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Waldbrunn: Protestwanderung gegen geplanten Windpark

Gegner sehen verstoss gegen naturschutzgesetz atex a91d0d0e8a9084049b6404730c9c4694 onlinebild

Auch die Windradpläne im Waldbrunner Markgrafenwald bedrohten die Erholungslandschaft des Odenwalds, ohne einen nennenswerten Beitrag zum Klimaschutz beizusteuern, beklagten jetzt Protestwanderer. Foto: Hebbelmann

Bürgerinitiative weist mehrere Revierpaare des Schwarzstorchs nach

Der Vorwurf: Projektträger habe eigenes Gutachten unter Verschluss gehalten


Von Sabine Hebbelmann

Waldbrunn. "Genießen Sie den Blick, den wird es so wohl nicht mehr lange geben", sagt Richard Leiner mit einer ausladenden Handbewegung. Von der Höhe des Katzenbuckelturms in Waldbrunn schweift das Auge ungehindert über ausgedehnte Waldgebiete und hintereinander gestaffelte Höhenzüge des Odenwaldes.

Vorrangebiete für die Windenergienutzung fänden sich gerade in den besonders schützenswerten Gebieten, berichtet der Geograf. Leiner, der befürchtet, dass der Odenwald in einen Industriepark für Windenergie umgewandelt werden soll, hat in Heidelberg die Initiative "Rettet den Odenwald" gegründet, mit dem Ziel, die vielen Initiativen, die es im Odenwald gibt, zu vernetzen und ihnen mehr Gehör zu verleihen. Die Protestwanderung mit der Initiative Hoher Odenwald (IHO) zum Katzenbuckelturm ist nach der Aktion am Greiner Eck die zweite Veranstaltung dieser Art.

Mit Plakaten, Transparenten und einem nachgebildeten Schwarzstorchenhorst treffen sich die Teilnehmer auf dem Parkplatz der Turmschenke. IHO-Vorsitzende Dorothea Fuckert sieht aufgrund der aktuellen Windkraftplanungen Landschaftsbild, Natur- und Rückzugsräume sowie windkraftsensible Vogelarten bedroht und sorgt sich um die Gesundheit der anliegenden Bewohner.

Ihre Kritik: Während der Naherholungsraum Hoher Odenwald mit dem Slogan "Erholung da, wo die Natur am schönsten ist" um Touristen werbe, werde der Wald verschandelt. Wer sich gegen die Windenergienutzung entscheide, müsse nicht gegen Klimaschutz sein, sagt die Ärztin und nennt als Beispiel die Gemeinde Spechbach im Kraichgau, die als "Bürgerenergiedorf" zu einem Bundespilotprojekt der Energiewende wurde. Ihr Vorstandskollege Michael Hahl zeigt auf den lang gestreckten Bergrücken zwischen Höllgrund und Reisenbacher Grund. Hier, im Markgrafenwald, wollen die Prinzen Bertold und Leopold von Baden, vereint als "Windpark Markgrafenwald GbR", einen Windpark mit zwölf Windrädern bauen und betreiben.

Hahl erinnert: Die seit Sommer 2013 in dem Verein Initiative Hoher Odenwald (IHO) zusammengeschlossenen Bürger zweifelten aufgrund der vielen Beobachtungen an der Darstellung des Projektträgers, wonach der Schwarzstorch nicht im näheren Umfeld der geplanten Anlagen brüte und kein erhöhtes Schlagrisiko durch die geplanten Windenergieanlagen bestehe. Die Mitglieder betrieben eigene fachliche Recherchen, investierten in Fachgutachten und in die Beratung durch einen Rechtsanwalt und pochten auf spezielle Methodenstandards. Daraufhin beauftragte die Projektgesellschaft im März 2014 den Schwarzstorchspezialisten Carsten Rohde. "Die Ergebnisse blieben unter Verschluss", kritisiert Hahl, der es grundsätzlich für problematisch hält, dass erforderliche Gutachten im Auftrag der Investoren erstellt werden. Die Bürgerinitiative schickte Rohde für ein eigenes Gutachten kurzerhand noch einmal los. "In wenigen Feldstunden hat er rund um den Bergbuckel vier Revierpaare des Schwarzstorchs entdeckt", sagt Hahl. Der Bau der Anlagen stelle vor diesem Hintergrund einen Verstoß gegen Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes dar, so Hahl. Der Odenwald sei Schwachwindgebiet, bei geringer Windausbeute sei ein wesentlicher Beitrag zum Klimaschutz nicht zu erwarten. Dafür sei das Gebiet ein Dichtezentrum für weitere europäisch geschützte Großvögel wie den Wespenbussard oder den Rotmilan.

Beim Klima gehe es nicht um Strom, sondern um die Kohlendioxidbilanz, betont Leiner. "Es ist eine Illusion, zu glauben, dass wir mit Windkraft das Klima retten." Strom mache nur 20 Prozent des Endenergiebedarfes aus, die Windkraft mit aktuell 25.000 Anlagen wiederum habe einen Anteil von zwei Prozent.


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