Michaela Strassmair

Reisejournalistin, Fotografin, Ebersberg bei München

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Medikamenteneinnahme: Nicht mit diesen Getränken!

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Schnell die Tabletten herunterspülen: Aber mit welchem Getränk? Dr. Ursula Sellerberg von der Bundesapothekerkammer erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, warum sich folgende fünf Getränke überhaupt nicht eignen und welche anderen schon.


Im Beipackzettel von Tabletten, Kapseln und Tropfen steht als Einnahmeempfehlung meist: "mit ausreichend Flüssigkeit".

Doch welche Flüssigkeit sich für das jeweilige Medikament am besten eignet, ist dort nicht aufgeführt - nur der Rat, sich bei Fragen an den Apotheker zu wenden. Tatsächlich können einige alltägliche Getränke die Wirkung von Medikamenten verändern.


Tee und Kaffee: Gefahr durch Gerbstoffe und Koffein

Sie stehen jeden Morgen auf dem Frühstückstisch, eignen sich aber nicht zur Medikamenteneinnahme. Denn Kaffee sowie grüner und schwarzer Tee enthalten Gerbstoffe, die mit bestimmten Inhaltsstoffen Wechselwirkungen verursachen.

Arzneien gegen Eisenmangel oder Blutarmut beispielsweise verlieren ihre Wirkung, da die Gerbstoffe die Eisenionen im Magen binden. Die Folge: Das Eisen kann vom Körper nicht aufgenommen werden.

Auch bei Schmerzmitteln ist Vorsicht geboten, denn das Koffein von Kaffee, Tee und übrigens auch Cola und Energydrinks, kann deren Wirkung verstärken und zu Herzklopfen, Unruhe und Schlafstörungen führen.


Milch: Kalzium macht wirkungslos

Zu den problematischen Getränken gehört auch Milch, da sie viel Kalzium enthält. "Kalziumionen vermindern die Aufnahme bestimmter Arzneistoffe. Wenn die Wirkstoffe nicht durch die Darmwand ins Blut gelangen können, werden sie im Darm weitertransportiert und ausgeschieden", erklärt Apothekerin Ursula Sellerberg.

Dies betreffe Medikamente gegen Knochenschwund, Eisenpräparate und Antibiotika mit den Wirkstoffen Doxycyclin, Ciprofloxacin und Norfloxacin. Der Abstand zwischen der Einnahme dieser Arzneimittel und dem Verzehr von Milchprodukten wie auch Joghurt und Käse soll deshalb zwei bis drei Stunden betragen.

Es gibt aber auch zwei Ausnahmen: Das Retinoid Acitretin zur Behandlung gegen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte und das Antimykotikum Griseofulvin gegen Hautinfektionen und Hautpilze sollen ausdrücklich mit Milch eingenommen werden.


Mineralwasser: Ähnlich wie Milch

"Mineralwasser, egal ob mit oder ohne Kohlensäure, enthält teilweise erhebliche Mengen an Kalzium- und Magnesiumionen. Diese können mit bestimmten Arzneistoffen interagieren", sagt die Vertreterin der Bundesapothekerkammer.

Wie auch bei Milch verbinde sich Kalzium mit einigen Antibiotika-Wirkstoffen und hemme deren Wirkung. Mit Leitungswasser hingegen gibt es diese Wechselwirkungen nicht.

Deshalb empfiehlt die Expertin, alle oralen Arzneiformen mit einem Glas (200 ml) Leitungswasser zu schlucken. "Die Einnahme mit dieser Menge an Wasser verhindert zudem, dass Tabletten in der Speiseröhre hängen bleiben und sich Geschwüre bilden können." Damit sei auch sichergestellt, dass sich die Medikamente besser auflösen.


Fruchtsäfte: Hände weg von Grapefruit

Früchte wie Grapefruits, Cranberrys und Granatäpfel sowie deren Säfte hemmen oder verstärken die Wirkung von Schmerz-, Schlaf- und Bluthochdruckmitteln.

Insbesondere von Grapefruitsaft rät Dr. Sellerberg ab, weil damit häufiger Nebenwirkungen auftreten. Das betreffe vor allem Blutverdünner, Cholesterinsenker und Immunsuppressiva.

"Hier liegt die Lösung nicht im zeitlichen Abstand, sondern im vollständigen Verzicht auf Grapefruit."


Alkohol: Abbau wird gehemmt

Dass sich Bier, Wein oder Whisky nicht mit Medikamenten vertragen ist bekannt. Wird der ohnehin mit einer Krankheit kämpfende Körper mit Alkohol zusätzlich geschwächt, kann es zu folgenden Wechselwirkungen kommen: Alkohol hemmt den Abbau von Medikamenten.

Die Arzneien hingegen hemmen den Abbau von Alkohol. In Kombination mit bestimmten Antibiotika kann das zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Herzrhythmusstörungen und Übelkeit führen.

"Bei einigen Psychopharmaka und Schlafmitteln kann es sogar zu Benommenheit und in seltenen Fällen zu einer Atemdepression kommen", warnt Apothekerin Sellerberg.

Diabetikern rät sie besonders vorsichtig zu sein, da Alkohol mit zeitlicher Verzögerung Unterzuckerung verstärken oder auslösen kann. "Diese Gefahr besteht vor allem dann, wenn Diabetiker Alkohol auf nüchternen Magen trinken."

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