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iPhone 14 Pro Max im Test: Insel der Träume

Kurze Information vorweg: Wir haben darauf verzichtet, das "einfache" iPhone 14 zu testen, weil die Unterschiede zum Vorgänger kaum der Rede wert sind. Würde man ein iPhone 13 neben ein iPhone 14 legen, könnten neun von zehn Personen keinen Unterschied erkennen.

Eigentlich wäre "iPhone 13.1" ein passenderer Produktname für Apples aktuelle Einsteigerklasse. Zumal der verbaute Chipsatz bereits ein Jahr auf dem Buckel hat und Apples neuer A16 Bionic nur in den hochpreisigen Pro-Modellen zum Einsatz kommt.

Damit wären wir auch schon bei unserem Testkandidaten iPhone 14 Pro Max angekommen. Die günstigste Variante mit 128 GB Speicher kostet 1.449 € und das 1-TB-Modell liegt bei stolzen 2.099 €.

Die Preispolitik von Apple war schon immer sehr schmerzbefreit, und wahrscheinlich hätte die Marke iPhone nicht die gleiche luxuriöse Anziehungskraft, wenn sich jeder ein Apfel-Telefon leisten könnte. Trotzdem komisch, dass sich Menschen über die Preiserhöhung von Sonnenblumenöl aufregen, aber kein Problem damit haben, ein Nettomonatsgehalt für ein Smartphone auf den Tisch zu legen.

Auch die Pro-Modelle erfinden das Rad nicht neu, können aber mit einigen spannenden Verbesserungen aufwarten. Legt man das iPhone 14 Pro Max neben seinen Vorgänger, stechen sofort drei Unterschiede ins Auge:

Der Kamerabuckel auf der Rückseite ist gewachsen und ragt noch weiter aus dem Gehäuse heraus. Es gibt endlich ein Always-on-Display. Die große Notch auf dem Front-Display ist einen halben Zentimeter nach unten gewandert, wo sie eine kleine Insel bildet. Apples großspurige Bezeichnung "Dynamic Island" hat aber nicht nur mit Form und Platzierung des Cut-outs zu tun, sondern auch mit den smarten Funktionen, die daran geknüpft sind. Dynamic Island

Während andere Smartphones die Aussparung nutzen, um Selfie-Kameras und Sensoren zu verstecken, fügt das iPhone 14 Pro Max visuelle Informationen hinzu, die sowohl optisch ansprechend sind als auch zu den gerade aktiven Prozessen passen.

Wer Musik hört, sieht auf der linken Seite das Albumcover und auf der rechten eine Mini-Wellenform-Animation. Ein "Long tap" genügt, um die schmale Pille in ein kleines Fenster zu verwandeln, welches weitere Bedienelemente und Informationen bereithält. Eine kurze Berührung bringt euch direkt in die entsprechende App.

Weil Dynamic Island nicht nur einen einzelnen Prozess visualisieren kann, entpuppt sich das Feature als Bereicherung in allen Lebenslagen. So zeigt uns die "Pille" etwa den Status des gesetzten Timers, während daneben ein Richtungspfeil signalisiert, dass wir gleich nach rechts abbiegen müssen.

Man erfährt auch, wenn sich Geräte (z. B. AirPods) verbinden, inklusive ihres Akkustatus. Dynamic Island funktioniert nicht nur mit Apples hauseigener Software, sondern bereits mit diversen Drittanbieter-Apps.

Wir sind sehr gespannt, welche coolen Anwendungsmöglichkeiten die Entwickler in den kommenden Monaten aus der animierten Pille kitzeln werden. Mit Hit the Island wurde bereits ein Spiel veröffentlicht, das an den Klassiker Breakout erinnert und die Kamera-Aussparung in die Spielmechanik integriert. Es versteht sich von selbst, dass andere Smartphone-Hersteller bereits fieberhaft an Möglichkeiten werkeln, Apples Dynamic-Island-Idee für ihre eigenen Geräte zu adaptieren.

Massives Kamera-Upgrade

Apple hat die Kameras gehörig aufgemöbelt und zum ersten Mal einen 48-MP-Sensor in einem iPhone verbaut. Das Kamerasystem kombiniert vier Sensorpixel zu einem Quad-Pixel, um ein optimales Ergebnis mit mehr Lichtausbeute zu erzielen.

Das Ergebnis ist zwar ein 12-Megapixel-Foto, aber mit deutlich mehr Details. (Im Pro-RAW-Modus können "echte" 48 MP gewählt werden, wenn möglichst viele Bildinformationen erhalten bleiben sollen.)

Ein großer Schritt für das iPhone, aber nichts Neues, denn im Android-Sektor ist das Ganze schon länger als "Pixel-Binning" im Einsatz. Apple hat sich eben mehr Zeit gelassen, was sich erneut auszahlt, denn selbst Samsungs Galaxy S22 Ultra und Googles Pixel 6 Pro machen nicht so tolle Schnappschüsse wie das iPhone 14 Pro Max.

Samsungs S22 Ultra holt zwar bei höheren Zoom-Stufen mehr Details raus, aber ansonsten knipst und filmt sich das iPhone 14 Pro Max mühelos an die Spitze der Smartphone-Kamera-Charts. Selbst bei schlechten Lichtverhältnissen sorgt die sogenannte Photonic Engine, die vom A16 Bionic Chip angetrieben wird, für detailreiche und farbtreue Aufnahmen.

