Sandra Kathe

Journalistin, Übersetzerin, Frankfurt/Main

4 Abos und 1 Abonnent
Artikel

Theater gegen Fremdenfeindlichkeit

Spontane Szenen-Probe an der Bushaltestelle „Mainberg“: Bis zum Winter soll das Theaterstück „Bus Stop“ stehen. Foto: Rainer Rüffer

Mit einem Theaterstück will der deutsch-pakistanische Kulturverein Pakbann ein Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. Zum ersten Mitspielertreffen kam bereits über ein halbes Dutzend Interessenten. Ab nächster Woche will die Gruppe unter Spielleiter Amir Mansoor proben und die Szenen entwickeln.

Höchst. Das Einzige, was bislang feststeht bei Theaterstück „Bus Stop“, das der deutsch-pakistanische Kulturverein Pakbann im Winter auf die Bühne bringen möchte, ist der Anfang: „Wir sitzen alle verteilt im Publikum. Wenn das Licht ausgeht, legen wir los mit einem Gedicht“, stellt Amir Mansoor seinen potenziellen Mitspielern die Idee vor, die sein Theaterprojekt über Szenen an einer Bushaltestelle einleiten soll.

Der kurze Text von Maria Bender und Lu Sponheimer heißt „Ich bin ein Baum mit zwei Stämmen“ und gibt wohl wieder, wie sich etliche Frankfurter fühlen, die zwar ihr Leben lang in Deutschland gelebt und dennoch ihre Wurzeln in einem anderen Land haben. Es geht um das, was passieren würde, würde einer der Stämme abgeschnitten, die Wurzeln gekappt: „Wie verletzbar müsste er sein, mein Baum“, heißt es da. Dieses Gefühl, an zwei Orten zu Hause zu sein, kennt nicht nur Amir Mansoor, der 44-jährige Pakistaner, der seit Jahrzehnten in Frankfurt lebt und hier 2004 den deutsch-pakistanischen Kulturverein gründete. Auch viele der potenziellen Mitspieler, die am Donnerstagabend zum ersten „Casting“ ins Begegnungs- und Servicezentrum Höchst kamen, haben ihre Wurzeln an ganz verschiedenen Orten und wollen sich genau deshalb dafür engagieren, dass Alltagsrassismus keine Chance mehr hat.


Alltagsrassismus

Die Soziologiestudenten Ekra Ahmad (24) etwa ist in Rödelheim geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern kommen wie Mansoor aus Pakistan. „Gewisse Formen des Alltagsrassismus erlebe ich fast täglich, meist, weil mich Menschen ansprechen und fragen, woher ich komme, oder mich ungläubig anschauen, wenn ich erzähle, dass ich studiere“, erzählt sie. Vom Casting hat sie durch den Newsletter des Kulturvereins erfahren, den sie seit einiger Zeit verfolgt, ohne bislang jemals aktiv beim Verein mitgemacht zu haben.

Der 25-jährige gebürtige Grieche Georgios Kalantzis kam über den „Bunten Tisch“ in Höchst auf das Theaterstück und ist vom ersten Treffen der Protagonisten begeistert. „Ich finde Amirs Idee, ein Stück mit einzelnen Szenen in der Gruppe zu entwickeln sehr gut“, sagt der Höchster bei der Vorbesprechung und hat gleich einige gute Vorschläge einzubringen. Etwa, dass das Bühnenbild neben einem Haltestellenschild auch eine Wand enthalten könnte, auf die in verschiedenen Szenen Botschaften gekritzelt und immer wieder verändert werden, wie an richtigen Haltestellen auch. „Wenn der erste zum Beispiel schreibt ,Ausländer raus‘, könnte ein zweiter aus dem Wort ,raus‘ einfach ,willkommen‘ machen. So etwas sieht man in Frankfurt fast täglich.“


Noch Mitspieler gesucht

Neben den Mitspielern, die selbst vom Leben mit Migrationshintergrund berichten können, interessierten sich auch etliche Deutsche für das neue Theaterprojekt. Einer davon ist mit Klaus Baumgarten der Leiter des Höchster Begegnungs- und Servicezentrums in der Bolongarostraße, der dem Verein Pakbann Probenräume zur Verfügung stellen will. „Ich habe seit meiner Kindheit immer wieder Theater gespielt und finde die Idee toll. Gerade weil ich auch bei der Arbeit mit älteren Menschen immer wieder erlebe, wie wichtig es ist, Vorurteilen entgegenzuwirken.“ Ideen für Szenen, in denen Alltagsrassismus, Vorurteile, Angst und die Überraschung vieler, wenn Ausländer sich trotz all diesen Dingen als ganz normale Menschen entpuppen, haben er und die anderen Mitspieler bereits genügend.

„Nun geht es darum, erstmal Ideen zu sammeln, erste Szenen zu entwickeln und dann alles zusammenzusetzen“, sagt Mansoor, der sich über den guten Zulauf beim ersten Treffen besonders freut. Neue Mitstreiter kann die Gruppe dennoch gebrauchen. „Wir wollen uns auch noch mal gezielt an Flüchtlingsheime wenden und dort nach interessierten Mitspielern Ausschau halten“, erklärt Mansoor: „Auch wenn wir bislang wenig übers Stück wissen: Unsere Botschaft ist, dass Integration nur von beiden Seiten aus funktionieren kann. Und das würden wir Hand in Hand auch gerne praktizieren.“

Das nächste Treffen der Gruppe ist am Mittwoch, 25. Mai, um 18.30 Uhr. Interessierte können sich per E-Mail an info@pakbann.de anmelden. Treffpunkt ist in der Bolongarostraße 137.

Zum Original