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Akademiker kritisieren geplante Kürzungen bei Austauschdienst in offenem Brief

Über 3.200 Erstunterzeichner:innen fordern in einem offenen Brief, die im Haushaltsentwurf vorgesehenen Kürzungen im Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH) zu stoppen. Die Einsparungen würden den internationalen Forschungsaustausch gefährden und Forschenden sowie Wissenschaftler:innen notwendige und niedrigschwellige Förderungen verwehren, heißt es in dem an Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) gerichteten Brief.

Rund 6000 Stipendien des DAAD, dessen wichtigster Geldgeber das Auswärtige Amt ist, sollen aufgrund der Kürzungen wegfallen. Bereits für das laufende Jahr 2022 seien Einschnitte von rund acht Millionen Euro geplant. Im folgenden Jahr belaufen sich die Einsparungen auf über zehn Millionen Euro.

Das Auswärtige Amt begründet die Kürzungen mit Einsparungen im Bundeshaushalt, wie der Tagesspiegel berichtete. Zwar würden trotz der Kürzungen keine Stipendienzusagen weggenommen, die Kritik an dem Plan und der reduzierten Neuvergaben bleibt aber bestehen.

„Die deutschen Hochschulen müssen auch weiterhin internationale Orte des wissenschaftlichen Austauschs, der Forschung, der Lehre und des Lernens sein ", heißt es nun in dem offenen Brief, den auch über 50 Fachverbände mitunterzeichnet haben. Besonders kritisieren die Unterzeichner:innen, dass die für den internationalen wissenschaftlichen Austausch zuständigen Organisationen bereits im laufenden Betrieb einsparen sollen.

Einsparungen schaden Wissenschaftsstandort Deutschland

Die Unterzeichner:innen weisen in ihrem Brief darauf hin, dass die Kürzungen in Widerspruch zum Koalitionsvertrag stehen. Dort sei eine Erhöhung der institutionellen Förderung von DAAD und AvH um drei Prozent pro Jahr beschlossen worden. Die Einsparungen, so heißt es in dem Brief, würden sich in weitere Kürzungen einreihen, die beispielsweise die Rücknahme bewilligter Projekte beim Bildungsministerium einschließen.

„Gerade die kurzfristigen Einschnitte in laufende bzw. angekündigte Förderungen [untergraben; Anm. d. Red.] das Vertrauen zwischen den Institutionen und in die damit verbundene Rechts- und Verfahrenssicherheit", schreiben die Unterzeichner:innen.

Insgesamt schade dieses Vorgehen dem Ansehen Deutschlands als Wissenschaftsstandort. Wie die Wissenschaftler:innen befürchten, würde der Wegfall der Förderungen ein Zwei-Klassen-System zementieren, welches im deutschen Forschungsbetrieb ansatzweise bereits heute zu sehen sei. Daher fordern sie Annalena Baerbock und die Bundestagsabgeordneten am Ende ihres offenen Briefes auf, die Kürzungen zu stoppen.

Am Dienstagmittag hatten - zusätzlich zu den Erstunterzeichner:innen - fast 4.000 Personen den offenen Brief unterzeichnet, wie einer der Initiatoren auf Twitter bekannt gab. Noch am Montag war er dem Auswärtigen Amt zugeschickt worden.

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