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Wenn Bücher in Quarantäne müssen

Kulturliebhaber haben es nicht leicht in Zeiten der Corona-Krise. Kinos, Theater und Konzertsäle bleiben geschlossen. Zu den wenigen Ausnahmen von der Corona-Verordnung gehören die rund 800 öffentlichen Bibliotheken im Land. Doch auch ihr Betrieb läuft anders als sonst. Der Zugang zum Gebäude ist vielerorts beschränkt, und statt am Regal geschmökert zu werden, kommen die Bücher per Kurier oder landen als Download auf dem E-Reader zu Hause.

Eine solch veränderte Nachfrage verzeichnen viele Häuser. So ist bei der Stadtbibliothek Stuttgart die Online-Nachfrage nach internationaler Presse wie etwa der New York Times und anderen Tageszeitungen um 500 Prozent gestiegen, wie Sprecherin Meike Jung sagt. Das Angebot an digitalen Medien generell habe das Haus deshalb seit dem Frühjahr ausgebaut.

Der Freihandbestand ist derzeit komplett geschlossen. Bücher liegen jedoch zum Abholen bereit, zudem gibt es einen Lieferdienst in Pflegeheime, für Menschen in Quarantäne oder mit eingeschränkter Mobilität. Der Austausch mit den Lesern falle dabei leider weg. „Wir sind zurzeit eine Geisterbibliothek", sagt Meike Jung. Von vielen Leser komme die Rückmeldung, dass ihnen die spontane Suche nach Büchern am Regal fehle. Die Bibliothekare stellen deshalb auf Wunsch auch Überraschungspakete zusammen. Bevor die Bücher das Haus verlassen, müssen sie an der Stadtbibliothek Stuttgart für 72 Stunden in Quarantäne. Das gelte für alle Medien, sagt Jung, und sei eine Vorsichtsmaßnahme.

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