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Lästiges Netzwerken? Einige Minuten täglich reichen - die Anleitung - WELT

Karriere So heben Sie mit 5 Minuten täglich Ihr Netzwerk auf eine neue Ebene

Keine Zeit, kein Geld, keine Lust? - Schluss mit den Ausreden! Investieren Sie heute in Ihr Netzwerk, damit es da ist, wenn Sie es brauchen.

Dass Netzwerken gut für den Beruf und die Karriere sein kann, sehen die meisten ein. Doch wenn es um das „Tun" geht, gibt es auf einmal ganz viele Gründe, die dagegen sprechen:

Netzwerken kostet Zeit Netzwerken kostet Geld Beim Netzwerken gebe ich mein Wissen preis

Dagegen ist nichts zu sagen, die Bedenkenträger haben vollkommen Recht. Um ein (belastbares) Netzwerk aufzubauen, benötigt man ein bis zwei Jahre und mehrere Stunden pro Woche. Natürlich hängt es auch immer davon ab, was Sie mit Ihrem Netzwerk erreichen wollen.

Wer viel einsetzt, bekommt umso mehr zurück!

Ganz so einfach ist die Rechnung natürlich nicht. Denn viel hilft nicht automatisch viel - es geht auch darum, zielgerichtet am Aufbau zu arbeiten: Netzwerken als strategischen Prozess also, bei dem zu Beginn die Frage steht:

Wo will ich hin?

Und natürlich ist es etwas anderes, ob Sie in den Vorstand eines DAX-Unternehmens wollen oder als Personalreferent im Mittelstand.

Um sich auf Top-Ebene in der Wirtschaft zu vernetzen, benötigen Sie mehr Zeit und Geld, um in den entsprechenden Verbänden Mitglied oder bei bestimmten Veranstaltungen vor Ort zu sein. Wer sein Start-up in Berlin bei Investoren auf den Schirm bringen möchte, muss andere Mittel einsetzen als die Friseurmeisterin, die ihren eigenen Salon in Köln-Nippes eröffnen wird.

Also: Butter bei die Fische!

Es kommt also darauf an, was Sie mit dem Netzwerken erreichen möchten. Lassen Sie es uns einmal konkret an zwei Beispielen betrachten:

Journalist, seit 20 Jahren bei einer Tageszeitung beschäftigt, hört Gerüchte, dass mehrere Redaktionen zusammengelegt werden sollen. Also beginnt er, sich parallel als freier Journalist zu vermarkten. Er startet einen Blog, ist bei Xing, LinkedIn und Twitter präsent. Außerdem aktiviert er alte Kontakte, um sich ins Gespräch zu bringen. Tipps zu Social Media und zum Bloggen holt er sich auf BarCamps, im Internet und bei Facebook. Die Ressourcen: 8 bis 10 Stunden pro Woche an Zeit, unregelmäßig übers Jahr verteilt, Kosten (Blog, Xing, diverse Mittagessen und Kaffees): zirka 50 bis 100 Euro im Monat. Wirtschaftsingenieur, Absolvent einer Technischen Hochschule, Schwerpunkt Datenanalyse, möchte unbedingt zu einem der großen Energieversorger. In der letzten Zeit ist es ziemlich schwer geworden, bei RWE, E.ON & Co. hereinzukommen. Bei Xing und LinkedIn ist er schon länger präsent und auch mit ein paar Berufskontakten vernetzt. Er analysiert seine Kontakte und überlegt, wie er an Ansprechpartner aus der Fachabteilung kommen kann. Danach recherchiert er Karrieretage, Messen und Fachveranstaltungen, bei denen Mitarbeiter seines Traumunternehmens dabei sind. Im Jahr vor seinem Abschluss fährt er regelmäßig zu (Fach-)Messen und nimmt an Karriere-Events teil. Die Ressourcen: 5 Stunden Kontaktpflege online, mit Messeterminen auch 10 bis 20, Kosten (Xing-Premium-Mitgliedschaft, Reise- und Übernachtungskosten, teilweise von Unternehmen übernommen): 100 bis 200 Euro pro Monat.

Sie sehen, die Reihe lässt sich beliebig weiterführen. Ein paar Grundlagen sind ähnlich, die einzelnen Wege unterscheiden sich dann aber durchaus. Wenn Sie mit dem Netzwerken beginnen, sollten Sie sich erst einmal eine Grundlage schaffen.

