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Digitalisierung der ambulanten Medizin: Mit den Diagnosen „Cyberchondrie" und „Morbus Google" behindern Haus- und Fachärzte die Adhärenz ihrer Patienten

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Worum es geht

Das Verhalten von Patienten, die sich auf medizinische Informationen aus Internetquellen berufen, wird von Haus- und Fachärzten oft in die Kategorien „Cyberchondrie" und „Morbus Google" eingeordnet. Doch durch diese Betrachtung übersehen Mediziner einen entscheidendes Ansatzpunkt für ihre Therapie-Erfolge.

Patienten möchten mit Ärzten über Internet-Inhalte sprechen

Eine wachsende Anzahl von Patienten möchte mit ihren Behandlern über gesundheitsbezogene Internet-Inhalte sprechen, die wenigsten sind dabei Hypochonder. Das lehnen die meisten Haus- und Fachärzte jedoch nach wie vor ab. Der Ansatz, darauf einzugehen, um den Patienten zu zeigen, dass ihnen das Engagement wichtig ist und um ihnen gleichzeitig eine eindeutige Orientierung zu geben, besitzt kaum Attraktivität.

Mediziner reagieren vor allem aus drei Gründen so ablehnend: sie

* betrachten es nicht als ihre Aufgabe, Fehlinformationen aus dem Netz oder anderen Quellen zu korrigieren,

* beklagen die aus den Richtigstellungen resultierenden Zeit- und Einkommensverluste, da die Korrektur der von den Patienten angeführten Inhalte die Gespräche unnötig verlängern und sie

* fühlen sich in ihren medizinischen Entscheidungen von den Patienten, also von Laien, kritisiert.

Wenig beachtet wird dabei von ärztlicher Seite, dass

* der gestiegene Informationsbedarf nicht allein durch die Verfügbarkeit entsprechender Medien verursacht wird, sondern vor allem durch eine seit jeher zu geringe Patienteninformation der Ärzte. Das beste Beispiel ist die Aufklärung über die Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten. Dass Patienten nach Ersatz suchen, ist deshalb kaum verwunderlich,

* Patienten, die eigeninitiativ und aktiv im Netz recherchieren, besitzen ein ausgeprägtes Gesundheits- bzw. Krankheitsbewusstsein, die beste Voraussetzung für Compliance und persönliche Mitarbeit am Heilungs- und Genesungsprozess. Noch vor wenigen Jahren beklagte die Ärzteschaft, dass Patienten sich zu wenig informieren und kaum Interesse an ihren Erkrankungen zeigen, nun ist das Gegenteil der Fall, doch die Klagen setzen sich nun auf anderer Ebene fort,

* die tradierte, an- und verordnende ärztliche Grundhaltung auf veränderte Patienten-Anforderungen stößt und immer weniger akzeptiert wird. Patienten suchen heute nach medizinischen Beratern auf Augenhöhe statt nach Anweisungen und setzen auf Adhärenz.

Diese Aspekte erfordern ein neues Arzt-Selbstverständnis und veränderte Handlungsweisen:

* statt sich passiv über Falschinformationen zu ärgern, ist es notwenig, dass Ärzte aktiv geeignete Quelle suchen und anbieten, um die Informationssuche passend zu den eigenen Behandlungskonzepten zu kanalisieren,

* Patientengespräche verlaufen zunehmend dialogorientierter und erfordern jetzt Verhandlungsgeschick, hier müssen Ärzte „nachrüsten", um mit Hilfe entsprechender Gesprächstechniken auch ihr Timing der Patienten-Kontakte in den Griff zu bekommen,

* Fragen von Patienten sind keine Angriffe, sondern signalisieren einen Informations-Bedarf, der positiv zu betrachten ist, denn an diesen Stellen kann gezielt nachgebessert, die eigene Kompetenz unterstrichen und eine eindeutige Abgrenzung zu Internetquellen vorgenommen werden.

Die meisten Ärzte stellen diese Entwicklungen vor völlig neue Situationen,

sowohl im Hinblick auf ihr Selbstverständnis als auch in Bezug auf ihren Umgang mit dieser Veränderung. Bislang hatten sie die medizinische Versorgung in der Hand. Nun müssen sie umdenken, denn Patienten schalten vom ihrem bisherigen Akzeptanz- in einen Anforderungs-Modus. Konkret bedeutet das für das Arzt-Patienten-Verhältnis, dass Ärzte

* einen Kompetenzaufbau für ihre Leistungen betreiben müssen und gezwungen sind

* Verhandlungs-Strategien zu entwickeln, um dem steigenden Kommunikationsbedarf zu begegnen, der aus den vielen Informationen erwächst, die Digital-Lösungen bieten und

* ihre therapeutischen Überzeugungen gegen Internet-basierte und Tracking-gestützte Informationen durchzusetzen.

Roadmap für die Digitalisierung der Arztpraxis

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©Klaus-Dieter Thill / IFABS Diesen Beitrag zitieren

Thill, Klaus-Dieter: (Titel), IFABS: BENCHMARK!, (Publikations-Datum des Beitrags)

Bildnachweis

IFABS Photo-Edition, erhältlich bei EYEEM und GETTY IMAGES

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