1 subscription and 3 subscribers
Article

10 Jahre Kneipenquartett

Die Mata Hari Bar gibt es seit 1994 und hat trotz ihrer Winzigkeit eine Theke von 7,5 Metern Länge, über die sie 312 verschiedene Getränke reichen kann. Auf 22 beschränkt sich die Schankwirtschaft Schanzenbräu, die es seit 2008 gibt und deren Theke überschaubare 2 Meter misst, das Bier dafür nur 3,10 Euro kostet. Im Friendly Bartender gibt es 580 Getränke und Bier für 2,90 Euro, wogegen es das 1987 eröffnete Mach1 nicht nur auf ein stolzes Alter, sondern einen mit 5 Euro ebenso stolzen Bierpreis und eine mit 52 Meter nicht minder stolze Theke bringt. Wer am Ende in welcher Kategorie gewinnt, das wissen seit zehn Jahren Fans des „Kneipenquartetts“.

Mit dem bereichern seit 2009 Daniel Pohl und Markus Weber die hiesige Szene. Und haben sich zum Jubiläum was ganz Neues ausgedacht: eine Kneipentour. Die, so berichten die beiden Initiatoren, habe man versuchsweise bei den letzten Stadtverführungen angeboten, wo sie schneller ausgebucht war als einer „Prosit“ sagen kann; eine 80-jährige Dame habe, berichtet man, sogleich begeistert Kneipentipps für die Enkelin gesammelt. Eine weitere veritable Schnapsidee, die die beiden Nürnberger ersonnen und zum Erfolg geführt haben. Denn genau so begann vor 15 Jahren auch die Geschichte des Kneipenquartetts. „Wir saßen zusammen in einer Bar und haben uns über die Spiele unserer Jugend unterhalten“, berichtet Daniel Pohl. Der 45-jährige Jurist und sein mediengestaltender Kompagnon sehnten sich nach zeitgemäßer Quartett-Bespaßung, und was liegt da näher, als sich statt Fußball und Matchbox-Autos mit der aktuellen Interessenslage auseinanderzusetzen? Die Idee war geboren, und fünf Jahre später auch vollzogen. Je 32 Kneipen, Restaurants und Diskotheken finden seitdem Jahr für Jahr ihren Platz in dem Kartenspiel, das praktischerweise im abendtauglichen Hand- und Hosentaschenformat daherkommt. Denn es stets mit sich zu tragen bringt allerlei Vorteile mit sich. „Wie wollen Nürnbergern wie Touristen gern die Gastro-Szene näher und sie auf neue Ideen bringen“, so Markus Weber (48), ein Minikneipenführer also, der über allerlei Information wie die nächstgelegene ÖPNV-Haltestelle, ein Laden-Foto und eine Superkurzbeschreibung noch über einen ganz besonderen Anreiz verfügt: Wer ein bisschen genauer hinschaut, entdeckt unten auf der Spielkarte, dass die gleichzeitig als Gutschein funktioniert. Im Balkon gibt’s 2für1 auf Herrengedeck, im WurstDurst das nächtliche Dreierlei aus Currywurst, Pommes und Bier für schmale 4,90 Euro. Für die nicht minder schmalen 9,99 Euro, für die alljährlich 2000 der Quartette über die Verkaufstheken gehen (neben den beteiligten Gastronomien gibt’s das Spiel auch im Großbuchhandel) erhält man so mal eben schnell knapp 150 Euro an Vergünstigungen. Das freut den nicht nur die Nürnberger, sondern seit einigen Jahren auch Spiel- und Experimentierfreudige in Erlangen und Würzburg mit ihren eigenen Quartetten. Wozu also noch eine Kneipentour? „Wir wurden immer wieder darauf angesprochen“, so die Erfinder, und dann habe man das halt einmal probiert. Es gehe darum, Leute zusammenzubringen, einen spaßigen Abend zu haben und vor allem „Insider-Geschichten aus der Gastronomie zu erfahren.“ Denn neben Stärkung und Getränke gibt’s in jedem Laden nicht nur Gespräche und Anekdoten von und mit Daniel Pohl und Markus Weber, sondern vor allem Wissen aus erster Hand. So berichtet Oli Klade, der Friendly Bartender, vom früheren Leben als Burgkauz und reicht selbstgebrauten Limes, so klärt Stephan Schulz darüber auf, dass Mata Hari nicht ursächlich eine Kneipe, sondern eine Spionage-Legende war, während den Gästen der frisch erwärmte Doppelbock gereicht wird. Vier Stationen umfasst die Altstadt-Tour, die einmal im Quartal angeboten werden soll. Weitere Touren durch andere Viertel sind in Planung.

Kneipenquartett Kneipentour am Donnerstag, 31. Januar 2019, 19.30 Uhr, Treffpunkt Sebalder Platz, Jubiläumspreis 19,95 Euro, Infos und Anmeldung unter facebook.com/kneipenquartett2016/ oder kneipen-quartett@gmx.de