Die Grundlage: Vollständige Profile...

Heute besteht diese Grundlage in der Regel in einem oder mehreren Profilen in Online-Berufsnetzwerken wie Xing, LinkedIn oder Researchgate. Diese sollten vollständig ausgefüllt sein, bevor Sie diese veröffentlichen. Dafür würde ich einen verregneten Sonntag einplanen. Wichtig ist, dass Sie ein passendes Foto zur Hand haben und Ihren Ausbildungs- sowie Berufsweg ausfüllen.

„Projekte" bei LinkedIn, das „Portfolio" bei Xing oder die Publikationsliste bei Researchgate können Sie auch später noch ergänzen. Für diese Ergänzungen und zur Überprüfung sollten Sie sich am besten regelmäßig einen Termin im Kalender eintragen. Hier reicht es in der Regel, alle drei Monate oder nach einem Jobwechsel Zeit einzuplanen.

Zeitkontingent: 1 Nachmittag plus 1 bis 2 Stunden alle drei Monate oder je nach Bedarf ... und/oder die eigene Website

Auch wenn Sie manchmal anderes lesen sollten: Nicht jeder Mensch braucht eine eigene Website. Für viele Arbeitnehmer reicht ihr Online-Profil vollkommen aus. Dieses lässt sich oft auch erweitern, zum Beispiel mit dem Portfolio bei Xing oder den Projekten bei LinkedIn.

Das geht zumindest schon einmal in Richtung einer Website Light! Autoren können zusätzlich ein Profil bei Torial, Entwickler bei Stack Overflow einrichten.

Auch wenn es heute lange nicht mehr so schwer ist, eine eigene Website (oder ein Blog) zu erstellen, bedeutet dies mehr an Aufwand, als sich für die meisten rechnet: Der Wirtschaftsingenieur braucht eher keine Website, für die Journalistin ist diese sehr wichtig!

Zeitkontingent: bis zu 1 Woche für Konzeption und Aufbau, regelmäßige Pflege: 3 bis 8 Stunden Kontaktliste starten

Wenn Ihr(e) Profil(e) veröffentlicht sind, können Sie mit der Vernetzung starten. Dafür sollten Sie erst einmal all die bekannten Kontakte anfragen. So können Sie recht bald auf ein kleines Netzwerk von 20 bis 30 Personen kommen. Bei der Anfrage formulieren Sie ein paar nette Sätze, warum Sie sich gern vernetzen möchten.

In etwa:

„Vor ein paar Tagen haben ich mich mit LinkedIn auseinander gesetzt und nun ein eigenes Profil angelegt. Da wir ja vor zwei Jahren bereits miteinander gearbeitet haben, freue ich mich über einen Kontakt."

Mit einer Nachricht kommt eine solche Kontaktanfrage immer besser an, eine Anfrage ohne Nachricht wird aber auch akzeptiert, wenn Sie sich bereits kennen.

Kontaktliste erweitern

Diese erste Liste erweitern Sie dann nach und nach. Vernetzen Sie sich also mit den Menschen vernetzen, die Sie auf Veranstaltungen treffen oder mit denen Sie sich sonst irgendwie austauschen. Außerdem sollten Sie Kontakte zweiten Grades (und auch dritten Grades) anschauen. Hier finden Sie die Kontakte Ihrer Kontakte. Suchen Sie nach Anknüpfungspunkten und vernetzen Sie sich.

Zeitkontingent: jeden Tag 5 bis 10 Minuten Im Austausch stehen

Das ist sicher der Bereich, der am meisten Zeit (und auch Geld) beansprucht. Nur wenn Sie sich regelmäßig zeigen - sowohl online wie auch persönlich - werden Sie in Ihrem Netzwerk wahrgenommen. In sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram kann dabei ganz schön viel Zeit drauf gehen.

Am besten, Sie befassen sich zum Start einmal ausführlich mit einem Netzwerk, richten Ihre Profile ein und geben sich dann pro Tag ein Zeitkontingent oder sorgen für Auszeiten. Mit Werkzeugen wie Hootsuite oder Buffer lassen sich auch Beiträge im Voraus planen.