Dunkle Bereiche sind nuancierter gezeichnet und erscheinen weniger künstlich aufgehellt. Es gibt übrigens einen neuen "Adaptive True Tone Blitz", der aus neun LEDs besteht, die Muster und Intensität je nach Brennweite des Fotos anpassen. Dadurch erscheinen Fotos mit Blitz nicht mehr so übertrieben ausgeleuchtet.

Es scheint, dass das neue iPhone nur so viel Blitzlicht erzeugt, wie für das aktuelle Motiv unbedingt erforderlich ist. Letzteres ist nett, aber Bilder ohne Blitz sehen immer noch deutlich besser aus.

Keine Action-Cam mehr nötig

Es ist erstaunlich, wie sauber und wackelfrei Videoaufnahmen gelingen, auch in extrem hektischen Situationen. Wenn man schnell eine Treppe hinunterrennt und das iPhone 14 Pro Max in der Hand hält, sieht die Aufnahme aus, als wäre sie mit einem teuren Gimbal-System gemacht worden.

Die filmreifen Ergebnisse, die Apples neues Flaggschiff liefert, grenzen wirklich an Zauberei. Kameratechnisch bietet das iPhone 14 Pro Max einfach das beste Allround-Package, zumal sämtliche Foto- und Video-Funktionen idiotensicher und selbsterklärend funktionieren.

Strahlend helles Display

Das Super Retina XDR Display bietet eine Spitzenhelligkeit von bis zu 2.000 Nits - heller als jedes andere Smartphone auf dem Markt. Das Bild strahlt förmlich und die Darstellung wirkt trotzdem absolut natürlich, ganz gleich, ob man einen Artikel liest, Videos oder Spiele genießt.

Das Display passt die Bildwiederholfrequenz automatisch zwischen 10 und 120 Hz an, je nach Inhalt. Das bedeutet, dass man stets von einer bestmöglichen Bildrate profitiert und bei statischen Inhalten ordentlich Energie spart.

Im Always-on-Modus wird das Bild sogar nur einmal pro Sekunde aufgefrischt, um die Auswirkungen auf den Akku so gering wie möglich zu halten. Das iPhone 14 Pro Max zeigt immer den gesamten Sperrbildschirm in voller Farbe an, einschließlich Uhrzeit, Wallpaper und Widgets.

Im Endeffekt bekommt ihr ohne Unterbrechung eine dunklere Version des Lockscreens zu Gesicht, inklusive sämtlicher Infos und Benachrichtigungen. Den leicht erhöhten Energieverbrauch (ca. 10 %) ist das allemal wert.

Hervorragende Performance

Das neue iOS 16 läuft hervorragend auf dem iPhone 14 Pro Max. Wir hatten noch keinen einzigen Absturz, nicht einmal Freezes oder Ruckler.

Bei der Konkurrenz dauert es häufig mehrere Wochen, bis Software-Bugs ausgebügelt werden und alle Funktionen reibungslos arbeiten. Das iPhone 14 Pro Max läuft bereits seit dem ersten Verkaufstag tadellos und zeigt einmal mehr, dass Apple es wie kein anderes Unternehmen versteht, ein perfektes Benutzererlebnis abzuliefern.

Auch die Akkuleistung ist wieder exzellent, wobei das iPhone 13 Pro Max etwas länger durchhält. Das war aber aufgrund der neuen Always-on-Funktion zu erwarten und fällt nicht wirklich ins Gewicht, denn selbst bei ausgiebiger Nutzung zeigt die Batterieanzeige des iPhone 14 Pro Max am Ende des Tages über 50 % an.

Alle technischen Spezifikationen der Pro-Modelle findet ihr übrigens hier.

Das iPhone 14 Pro Max zeigt einmal mehr, dass Apple es wie kein anderes Unternehmen versteht, ein perfektes Benutzererlebnis abzuliefern.

Fazit: Was mich beim iPhone 14 Pro Max viel mehr stört als der hohe Preis, sind die fehlende Schnellladefunktion und der lahme Lightning-Anschluss. Ein kompletter Ladezyklus dauert etwa zwei Stunden, also viermal länger als beim deutlich günstigeren Android-Konkurrenten OnePlus 10 Pro.

Jeder, der schon einmal ein 4K-Video gefilmt und dann über ein Lightning-Kabel auf den Computer übertragen hat, kann nur den Kopf schütteln, wenn er sieht, dass selbst Billig-Androiden mit moderneren, schnelleren USB-C-Anschlüssen ausgestattet sind.

Für Nutzer, die unbedingt das beste iOS-Smartphone wünschen und unter einer Android-Allergie leiden, ist das iPhone 14 Pro Max trotzdem alternativlos. Ja, es kostet eine Menge Geld, aber Apple-Geräte sind in Bezug auf den Preis stabiler als andere Marken.

Während ein Samsung-Smartphone nach 12 Monaten nur noch die Hälfte wert ist, lassen sich gut erhaltene iPhones für 70 bis 80 % des Neupreises verscherbeln. Kurz: Ich habe mein 13 Pro Max vor einer Stunde verkauft, um mir den Nachfolger zu gönnen.

Das iPhone 14 Pro Max (ab 1.449 €) ist seit dem 16. September erhältlich.
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