Ausgabe stelle ich für das niederösterreichische Kulturmagazin "morgen" drei Menschen eine Frage. Dieses Mal habe ich Lilli Hollein, Generaldirektorin Museum für Angewandte Kunst in Wien (MAK), Georg W. Reinberg, Architekt mit Schwerpunkt auf ökologischem Bauen, und Herbert Grüner, Rektor der New Design University (NDU) in St. Pölten, gefragt, wer die Zukunft gestaltet.


"Wir als Gesellschaft müssen uns einbringen"

Die Kulturmanagerin Lilli Hollein wurde mit 1. September zur Generaldirektorin des Wiener Museums für angewandte Kunst bestellt. Zuletzt leitete die Wienerin, die an der Universität für angewandte Kunst Industriedesign studiert hat, die von ihr mitgegründete Vienna Design Week. Davor arbeitete sie als Journalistin und Kuratorin.

Unsere Zukunft hängt von großen solidarischen Lösungen ab. Daher kann ihre Gestaltung nicht allein in den Händen irgendwelcher Lenkerinnen und Lenker liegen. Wir als Gesellschaft – also idealerweise wir alle – müssen uns mehr denn je bei der Zukunftsgestaltung einbringen. Und wir müssen dort und bei jenen anfangen, wo die längste Zeit die größten Privilegien genossen wurden.


Dabei geht es vor allem um Gestaltung, die sich in Gedanken, Zeichen und Symbolen manifestiert. Wir brauchen Mittel, wie wir die Gesellschaft dazu bringen, sich als Mitgestalterin zu sehen anstatt Verantwortungen abzuwälzen. Hier geht es nicht nur um Umweltfragen, sondern beispielsweise auch darum, Solidarität zu zeigen und Signale gegen rückschrittliche Gesellschaftspolitik wie etwa derzeit in Ungarn und Polen zu setzen.


Ein Mittel der Gestaltung ist auch die Rebellion. Sie kann sich äußern, indem man sich als Designschaffende den Unternehmenswünschen nach geplanter Obsoleszenz entzieht und nicht die ständige Schaffung neuer Begehrlichkeiten befeuert. Die Designwelt zeigt auf, was in Zukunft nötig ist. Seit einer Dekade gestalten viele Designerinnen und Designer die Zukunft durch bewusstseinsbildende Instrumente und Handlungsanweisungen. Auch Protest ist eine besonders interessante Form der Zukunftsgestaltung, wie zum Beispiel Fridays for Future oder Extinction Rebellion zeigen, die mit ihren visuellen Botschaften übrigens auch einem klassischen gestalterischen Prinzip folgen.


[Bild Copyright: Stefan Olah]


Den ganzen Beitrag gibt es hier: www.morgen.at/2021-08-zukunft/wer-gestaltet-die-zukunft/