Zeitkontingent: 5 Minuten bis unbegrenzt Der Nasenfaktor: Begegnungen im richtigen Leben

Natürlich steckt hinter jedem Kontakt im Digitalen letzten Endes ein Mensch! Fürs Netzwerk macht es einen Unterschied, ob ich jemanden auch persönlich kenne, vielleicht schon einmal länger zusammen gearbeitet habe. Solche Menschen empfehlen wir gern weiter und profitieren auch selbst davon.

Diese Begegnungen auf Veranstaltungen oder auch in kleiner Runde, zum Beispiel bei einem #neverlunchalone, kosten sicher am meisten Zeit - und auch Geld. Wenn Sie sich zudem in einem Branchennetzwerk anmelden oder einem Verein betreten, kommen diese Beiträge noch hinzu. Die Kosten hierfür können zwischen 20 Euro bis zu mehreren Hundert Euro betragen.

Zeitkontingent: 5 Minuten bis unbegrenzt Netzwerken ist eine Investition

Wobei das Geld hier letzten Endes nicht das Entscheidende ist! Wichtig ist die Sicht in die Zukunft: Ich investiere jetzt Zeit, Geld und Wissen, damit ich in Zukunft etwas davon habe. Letzten Endes ist es aber eine Frage der Herangehensweise, daher:

Netzwerken ist Arbeitszeit!

Integrieren Sie Netzwerken in die Arbeitszeit und deklarieren Sie Netzwerken als Arbeitszeit - vor allem auch, wenn Ihr Partner oder Ihre Familie sich fragt, wohin Sie schon wieder unterwegs sind.

Hier ein paar praktische Vorschläge:

#neverlunchalone: Wenn Sie mittags nicht immer mit Kollegen aus Ihrem Team in die Kantine gehen, sondern sich auch mal mit Kollegen aus anderen Abteilungen treffen, erweitern Sie Ihr Netzwerk im Unternehmen. Die 5-Minuten-Regel: Wenn Sie sich jeden Tag nur fünf Minuten um eines Ihrer Netzwerke kümmern, können Sie viel erreichen. Fünf Minuten reichen zum Beispiel locker, um bei Xing zu checken, wer sich Ihr Profil angeschaut hat, welche Neuigkeiten es von Ihren Kontakten gibt und wem Sie in den nächsten Tagen zum Geburtstag gratulieren können. Wichtig dabei ist hier die Regelmäßigkeit, denn diese schult sie und macht sie aufmerksam für Neuigkeiten in Ihrem Netzwerk. Netzwerken gehört zum Job-Regel: Dieses Argument ist wichtig, wenn Sie fürs Netzwerken Familienzeit beanspruchen. Gerade, wer von einem Elternpaar Elternzeit nimmt oder Teilzeit arbeitet, sollte trotzdem der Kontakt zu Kollegen, Branchentreffen oder auch mal ein Vortrag oder ein Stammtisch drin sein. Wissen teilen! „Verschenke, was du weißt, um zu verkaufen, was du kannst."

Zum Schluss soll es noch um einen Punkt gehen, der beim Netzwerken natürlich auch eine Rolle spielt. Gerade in wissensintensiven Feldern ist er natürlich besonders heikel. „ So ein Quatsch! Wenn ich einen Blog schreibe, kann ja jeder mein Fachwissen abgreifen und braucht mich nicht mehr als Expertin zu buchen!" So eine Agraringenieurin auf meinen Vorschlag, es mal mit einem Blog zu versuchen. Genau dazu hat Dr. Kerstin Hoffmann einen klugen Satz gesagt:

Ressourcen einteilen

Es ist also wichtig, seine Ressourcen fürs Netzwerken einzuteilen. Dabei geht es auch um eine bewusste Entscheidung. So kann ich stundenlang auf Facebook „rumhängen", ohne etwas Berufliches zu erreichen. Oder eben jeden Tag bewusst 5 bis 30 Minuten einem Netzwerk widmen.

Außerdem muss keine dieser Entscheidungen für alle Zeit Gültigkeit haben, sondern kann immer wieder auch hinterfragt und geändert werden.

Aber vergessen Sie nicht:

Wenn Sie ein Netzwerk brauchen, muss es da sein!
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