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Kommentar Grammy Awards 2019: Es geht um Macht

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Musikpreise sind politisch. Auch wenn nicht jeder Song eine Botschaft aussenden will, ist das Werk nie völlig loszulösen von der Person - und die Person nicht von der Gesellschaft. Welche Künstler*innen oder Musikrichtungen anerkannt und geehrt werden, sagt etwas aus. Über den Zeitgeist, aber auch über Repräsentation und Macht.


In der Nacht zum Montag wurden in Los Angeles die 61. Grammy Awards verliehen. Der Preis gilt als höchste internationale Auszeichnung in der Musikbranche. Ähnlich wie die Oscars waren die Grammys aber lange vor allem eines: zu weiß, zu männlich. Noch im vergangenen Jahr sagte Neil Portnow, der scheidende Präsident der Recording Academy, die hinter der Preisverleihung steht, sinngemäß: Wenn Frauen Anerkennung wollten, müssten sie sich halt mehr Mühe geben.


2019 sah anders aus. Die Jury wurde diverser besetzt. R'n'B-Ikone Alicia Keys moderierte. Rapperin Cardi B wurde als erste Solokünstlerin in der Geschichte der Grammys mit dem Preis für das beste Rap-Album ausgezeichnet. Und mit Childish Gambino räumte ein Künstler drei Trophäen ab, der mit seinem Song „This is America" Waffengewalt und Rassismus anklagt.

Außerdem waren über die Hälfte der Live-Acts weiblich. Das sind Statements, weil wichtig ist, wer spricht, wer singt, wer auszeichnet und ausgezeichnet wird. Diese Frage nach dem „Wer" ist umso bedeutender unter einem US-amerikanischen Präsidenten, der Mauern bauen und das Patriarchat über die Zeit retten will.


Populäre Preisverleihungen setzen politische Zeichen - und sie haben die Chance, ein junges Publikum zu sensibilisieren und auf die Bedeutung von Repräsentation aufmerksam zu machen. Schon deshalb sollten sie mehr tun, als sich die trendige Vorzeigeschärpe „Diversität" umzuhängen. Institutionalisierte Anerkennung ist wichtig. Sie zeigt: Es verändert sich etwas unter der Oberfläche. Macht wird umverteilt. Und das sollte nicht bloß eine Phrase sein, sondern Selbstverständlichkeit.

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