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„Wann wenn nicht jetzt" in Bautzen: Bunt in brauner Provinz

Bautzen taz | Dieter steht mit seinem Fahrrad am Rande des Bautzener Kornmarkts. Mit einigem Sicherheitsabstand beobachtet er, was da vor ihm auf der Open­air-Bühne vor sich geht. Der Rentner wirkt aufgebracht. „Was man sich alles in der eigenen Stadt gefallen lassen muss", schimpft er. Dass man mit der AfD gleich Nazis wähle, würden die auf der Bühne sagen. Dabei wählten ja auch manche die Linke und „die richten mehr an als Nazis", meint Dieter. Zwei ältere Damen sitzen ihm gegenüber auf einer Bank und nicken mit dem Kopf.

Es ist Samstagnachmittag, und die Sonne knallt auf den Bautzener Ortskern. Die sächsische Kreisstadt in der Oberlausitz ist die zweite Station der „Wann wenn nicht jetzt"-Konzerttour, mit der sich ein Zusammenschluss aus Linken und zivilgesellschaftlichen Ak­teu­r*in­nen gegen einen Rechtsruck vor den anstehenden Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen engagiert.

In Bautzen ist das nicht leicht. Die Stadt an der tschechischen Grenze ist bekannt für Überfälle von Neonazis auf Geflüchtete. Lokale Aktivist*innen berichten von einer schweigende Mitte, die bei rassistischen Übergriffen wegsieht und Hetzjagden von Rechtsextremen auf junge Geflüchtete als Streit unter Jugendlichen abtut.

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