Nicola Staender

Redakteurin | Formatkonzepterin, Mainz

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Im Stress? Bestell einen Livestream-Roboter, der für dich wahllos Dinge zerhaut

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Alle Gifs: Deakin University.

Wer hat nicht schon mal davon geträumt, einen lahmen PC aus dem dreizehnten Stock zu werfen, ein beklopptes Buch in tausend Stücke zu reißen oder das Bild eines hetzenden Nazis lustvoll zu zerknüllen und zu zermalmen? Die australische Deakin University hat die Freude an der Zerstörung zu ihrer Marketingstrategie gemacht. Im Bundesstaat Victoria, wo viele Schüler gerade ihre High School-Abschlussklausuren, die sogenannten VCEs, schreiben, macht die Uni mit einer Videoreihe auf sich aufmerksam.

Die 90-minütigen Online-Filme namens „Stress Break" zeigen vier Charaktere – einen Geist, ein Faultier, einen Hot Dog und einen Roboter – wie sie mit außergewöhnlichen Waffen gezielt Dinge zerstören.

Wir wissen, dass unsere Schüler eine stressige Prüfungsphase erleben

Über Twitter, Facebook und die Website können User bestimmen, was die Protagonisten wie kaputt machen sollen. Das Ergebnis können sie in einer Live-Sendung am Abend mitverfolgen oder über die Uni-Website streamen. Die Charaktere verwenden zum Beispiel Golfschläger, Pool-Nudeln, aufblasbare Plastik-Palmen oder Gummihühner, um auf Taschenrechner, PCs, Vasen oder Lampen einzuschlagen.

„Wir wissen, dass die Schüler vor den VCEs eine superstressige Zeit erleben. Einfach kurz abzuschalten kann ihnen helfen, danach wieder konzentriert zu lernen", erklärte der Digital-Marketingchef der Deakin University Matt Edge gegenüber Campaign Brief Australia.

Kritisch äußerte sich dort Dr. Kevin Donnelly, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Australian Catholic University: „Gewalt und Zerstörung als Ausweg aus stressigen Situationen anzupreisen ist kontraproduktiv und meiner Meinung nach sozial inakzeptabel. Es gibt viel positivere Wege, um das Thema anzugehen."

Klar, Yoga und Gehmeditationen sind eine Art, Stress abzubauen. Aber zugegeben: Es gibt kaum etwas Befriedigenderes als einem Faultier dabei zuzusehen, wie es mit einem Paukenschlägel auf eine von einem Roboter gehaltene Schallplatte eindrischt.

Dass das Kaputtmachen viele Menschen fasziniert, lässt sich mit einigen Zahlen ganz gut illustrieren. Die mit Gummibändern zum Platzen gebrachte Wassermelone hat auf YouTube 14 Millionen Views. Eine zersplitternde CD rückt mit achteinhalb Millionen Views nach. Und Arnold Schwarzenegger, der mit seinem Panzer über eine Million-Dollar-Baby-DVD fährt, zieht mit 271.600 Views auch einige User an.

Stress Break läuft seit dem 19. Oktober und wird noch bis zum 23. Oktober ausgestrahlt. Der Trailer und die erste Episode der Stress Breaks erreichten auf YouTube mittlerweile jeweils etwa 20.000 Views.

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