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Kinostart "Die Verlegerin" in Deutschland: Kampf gegen die Presse

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Der Film "Die Verlegerin" erzählt von Whistleblowern und Journalisten, denen Präsident Nixon einst den Kampf ansagte. Für Trump ist das heute Teil seiner alltäglichen Strategie.

Redaktion der "Washington Post" im Spielberg-Film "Die Verlegerin" Quelle: dpa

Wieder einmal hat die Journalistin Diane Rehm bei ihrer Arbeit mit den Folgen der Wahl von Donald Trump zutun. Beim Radiosender NPR interviewt sie gerade Jungpolitiker - es geht um den Präsidenten. Seit er im Weißen Haus sitzt, scheint das ganze Land politisiert zu sein, aber auch die Medien wurden mit dem Beginn seines Wahlkampfes in eine besondere Rolle gedrängt, sagt Rehm. "Wann immer Donald Trump eine Frage gestellt bekommt, die ihm nicht gefällt, versucht er abzulenken und schreit einfach Fake News". Die 81-jährige Rehm hat in ihrer Karriere als Journalistin viele Präsidenten kommen und gehen sehen. Seit über 40 Jahren ist sie beim öffentlich-rechtlichen Radio, hatte jahrelang eine tägliche Show, Politgrößen wie Barack Obama, John McCain und Madeleine Albright gaben sich bei ihr die Klinke in die Hand. "Präsident Nixon hat die Medien gehasst", sagt Rehm, "weil sie die Wahrheit berichtet haben. Donald Trump hasst einfach jeden Journalisten, außer die, die ihm Recht geben."

Wie Nixon damals mit Journalisten umging, veranschaulicht der neue Steven-Spielberg-Film "Die Verlegerin", der von heute an auch in deutschen Kinos zu sehen ist. Der Whistleblower Daniel Ellsberg bekommt einen 7.000 Seiten starken Bericht zur Lage in Vietnam in die Hände. Die Quintessenz: Der Krieg ist nicht zu gewinnen. Und trotzdem haben vier Präsidenten weiterhin Soldaten nach Vietnam geschickt, um das Gesicht zu wahren. Niemand wollte eine Niederlage eingestehen. Diese "Pentagon Papiere" kopiert Ellsberg heimlich Nacht für Nacht und stellt sie der "New York Times" und der "Washington Post" zur Verfügung. Als Nixon davon Wind bekommt, nutzt er die volle Macht des Regierungsapparates, um die Veröffentlichung zu unterbinden. Trotz drohender Haft entscheidet sich die Post-Verlegerin Katharine Graham, gespielt von Meryl Streep, den Bericht über die brisanten Papiere abzudrucken.

Media Matters, eine Medien-Watchdog-Organisation, verfolgt die politische Berichterstattung und wie akkurat die Fakten berichtet werden. Auch Donald Trump beobachten sie kritisch, erzählt Angelo Carusone, Vorsitzender der Organisation: "Der größte Unterschied zwischen Nixon und Trump macht mir große Sorge: Wäre Trump in den 1970ern Präsident gewesen, hätte er eine Grenze gehabt, die er nicht überschreiten kann. Denn egal was passierte, der Präsident brauchte die Medien, um Informationen zu verbreiten." Heute hingegen sei es kein Problem, das Trump auf Twitter einfach Falschaussagen oder Angriffe gegen einzelne Personen oder sogar ganze Länder verbreiten kann, sagt Carusone.

Schon auf Wahlkampfveranstaltungen hat Donald Trump die Menge gegen Journalisten aufgebracht. Prall gefüllte Hallen drehten sich zum Pressebereich, buhten und machten Fotos. "Trump versucht mit allen Mitteln die Aufmerksamkeit der Leute auf sich zu ziehen, so kann er die Unterhaltung kontrollieren", so Carusone, "aber er folgt auch dem Regelbuch autoritärer Regime: Er untergräbt nicht nur die Presse, er ersetzt sie mit Propagandisten und Loyalisten." Gegen eine amerikanische Journalistin hatte Trump so sehr Stimmung gemacht, dass der Secret Service sie zu ihrer Sicherheit nach der Veranstaltung rauseskortierte.

Seit Jahren droht Trump Journalisten, die kritisch über ihn berichten, mit Klagen: dem Fernsehsender CNN, der Tageszeitung New York Times, der Nachrichtenagentur Associated Press - es ist die Speerspitze des amerikanischen Journalismus. Am 11. Oktober drohte er dem Sender NBC per Tweet mit dem Entzug der Fernsehlizenz, auch wenn der Präsident dazu eigentlich nicht ermächtigt ist. "Donald Trump glaubt nicht an die Wahrheit", ist Carusone überzeugt, "er glaubt an das Prinzip: Der Stärkere hat Recht".

Diane Rehm hat ihre tägliche Sendung nach dem Wahlsieg von Trump 2016 eingestellt, seither hat sie einen wöchentlichen Podcast. Die aktuelle Entwicklung beobachtet auch sie mit Sorge: "Noch nie war unsere Demokratie an einem solch gefährlichen Punkt. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so etwas erlebt - und ich finde es sehr, sehr beängstigend."

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