Selina Thaler

Redakteurin: Der Standard // frei: Die Zeit, Zeit Campus

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Masterstudium: Masterstudium für Ingenieurwissenschaftler [1]

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Das Werk der Heidelberger Druckmaschinen AG © Daniel Bockwoldt/dpa

Wie wichtig ist es, einen Master zu machen?

Im Bachelorstudium bekommen Studenten eine fachliche Orientierung, es werden Grundkenntnisse vermittelt. "Die fachliche Spezialisierung erfolgt im Master", sagt Anja Robert, Koordinatorin des Career-Centers der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. Zudem lernt man im Master, wissenschaftlicher und selbstständiger zu arbeiten. Das Studium ist freier, die Studenten haben mehr Wahlmöglichkeiten. Auch wer in die Forschung und Entwicklung will oder eine Promotion anstrebt, braucht einen Master.

Rund 70 Prozent der Ingenieurstudenten schließen laut einer Studie des Deutschen Zentrums für Hochschulforschung nach dem Bachelor noch einen Master an. Obwohl der Bachelor bei vielen Studenten nicht als vollwertiger Abschluss gewertet wird, findet man auch damit eine Stelle. "Wenn man übergreifend arbeiten und kein Spezialist sein möchte, hat man mit dem Bachelor gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt", sagt Lars Funk, Leiter der Abteilung für Beruf und Gesellschaft beim Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Gerade in der Produktion oder im Vertrieb seien Bachelorabsolventen gefragt. Allerdings übernehme man dann meist weniger Verantwortung. Absolventen mit Bachelorabschluss verdienen zudem weniger als Masterabsolventen, wenn sie in den Beruf einsteigen.


Sollte ich mich im Master spezialisieren?

"Die Entscheidung für eine Spezialisierung sollte man davon abhängig machen, wo die eigenen Interessen liegen", rät Karriereberaterin Robert. Wer sich als Generalist sehe und später ein breites Aufgabengebiet übernehmen wolle, solle breit angelegte Studienfächer wählen, empfiehlt Angela Zeilinger vom Career-Center der Leibniz Universität in Hannover. Das wären zum Beispiel Allgemeine Elektrotechnik, Mechatronik oder Fertigungs- und Konstruktionstechnik im Bereich Maschinenbau. Eine Spezialisierung wie etwa Computer-Engineering oder Regenerative Energietechnik sei dann sinnvoll, wenn man sich auf eine Richtung konzentrieren will oder einen Beruf in der Forschung und Entwicklung anstrebe. Lars Funk vom VDI rät zu einer Spezialisierung - egal, ob im Master oder im Job. Man müsse aber damit rechnen, die Spezialisierungsrichtung wegen der technischen Entwicklung im Laufe des Berufslebens mehrmals wechseln zu müssen.


Braucht man praktische Erfahrungen?

Praxiserfahrung spielt in einer Ingenieurbiografie eine große Rolle. Laut der Jobtrends-Studie des Staufenbiel-Instituts von 2014 gaben 81 Prozent der befragten Unternehmen an, dass sie von ihren Bewerbern Praxiserfahrung erwarten. Diese sei wichtig, um sich von der Menge abzuheben, sagt Angela Zeilinger. "Die Studie hat gezeigt, dass Bewerber immer jünger werden und weniger Praxiserfahrung mitbringen." Erfahrungen im Job kann man bei Praktika, als Hilfswissenschaftler oder Werkstudent sammeln. Zudem kann man seine Abschlussarbeit in einem Unternehmen schreiben und so Kontakte in der Branche knüpfen. Darüber hinaus sollte man sich über die Praxisangebote an den Hochschulen informieren. Faktoren für ein gutes Angebot seien, so Karriereberaterin Anja Robert, wie viele Labore eine Hochschule habe, wie hoch die Drittmittelquote sei und ob aktuelle Forschung betrieben werde. Dabei seien die Industrien und Unternehmen im Umland der Hochschulen nicht zwingend ausschlaggebend: "Aachen hat keinen Industriegürtel, dafür viele intensive Forschungskooperationen mit Unternehmen aus der Industrie", sagt sie. Dennoch können umliegende Unternehmen gute Anlaufstellen für Praktika sein. Lars Funk vom VDI rät, gezielt nach einem Praktikum in dem Bereich zu suchen, in dem man später gerne arbeiten möchte. Das kann in einem großen oder in einem kleineren Unternehmen sein. Bei kleineren Betrieben hat man meist größere Chancen, schon als Praktikant verantwortungsvolle Aufgaben zu übernehmen.

Auch Praktika im Ausland seien gern gesehen, dort könne man gleich sein Englisch verbessern. "Es gibt kaum Unternehmen, die nicht international vernetzt sind. Englisch muss man können", sagt Funk. Eine Regel, wie viele Praktika man absolvieren sollte, gibt es nicht. Robert empfiehlt die Regelstudienzeit nicht so ernst zu nehmen: "Die Praxis ist wichtiger, als schnell fertig zu werden."


Sollte man den Master gleich anschließen?

Ingenieure müssen ihr ganzes Berufsleben weiter dazulernen, um neue technische Entwicklungen nicht zu verpassen. Hat man klare Karrierevorstellungen und weiß, dass man sich in einem Bereich weiterbilden möchte, kann man gleich nach dem Bachelor den Master anschließen. Der Vorteil: "Man ist noch im Lernrhythmus und hat ein ganz anderes Zeitvolumen als jemand, der neben dem Studium arbeitet", sagt Robert.

