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145. Stover Rennen lockt an den Elbstrand

Manfred Walter und Timberlay gewannen im vergangenen Jahr das Trabrennen um den Preis der Firma Buhck Umweltservices. Foto: Hans Kall

Veranstalter erwarten für den kommenden Sonntag mindestens 8000 Besucher und hoffen auf stabiles Wetter an der Rennstrecke.

von Victor Meuche

Stove. Wenn Sonntag am Elbdeich um kurz nach elf der Startschuss zum ersten Pferderennen fällt, beginnt in Stove ein Tag voller Spannung und Nervenkitzel. Einmal im Jahr verwandelt sich die Gegend um den verträumten Elbstrand des Ortes in eine Rennbahn mit einem Hauch britischem Flair. Das Stover Rennen wird in diesem Jahr bereits zum 145. Mal ausgetragen – in fast zwanzig Pony-, Trab- und Galopprennen sollen am 28. Juli Tausende Pferdefreunde, Schaulustige und Zocker voll auf ihre Kosten kommen.

Unter Pferdesport-Profis hat sich das Stover Rennen längst einen Namen gemacht. Ronja Walter, die erfolgreichste deutsche Trabreiterin, wird am Sonntag starten. Aus dem europäischen Ausland treten ebenfalls Pferdesportler an. Ab zwölf Uhr können alle, die über 18 Jahre alt sind, Pferdewetten platzieren. Für alle jüngeren Besucher ist gleichermaßen vorgesorgt: Hüpf- und Strohburgen sowie ein Bungee-Trampolin soll es geben, ein Clown wird für Lacher sorgen. Im Gastronomie-Zelt werden die Gäste kulinarisch versorgt. Für Günther Porth, den Ersten Vorsitzenden des Stover Rennvereins, der jedes Jahr das Rennen ausrichtet, ist die Veranstaltung weit mehr als bloß ein Wettkampf: „Das Rennen hat Volksfest-Charakter“, sagt er stolz. „Für klein und groß ist alles dabei.“

4000 Euro für den Sieger beim Großen Preis von Stove

Der Höhepunkt des Tages wird wohl aber trotzdem der „Große Preis von Stove“ sein. Bei diesem Trabrennen ist für die Fahrer das Preisgeld doppelt so hoch wie in allen anderen Wettkämpfen am Sonntag. „Das Rennen ist mit 4000 Euro dotiert, die auf die Erstplatzierten verteilt werden“, sagt Porth. Erfahrungsgemäß seien hier auch die Wetteinsätze am höchsten. Wer es am Sonntag nicht bis nach Stove schafft, kann aber dennoch mitzocken: Die Rennen werden aufgezeichnet und in Wettbüros rund um den Globus live übertragen.

Dabei fingen auch die Stover mal ganz klein an: 1775 entstanden in der Winsener Elbmarsch die ersten Deckstationen, damals mit nur zwei Hengsten. Mit der Zeit entwickelte sich der Standort aber zu einer Hochburg der Hannoveraner-Zucht. 1884 wurde erstmals die Gründung eines Reitvereins in den Blick genommen, im Folgejahr der erste Renntag veranstaltet. Mit seiner anderthalb Jahrhunderte langen Geschichte ist das Stover Rennen heute das älteste in ganz Norddeutschland – und die meistbesuchte Veranstaltung in der ganzen Elbmarsch. Gemessen am Umsatz, der hier durchschnittlich an einem Tag in die Kassen gespielt wird, liegen die Veranstalter aus Stove noch vor der Trabrennbahn in Hamburg-Bahrenfeld.

Veranstalter: „Bloß kein Gewitter!“

Ob das diesjährige Rennen auch ein Erfolg wird, hängt aber maßgeblich davon ab, wie das Wetter mitspielt. In der vergangenen Woche war der Stover Rennverein noch sehr optimistisch und ging von etwa 10.000 Besuchern aus. Ob die Einschätzung angesichts von vorhergesagten 30 Grad und Gewitterneigung tatsächlich zutrifft, wird sich erweisen. Günther Porth ist nun jedenfalls etwas vorsichtiger. „Wir hoffen jetzt auf 8000 Gäste“, sagt er. „Wenn es zu heiß wird, entscheiden sich viele leider eher für die Ostsee.“ 

In der Vergangenheit ist die Veranstaltung auch schon mal buchstäblich ins Wasser gefallen. Für dieses Wochenende müssen die Veranstalter nun beide Varianten einkalkulieren. Beim Rennverein hat man sich damit aber arrangiert, das Klima der Elbmarsch sei schließlich nicht erst seit gestern so. „Am Wetter können wir nichts ändern“, sagt Porth. „Das Jahr, wo es so viel Regen gab, war aber schon ein Minusgeschäft für uns.“ Dafür kämen bei guten Bedingungen umso mehr Zuschauer. So gab es auch schon Jahre, in denen sich der Rennverein über 12.000 Gäste freuen konnte. Und mithin auch über volle Kassen.

Das Sitzen auf den Deichen muss genehmigt werden

Ein ganz anderes Problem könnte das Fortbestehen der Stover Rennen in Zukunft aber tatsächlich gefährden: „Allein, damit die Leute zum Zuschauen auf den Deichen sitzen dürfen, müssen wir jetzt ein Gesuch an die Verwaltung richten, das so komplex wie ein Bauantrag ist“, so der Vereinschef. Ironischerweise müsse man für das eigentliche Rennen dann auch wirklich noch eine Baugenehmigung einholen. „Es gibt einfach immer mehr Vorgaben der Behörden, die wir einhalten müssen“, sagt er. „Das ist der Grund, warum Vereine wie unserer immer seltener werden.“ Den Stover Rennverein setze der zunehmende Verwaltungsaufwand auch immer mehr unter Druck.

Gerade wegen all der Strapazen freut sich Günther Porth dieses Jahr erst recht auf das Rennen. Allen, die wegen der Hitze zweifeln, ob sie das Volksfest besuchen, will er noch etwas auf den Weg geben: „Auf der Innenbahn gibt es viele alte Bäume, die Schatten spenden.“ Außerdem hat Porth für Sonntag noch drei Wünsche: „Ich hoffe, dass der Renntag unfallfrei für Reiter, Fahrer und Pferde verläuft. Ein paar Wolken vor der Sonne würden sicherlich guttun. Ansonsten bitte bloß kein Gewitter.“

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