Katja Edelmann

Freie Redakteurin. Kommunikationswirtin (FH), Speyer (Rhein-Neckar)

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Mehrheit hat eigenes Handy zwischen zehn und zwölf

Speyerer Lehrer wünschen sich mehr Wissen über Apps für den Unterricht

Netzwerk Kindeswohl und Kindergesundheit diskutiert über Medienkonsum - Ideen für Einsatz von Apps an Kindergärten und Schulen


Fachkräfte aus 50 Speyerer Kitas, Schulen und sozialen Institutionen nahmen am Donnerstag an der städtischen Netzwerkkonferenz Kindeswohl und Kindergesundheit teil. Sie erfuhren unter anderem, wie Kinder und Jugendliche heute Medien nutzen und welche medienpädagogischen Angebote es vor Ort gibt.


Theresa Reutter vom Medienpädagogischen Forschungsverbund Südwest stellte repräsentative Ergebnisse dazu vor, wie Kinder und Familien in der Bundesrepublik Medien nutzen. Das Publikum staunte darüber, dass laut der Studie „Kindheit Internet Medien (KIM)" von 2016 mehr als ein Drittel der Sechs- bis 13-Jährigen einen Fernseher im Zimmer habe. Zudem besitze die Hälfte der Kinder in der Altersgruppe ein Handy oder Smartphone. Zwischen zehn und zwölf Jahren erhöhe sich die Quote auf drei Viertel. Tägliches Lieblingsmedium sei das Fernsehgerät. Es folgen Handy und Internet. Abgeschlagen: das Buch. Nur jedes siebte Kind nimmt es laut Studie täglich zur Hand. Ähnlich viele Kinder lesen nie. Ab 13 Jahren sinkt die Begeisterung für Bücher stark.


Vorlesen fördert Wortschatz und Lesekompetenz

Kerstin Bürger von der Stadtbibliothek Speyer schärfte in einem Workshop den Blick auf die Lesekompetenz. „Es gibt in Deutschland eine immer größere Schere zwischen Kindern, denen die Eltern vorlesen, und denen, die es nicht tun. Wer viel mit den Kindern spricht und vorliest, füllt den Wortschatz, begeistert das Kind für Wörter und verbringt gemeinsam wertvolle Zeit", sagt Bürger. Wichtig sei, die Kinder kontinuierlich zu motivieren: „Lesekompetenz ist für die digitale Gesellschaft unerlässlich."


Die Rolle der Eltern beleuchtete die Studie „Familie Interaktion Mediennutzung (FIM", die Forscherin Reutter ebenfalls vorstellte. Laut FIM-Studie 2016 verbrachten Eltern und Kinder die meiste gemeinsame Medienzeit vor dem Fernseher, beim Radio- und Musikhören. Allerdings saß demnach mehr als die Hälfte der Kinder teilweise allein vor dem Fernsehgerät, bei Spielen und im Internet. Das hielten die Fachkräfte im Publikum und Reutter für kritisch: „Dann ist kein Gespräch über die Inhalte möglich."


Medien in Unterricht integrieren

Ein weiteres Ergebnis: Je älter die Kinder werden, desto weniger medienkompetent fühlen sich die Eltern. Viele Speyerer Fachkräfte interessierten sich für Daten zur Mediennutzung an Schulen sowie die Einstellung der Referentin dazu. „Es gibt keine ausreichenden Daten. Aus meiner Sicht macht es keinen Sinn, digitale Medien - ob mitgebrachte oder welche von der Schule - aus dem Unterricht herauszuhalten", so Reutter. In anschließenden Workshops beschäftigten sich die Teilnehmer unter anderem mit der Tablet-Nutzung in der Kita und Grundschule.

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