Sandra Kathe

Journalistin, Übersetzerin, Frankfurt/Main

4 Abos und 1 Abonnent
Artikel

"Schnapp-Sack" hilft beim Sparen

vorheriges Bild Aus Jeansstoff näht Levent Tunca den „Schnapp-Sack“. Dafür hat er sich eigens eine Nähmaschine gekauft. Die Einkaufstasche soll auch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, weil Plastiktüten überflüssig sind. Foto: Heike Lyding

Besitzer des „Bornheimer Schnapp-Sack“ können beim Einkaufen sparen. Levent Tunca will mit seiner Kreation den Bezug zum lokalen Einzelhandel stärken und ein Zeichen setzen für den Umweltschutz.

Bornheim. Wenn die Nadel der Stickmaschine gleichmäßig über den dunkelblauen Jeansstoff rattert, ist für Levent Tunca erstmal Zeit für eine kurze Kaffeepause. Vollautomatisch entsteht in dem eingespannten Stück Stoff erst ein Stern, dann einige Zahlen und Buchstaben, ein Halbkreis, weitere Buchstaben – bis das Logo von Tuncas neuer Kreation, dem „Bornheimer Schnapp-Sack 2016“ fertig ist.

Der „Schnapp-Sack“, für den der 46-Jährige einen Teil seines Ein-Zimmer-Apartments in ein kleines Schneideratelier verwandelt hat, soll ein praktischer Helfer werden für all jene, die regelmäßig in Bornheim einkaufen gehen und dabei auf Plastiktüten verzichten wollen. „Der Trend geht in den letzten Jahren eindeutig in Richtung Umweltschutz. Händler sind dazu übergegangen, Plastiktüten extra zu berechnen und auch bei den Kunden findet ein Umdenken statt. Die Einführung des Schnapp-Sacks geht jetzt einen Schritt weiter und belohnt die Kunden sogar dafür, wenn sie keinen unnötigen Müll produzieren“, erklärt Tunca.


30 Geschäfte dabei

Denn wer das Logo des Beutels vorzeigt, erhält in über 30 Bornheimer Geschäften Rabatte und kleine Geschenke. Am Gemüsestand auf dem Wochenmarkt gibt es gratis einen Bund Salatkräuter dazu, die „Sockenkiste“ in der Berger Straße gibt zehn Prozent Nachlass auf alle Socken der Hausmarke, im „Kaufhaus Hessen“ gibt es fünf Prozent auf alles, außer Bücher und Tabakwaren. Tuncas Netzwerk, das er durch seine jahrelange Arbeit als Designer und Fotograf des Magazins „Einkaufen in Bornheim“ aufgebaut hat, macht sich bezahlt. „Die Einzelhändler und Gastronomiebetriebe mussten sich nicht groß überreden lassen und haben begeistert mitgemacht. Sogar einen Gebrauchtwagenhändler in der Dortelweiler Straße hat Tunca inzwischen mit ins Boot geholt. Dort gibt es fünf Prozent auf alle Gebrauchtwagen bis 3000 Euro.


Begriff aus dem Mittelalter

Die Idee entstand, als Anfang 2015 Joachim Rabe vom Bekleidungs- und Ticketgeschäft „Eaglebauer“ auf den hauptberuflichen Designer zukam und ihn bat, eine Papiertasche zu gestalten, mit der die Kunden an einem bestimmten Tag wiederkommen und einen Belohnungsrabatt erhalten sollten. „Diese Idee haben wir aber verworfen, weil das Zeichen für die Nachhaltigkeit mit nur einem Termin etwas klein erschien“, erinnert sich der gebürtige Schwabe. „Tunca dachte die Idee weiter, testete Materialien, entwarf ein Logo und ging auf Streifzug, um mit Einzelhändlern zu sprechen. Als klar war, dass das Konzept aufgehen könnte, schaffte er sich zwei Nähmaschinen und eine Stickmaschine an und ließ sich von befreundeten Schneiderinnen in die Kunst des Handwerks einweihen. Auf die Idee, dem Beutel den Namen „Schnapp-Sack“ zu verpassen, kam er als er seiner Tochter aus dem „Räuber Hotzenplotz“ vorlas, wo der Begriff vorkommt. Als Schnappsack bezeichnete man im Mittelalter einen Beutel, in dem auf Reisen getrocknete Speisen transportiert wurden.

Seit Dezember hat Tunca rund 40 Schnappsäcke angefertigt und für 29 Euro verkauft. „Das ist zwar nicht billig, aber in Eigenproduktion nicht anders kalkulierbar. Ich brauche pro Beutel zwei bis drei Stunden Arbeitszeit und die Stoffe müssen ja auch irgendwie bezahlt werden. Und wenn man zwei Wochen bewusst einkauft, hat man das Geld auch wieder eingespart“. Zehn Prozent der Einnahmen für den Schnapp-Sack spendet Tunca an die Privatinitiative „Helferfreunde Frankfurt“, die schnelle Hilfe für Familien in Not, Obdachlose und Flüchtlinge ermöglicht.

Gültig ist das aktuelle Schnapp-Sack-Logo, das es auf einem Rucksack, einer Umhängetasche oder als Aufnäher für die eigene Lieblingstasche gibt, noch bis zum 31. Dezember 2016. Für das nächste Jahr arbeitet Tunca schon an einem Konzept. „Ich könnte mir durchaus vorstellen, das Konzept auch auf die gesamte Stadt auszuweiten“, sagt der Fotograf und Designer, der sich dann aber Unterstützung beim Nähen suchen müsste. „Als Ein-Mann-Betrieb ist es derzeit nebenberuflich gerade noch zu schaffen“, sagt er, während er sich in seinem Wohn- und Schlafzimmer umschaut, wo die Tische mit Nähmaschinen und die Sitzmöbel mit Bahnen aus Jeansstoff belegt sind. „Wenn die Nachfrage größer wird, muss ich mir dann wohl doch etwas anderes für die Produktion überlegen.“

Informationen und die aktuelle Liste der Rabatt-Partner gibt es im Internet unter www.schnapp-sack.de. Dort kann der Schnapp-Sack auch über einen Online-Shop gekauft werden. Auch bei vielen Rabattanbietern, gibt es den Beutel zu kaufen oder zu bestellen.

Zum Original