Rouven Theiß

Freier Journalist, Lektor und Redakteur, Laatzen

1 Abo und 0 Abonnenten
Artikel

Früher Sitz des Amtmannes - heute verziertes Baudenkmal

Bljegv2e2 detail image 154798

Blomberg. Reich verzierte Fachwerkhäuser gibt es in Blomberg zahlreiche. Eines der schönsten davon dürfte sicherlich das einstige Amtshaus sein. Allein die Lage ist perfekt für Touristen, schließlich befindet sich der Bau direkt am Pideritplatz und dort an der schmalen Zufahrt zur Burg. Die unmittelbare Nähe zum einstigen Sitz der lippischen Landesherren wurde bewusst so gewählt, schließlich residierte hier der jeweilige Amtmann samt seiner Familie. Unter besagtem Amtmann oder Drost verstand sich der Verwalter des Amtes Blomberg, zu dem die früher selbstständigen Gemeinden der Stadt Blomberg, bis 1789 auch noch Belle, Billerbeck, Schieder und Wöbbel, gehörten. Ab besagtem Jahr war das Amt Blomberg  schaumburg-lippisch, wurde 1839 wieder ins Fürstentum Lippe integriert, wobei Burg und Amtshaus bis zum Rückkauf durch die Stadt Blomberg 1962 zum bückeburgischen Fürstenhaus gehörten. »Die Aufgaben eines Amtmannes waren vielfältig. Unter anderem gehörten dazu die Regelung der finanziellen und rechtlichen Interessen des Landesherren und Verwaltungsarbeit«, berichtet der Blomberger Stadtarchivar Dieter Zoremba. Erbaut wurde das Gebäude übrigens 1572 durch Graf Simon VI., der die Regierungsgeschäfte sieben Jahre später übernahm. Und die gesamte Bandbreite an Inschriften, Symbolen und Schnitzereien kann sich absolut sehen lassen. »Das einstige Amtshaus ist ein schönes Baudenkmal aus der Zeit der Weserrenaissance mit vielen Zierschnitzereien auf der Vorderfront. Dargestellt sind vor allem sogenannte Radschnitzmuster«, so Dieter Zoremba. Auf dem unteren Schwellbalken des Giebelgeschosses ist die Inschrift »Von Gottes Gnad Symon Graffe und eddele Herr zur Lippe. ANNO DOMINI 1572.« zu lesen. Direkt darüber befindet sich das Wappen des Grafen, rechts und links davon Säulen. Auf dem Fachwerk existieren zahlreiche Fächer-Rosetten in Form von Dreiviertelkreisen. Das wiederum hat es dem Zierschnitzer Barthold Sander damals ermöglicht, das Zentrum dieser Fächer als vollständigen Kreis zu gestalten. Deshalb findet man dort unter anderem Rosen und Sterne. Auch der Bereich über den Fenstern ist äußerst aufwändig gestaltet - allerdings sind die Motive streng in eine doppelte Wellenranke mit daraus entstehenden Kreisen geordnet. Aber auch hier gibt es Schnitzwerk wie Sterne, Rosen, Blätter und Trauben innerhalb der Kreise. Besonders auffällig sind ein bärtiges Gesicht mit abstehenden Ohren, ein Kopf mit Narrenkappe und ein weiteres Gesicht im Strahlenkranz. Verziert sind darüber hinaus die Schwellbalken und Füllhölzer. Äußerst edel kommt auch der dreistöckige Giebel daher, auf dem sich unten ein Kopf mit Engelsflügeln, das bereits beschriebene Wappen samt Inschrift und ein Blattrankenmuster befinden. Am zweiten Giebelgeschoss sind neben den zwei zentralen großen Fächern links und rechts je ein kleinerer zu sehen, in der Giebelspitze gibt es eine Halb-Rosette. Am Rande: Nach dem Verkauf durch die Stadt Blomberg an den Landesverband hat der das historische Gebäude vermietet. Der letzte offizielle Bewohner in der Funktion eines Amtmannes war der bückeburgische Amtsrat Carl Friedrich Ernst Bömers, dessen Nachkommen bis 1938 in dem Gebäude am Pideritplatz lebten. Vom Keller aus soll es früher sogar einen unterirdischen Gang gegeben haben, der bis zum »Hurn« führte. Text: Rouven Theiß

Zum Original