Doch man kann den Master auch noch machen, wenn man schon eine Arbeitsstelle hat. "Arbeitgeber unterstützen immer mehr Mitarbeiter, die berufsbegleitend studieren wollen", sagt Zeilinger von der Universität Hannover. So hat man eine finanzielle Absicherung und lernt die Praxis neben dem Studium kennen. "Die Belastung kann dabei aber sehr hoch sein", sagt sie. Zudem sollte man bedenken, dass der Arbeitgeber eventuell nicht jeden Studiengang unterstützt, sondern nur jenen, der zur aktuellen Stelle passt. "Wer noch nicht genau weiß, was er machen möchte, dem rate ich, mit dem Bachelor in den Beruf einzusteigen und später den Master im Unternehmen zu machen", sagt Lars Funk vom VDI.


ANMERKUNGEN

(1) Masterabsolventen eines ingenieurwissenschaftlichen Studiums verdienen in der Automobilindustrie 60.300 Euro und im Maschinenbau 58.600 Euro.

(2) Besonders in der Elektrotechnik , Fahrzeugtechnik und im Maschinenbau gibt es zurzeit Bedarf an Ingenieuren. Gesucht werden sie vor allem in Baden-Württemberg, Nordrhein- Westfalen und Bayern.

(3) Nur vier Prozent der Ingenieurstudenten sind 2012 für ein Praktikum ins Ausland gegangen - das ergab die 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks.

(4) Laut VDI können in der Ingenieurbranche jährlich 85.000 Stellen besetzt werden. Etwa 45.000 Ingenieure scheiden altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt aus, zusätzlich werden 40.000 neue Ingenieure gebraucht.



Protokolle zweier Studenten

"Ich untersuche, wie man Technologien für Smartphones schneller und besser machen kann"

Clemens Todt

25, studiert im fünften Mastersemester Nanoelectronic Systems an der Technischen Universität in Dresden. Den Bachelor absolvierte er in Dublin.

"Tokio ist eine schizophrene Stadt voller Gegensätze. Die Leute sind sehr ruhig, die Stadt selbst ist extrem laut. Ich mache hier ein Praktikum bei NTT Basic Research Laboratory, wo ich genau das anwende, was ich studiere: Micro- and Nanoelectronic Systems. Ich untersuche im Labor Supraleiter in sehr kleinen Strukturen, mit dem Ziel, Technologien für Smartphones oder Laptops schneller und besser zu machen. Für das Praktikum habe ich zwei Urlaubssemester genommen, denn es war mir wichtig, praktische Erfahrungen zu sammeln. Nach meinem Bachelor in Electronic Engineering in Dublin wusste ich, dass ich mich im Master auf Mikro- und Nanoelektronische Systeme spezialisieren möchte. Den Studiengang gibt es in Aachen und Dresden, daher habe ich mich an beiden Unis beworben. Ich bin dann nach Dresden gegangen, weil es hier die Industrie und viele Unternehmen in diesem Bereich gibt. Zudem sind alle Vorlesungen auf Englisch, und die Uni hat gut ausgestattete Labore. Aber der Studiengang ist noch sehr jung, was auch Probleme mit sich bringt: Die Professoren wissen oft nicht, was sie von uns erwarten können. Deshalb haben wir auch Feedbackgespräche, um den Studiengang zu verbessern. Wie es nach dem Studium weitergehen soll, weiß ich noch nicht. Ich kann mir vorstellen, einen MBA zu machen und dann im Management zu arbeiten. Oder ich mache einen Doktor, gefolgt von einem Job in der Forschung."


"Frauen müssen mehr leisten, um ernst genommen zu werden"

Tanja Schmidt

24, studiert im fünften Semester den Master Maschinenbau mit Spezialisierung auf Konstruktionstechnik und Fabrikbetrieb an der Universität Stuttgart.

"Bevor ich für meinen Master in Maschinenbau nach Stuttgart gezogen bin, hatte ich die Universität nicht ein einziges Mal vorher angeschaut. Es gab nur diese Option für mich, denn ich wollte mich nach dem Bachelor in Maschinenbau auf Produktentwicklung und Produktionstechnik spezialisieren, und dieser Master wird so nur hier angeboten. Die Frage, ob ich einen Master machen sollte, habe ich mir nie gestellt, da ich mich weiterentwickeln wollte und man ohne Master kaum Jobs findet, in denen man Verantwortung übernehmen kann. Für die Masterbewerbung war viel Papierkram zu erledigen, doch es hat sich ausgezahlt: Ich musste keine Lehrveranstaltungen nachholen. Der Studiengang ist trotz der Spezialisierung allgemein angelegt, so kann ich mir viele Berufsfelder im Maschinenbau offenhalten. Nach dem Studium will ich im Projekt- oder Qualitätsmanagement als Ingenieurin arbeiten. Obwohl es wenige Frauen in meinem Studium gibt, schätze ich meine Jobaussichten nicht höher oder niedriger ein. Aber: Als Frau fällt man definitiv auf. Allein im Bachelorstudium waren wir nur zehn Prozent Frauen, im Master sind es noch weniger. Da muss man ehrgeizig sein. Ich denke, dass Frauen mehr leisten müssen als Männer, um ernst genommen zu werden. Einsatz wird aber auch belohnt: Nach meinen Praktika wurde ich gebeten, mich nach dem Studium bei den Unternehmen zu bewerben."


Protokolle: Selina Thaler



7. Februar 2016, 14:06 Uhr ZEIT CAMPUS Ratgeber, 17. März 2015


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