2 Abos und 0 Abonnenten
Artikel

Bayern-Erfolg in Wolfsburg: Sie kriegen nie genug - SPIEGEL ONLINE - Sport

Last-Minute-Sieg in Wolfsburg - Bayern gewinnt auch das sechste Rückrunden-Spiel

Thomas Müller hat sich über die Jahre den Ruf erredet, unterhaltsame Dinge in eine Fernsehkamera sprechen zu können. Als Analyst taugt er aber eher nicht. Auf die Frage, wie die Münchner es in Wolfsburg schafften, aus einem 0:1 doch noch den zehnten Ligasieg in Serie ( 2:1) zu fabrizieren, sagte Müller: "Es macht uns einfach viel zu sehr Spaß, zu gewinnen."


Vielleicht sollte jemand mal in Köln, Hamburg oder Mainz nachfragen, ob die wenigen Siege mit mangelnder Lust zu tun haben. Wahrscheinlicher ist, dass die Bayern eben doch einfach ein bisschen mehr richtig machen, als die anderen 17 Bundesligisten. Deshalb auch 21 Punkte Vorsprung in der Tabelle.

Das Team hat bisher all seine sechs Rückrundenspiele gewonnen, die Gier nach Siegen ist ungebrochen: "Wenn man am Ende in die Gesichter der Gegner schaut und die sich fragen, was los war, weil sie wieder ganz knapp dran waren - das fühlt sich einfach immer sehr gut an", sagte Müller.

Wolfsburg war tatsächlich nah dran, zumindest an einem Punkt, bis zur 90. Minute sogar. Dann probierte Arjen Robben es noch mal mit einem schnellen Antritt und kam in den Wolfsburger Strafraum. Der Niederländer wurde gefoult und Robert Lewandowski verwandelte sicher.


Lewandowski reichen gut zehn Minuten

Dabei sprach diesmal spätestens nach einer Stunde fast alles gegen den Tabellenführer. Trainer Jupp Heynckes hatte vor dem ersten K.-o.-Spiel der Champions League gegen Besiktas am kommenden Dienstag (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) stark rotiert, im Vergleich zur vergangenen Bundesligapartie gegen Schalke blieben nur Keeper Sven Ulreich, Franck Ribéry und Robben in der Startelf. James Rodríguez und der angeschlagene Kingsley Coman waren genauso wie der gelbgesperrte Arturo Vidal gar nicht mit in Wolfsburg.


So taten sich die Bayern in der ersten Hälfte gegen gut organisierte Gastgeber schwer und gerieten durch ein Kopfballtor durch Daniel Didavi früh in Rückstand (8. Minute). Robben verschoss sogar einen Elfmeter (55.), der nächste Sieg schien ernsthaft in Gefahr.

Über seinen Fehlschuss konnte Robben nach dem Abpfiff witzeln: "Meinen letzten Elfmeter haben ich im Champions-League-Endspiel 2012 gegen Chelsea verschossen. Alle sechs Jahren mal einen Elfmeter zu verschießen, ist doch eine ganz gute Quote."

Wolfsburg hingegen stand kompakt und lauerte auf Konter. So könnte es auch Besiktas am Dienstag in München probieren. Vielleicht wollten die Bayern dieses Spiel auch deshalb nicht einfach nur runterspielen. Sie wollten den Ernstfall proben. Spätestens mit der Einwechslung von Müller wurde das Spiel der Münchner jedenfalls druckvoller und offensiver - und der Rekordmeister belohnte sich.


Müller kam für den Rückkehrer Thiago ins Spiel, der nach langer Verletzungspause in Wolfsburg zum ersten Mal wieder auf dem Rasen stand und ob seiner technischen Fertigkeiten und seinem Spielwitz auch gegen den Klub aus Istanbul eine Option sein dürfte. Sandro Wagner wiederum wird am Dienstag wohl auf der Bank sitzen. Daran wird auch der starke Kopfballtreffer des Winterzugangs zum 1:1 nichts ändern.

Denn im Sturm ist Robert Lewandowski in den wichtigen Partien gesetzt, so wie er in den wichtigen Momenten nervenstark ist. Der Pole ersetzte Wagner gut zehn Minuten vor dem Ende - das reichte, um zum Matchwinner zu werden und eine beeindruckende Serie auszubauen: Der Strafstoß in der Nachspielzeit war bereits der 17. Bundesliga-Elfmeter in Folge, den Lewandowski verwandelte. Damit hat der Münchner den Rekord von Hans-Jörg Butt eingestellt, der zwischen 2009 und 2011 genauso oft hintereinander vom Punkt getroffen hatte.


"Die Mannschaft ist einfach geil"

Rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt scheinen die Bayern in Top-Form zu sein. Heynckes' einziges Problem für das Besiktas-Spiel: Er muss sich für eine von vielen möglichen hochklassigen Startaufstellungen entscheiden.

Um die richtige Einstellung seines Teams muss er sich hingegen keine Sorgen machen. Das Schlusswort hatte dann wieder Müller: "Dieser Wille, Spiele gewinnen zu wollen, obwohl es vorne vermeintlich nicht mehr wirklich spannend wird, das macht einfach Spaß", sagte er. "Die Mannschaft ist einfach geil."

Zum Original