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Das arabisch-afrikanische Filmerbe erhalten

In einer Szene ruft ein Regisseur in Moskau an, wo er früher studiert hat. In gebrochenem Russisch macht er sich auf die Suche nach seinem Abschlussfilm, den er dort gedreht hat, und von dem er selbst keine Kopie mehr hat. Was in „Talking about trees" ein Nebenschauplatz ist, ist in vielen Ländern der Region jedoch ein Thema, das die Filmemacher umtreibt:

Wo ist das Filmerbe abgeblieben?

Tunesien hat seit zwei Jahren eine eigene Kinemathek und anlässlich der JCC 2019 deren Archive eingeweiht. Erstmals können dort Filme zu solchen Bedingungen gelagert werden, dass sie auch über Jahrhunderte keinen Schaden nehmen. Ähnlich wie bei Gemälden sind dafür umfangreichen Maßnahmen notwendig, um zu garantieren, dass Temperatur und Luftfeuchtigkeit stabil sind. Auf zwei Etagen der tunesischen Nationalbibliothek lagern derzeit mehr als 4000 Filmrollen, die mehr als 1500 Filme umfassen. Dabei handelt es sich um Werke, die teilweise über Jahrzehnte nicht inventarisiert und unter schlechten Bedingungen in verschiedenen staatlichen Institutionen lagen. Platz ist in den neuen Räumlichkeiten jedoch für 26 000 Rollen. Und dort sollen nicht nur weitere tunesischen Filme Platz finden, die derzeit noch in Kellern des Kulturministeriums und einem ehemals staatlichen Filmlabor verrotten, sondern auch Filme von Regisseuren aus der ganzen Region.

Die tunesische Kinemathek, seit Anfang November 2019 auch stolzes Neumitglied des Internationalen Verbands der Filmarchive ( FIAF), betont die Bedeutung der arabisch-afrikanischen Dimension für ihre Arbeit.

Sahbi Kraiem, Experte für Filmarchivierung, hat den Aufbau der Archive für die Kinemathek geleitet.
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