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Mark-Twain-Village-Wohnprojekte wollen konkrete Hilfe statt warmer Worte

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Nicolai Ferchl, Antje Köhler, Stein Wanvik und Andreas Gißler (v.l.) von 'HD vernetzt' wünschen sich mehr Unterstützung von der Stadt. Foto: Hebbelmann

Endlose Suche nach Grundstücken. Wohnprojekte für gemeinschaftliches Wohnen in Mark Twain fordern Klarheit von der Stadt.

14.02.2014, 06:00

Von Sabine Hebbelmann

Für die Neunutzung der US-Flächen hat die "heiße Phase" begonnen. Mehrere Initiativen und Vereine sind seit Beginn der Bürgerbeteiligung über die Plattform "HD vernetzt" in Kontakt und wollen Gemeinschaftswohnprojekte im Mark Twain Village verwirklichen. Nun fürchten sie, dass sie bei der Vergabe der Flächen zu kurz kommen könnten.

Zwei Workshops gab es im vergangenen Jahr mit der Stadtverwaltung. Doch Nicolai Ferchl von der studentischen Initiative "Collegium Academicum" vermisst konkrete Zusagen und einen Zeitplan. "Bisher gab es nur warme Worte", sagt er. Aus seiner Sicht handelt es sich um ein "Henne-Ei-Problem". Die Stadt wolle zu Recht wissen, was die Wohnprojekte konkret planen. Doch um überhaupt planen zu können, bräuchten sie die verlässliche Zusage für ein Gebäude. Als positives Beispiel nennt er das Prismahaus in Handschuhsheim. Die dortige Baugruppe habe für ihr Grundstück eine Zusage bekommen mit einer recht langen Frist, damit sie Zeit hatte, gemeinsam zu planen: "Das war sehr gut gelöst und ist der einzig sinnvolle Weg." Auch einen festen Ansprechpartner und mehr Informationen wünschen sich die Projektgruppen. "Wir wissen nicht, sollen wir mit dem Stadtplanungsamt reden, mit dem Kämmerer oder der Projektleitung NH ProjektStadt" sprechen, sagt Ferchl und ergänzt: "Die Pläne der Stadt sind uns schleierhaft." Mannheim habe schon vor zwei Jahren einen runden Tisch für gemeinschaftliches Wohnen ins Leben gerufen, merkt Andreas Gißler vom Wohnprojekt "Hagebutze" an. "Erste Projekte durften schon Häuser kaufen." "Hagebutze" ist seit April 2012 auf der Suche. Nach einigen Monaten fand die Gruppe ein geeignetes Gebäude in Kirchheim, das die Stadt verkaufen wollte. "Die Stadtverwaltung hat uns suggeriert, dass es klappt", sagt Gißler. Daraufhin hatten die Mitglieder einen Bausachverständigen und einen Architekten beauftragt. Rausgeschmissenes Geld, wie sich herausstellte, denn den Zuschlag bekamen andere. Dass es städtische Vergaberichtlinien gab, die sich an der Zahl der einziehenden Kinder orientierten, erfuhren sie zu spät.

"Die Wohnprojekte bieten einen großen Wert für die Stadt Heidelberg", glaubt Stein Wanvik vom Wohnprojekt "Konvisionär". Die Stadt solle sie aktiver unterstützen. Zusammen mit den anderen "Vernetzten" hegt er die Befürchtung, die ehrenamtlich organisierten Gruppen könnten bei einer gemeinsamen Zuweisung zwischen die Interessen der professionell am Markt agierenden Baugenossenschaften aus dem "Bündnis für Wohnen" geraten. Denn in diesen Topf wolle die Stadt den Verein "Communale" ebenso wie das Mietprojekt "Horizonte" stecken, da beide mit einer Dachgenossenschaft kooperieren wollen. "Die Stadt hat einen Teilungsplan gemacht", weiß Mario Damolin von "Communale": "Für ,Collegium Academicum' ist die IBA zuständig, für ,Communale' das Bündnis für Wohnen, und um ,Hagebutze' und ,Konvisionär' kümmert sich die Stadtverwaltung selbst." "Communale" habe mit den drei wichtigsten Heidelberger Baugenossenschaften Kontakt aufgenommen, es habe aber bisher kein Entgegenkommen gegeben, berichtet er.

Doch auseinanderdividieren lassen wollen sich die Projekte nicht. "Wir alle zusammen sind ,HD vernetzt'", sagt Ferchl. Er wünscht sich, dass die Wohnprojekte in direkter Nachbarschaft zueinander Platz fänden: "Wir verstehen uns gut und würden uns gut ergänzen."

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