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Feature

Wettlauf gegen die Wildnis

Zwei Menschen verlaufen sich, halluzinieren und gehen über ihre Grenzen hinaus. Sie wollen Rennen gewinnen, für die es kein Preisgeld gibt. Danach sind sie nicht mehr dieselben.

Text: Lissi Pörnbacher    Illu: Janik Söllner

Tennessee. Der Nebel nimmt den Dingen ihre Bekanntheit. Er hüllt die Berge in ein undurchdringliches Weiß und die Gedanken in Traumwelten. John Kelly steht an dem Ort, an dem seine Liebe zu den Bergen begann, doch dieser Moment fühlt sich an wie ein Alptraum. Kelly hat mehr als 60 Stunden nicht geschlafen, er ist seit fast 100 Meilen auf den Beinen, ihm bleiben noch eineinhalb Stunden, um dieses verrückte Rennen als Sieger zu beenden. Falls er es ins Ziel schafft. Denn längst kann er nicht mehr unterscheiden: Ist alles nur Traum oder ist er wirklich in der letzten Runde des Barkley Marathons?

Yukon. »Du bist so ein Trottel.« Das ist der Gedanke, der Hanno Heiss durch den Kopf schwirrt, als er über das Yukon-Territorium in Kanada fliegt, und nur Wald, Seen, Flüsse und Lichter von Hütten sieht, die sich in der Einöde verirrt zu haben scheinen. Vor ihm liegt ein 725 Kilometer langer Marsch über 8.000 Höhenmeter bei bis zu minus 50 Grad. Ein Wolf wird ihn verfolgen und ein Puma, Stimmen aus der Vergangenheit und Gestalten, die eigentlich nicht da sind. Vor ihm liegt der Yukon Arctic Ultra – die Champions League unter den Ultrarennen, an Verrücktheit nicht zu übertreffen.

John Kelly und Hanno Heiss begeben sich jeweils in einen Wettkampf in der Wildnis Nordamerikas, der schnell in einen Wettkampf gegen die Wildnis umschlagen kann. Sie sind Besucher in einer Welt, in der sie nicht mehr an der Spitze der Nahrungskette stehen.


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