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Abtreibung in Tirol: Nur ein Arzt traut sich, für 170.000 Frauen da zu sein

In Tirol leben etwa 170.000 Frauen und Mädchen im gebärfähigen Alter. Bei einer ungewollten Schwangerschaft steht ihnen im Bundesland ein einziger Gynäkologe für eine Abtreibung zur Verfügung. Der Gesundheitslandesrat, die Tirol Kliniken und die Ärztekammer sehen keinen Handlungsbedarf.

Nora (Name geändert) ist eine 23-jährige Studentin, als ihr Schwangerschaftstest im Herbst 2016 ein Plus-Zeichen auf dem Display zeigt. Sie lernt gerade für ihre Bachelorprüfung und pflegt ein lockeres Verhältnis mit dem Mann, der heute ihr Freund ist. Das Ergebnis schockiert sie: Immerhin verhütet Nora mit der Kupferspirale. “Bei der Wahrscheinlichkeit hätten wir damals direkt Lotto spielen sollen”, erzählt sie heute lachend.

Für das angehende Paar war die Entscheidung für einen Abbruch schnell klar. “Wir hatten Partnerschaft und Karriere noch vor uns, da kam ein Kind einfach nicht infrage.” Weil beide aus konservativen Familien stammen, hat das Paar die 800 Euro für den Eingriff selbst bezahlt. Bis heute verheimlichen Nora und ihr Freund den Vorfall vor ihren Eltern. Reue empfinden sie allerdings nie: “Es war eine unglaubliche Erleichterung. Die Zeit hat uns näher gebracht.”

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