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Tunesisches Hotel sperrt Urlauber aus Kiel aus Zimmer aus

Niklas N. erlebt mit seiner Freundin und seinem Bruder einen Urlaub der anderen Art in Tunesien. Das Hotel will Geld von ihnen sehen - obwohl die Reise bezahlt sein soll. Jetzt wurden die Urlauber aus dem Hotelzimmer ausgesperrt. Quelle: Niklas N.

Der Urlaub in Tunesien - er hätte so schön werden können. Doch drei Kieler erleben gerade den Horror. Ihr Hotel hat sie aus den Zimmern ausgesperrt und fordert nun Geld von ihnen - obwohl der zu Thomas Cook gehörende Reisekonzern Bucher Reisen die Summe bereits überwiesen haben will. Am Nachmittag gab es ein Happy End.

„Wir können nicht mehr ins Hotelzimmer. Wir sollen Geld bezahlen. Die lassen sich auf gar nichts ein“, berichtet Niklas N. aus seinem Urlaub in Tunesien. Mit vollem Namen möchte der 23-jährige Kieler nicht genannt werden - aus Angst davor, dass die Lage noch schlimmer wird.

Gemeinsam mit seiner Freundin und seinem Bruder hatte er sich auf den zehntägigen Urlaub in Hammamet an der tunesischen Küste gefreut. Anfang 2019 hatten die drei auf der Vergleichswebsite „Check24 Reisen“ die Pauschalreise über den Reisekonzern Bucher Reisen gebucht, der zur Thomas Cook-Kette gehört.

Kieler Urlauber sitzen nach Thomas-Cook-Insolvenz fest

Doch mit der Insolvenz des britischen Touristikriesen Thomas Cook kam alles anders: Am Montagmorgen war bekannt geworden, dass das Unternehmen nach dem Scheitern eines Rettungsplans Insolvenz anmelden muss. Etwa 150000 Urlauber saßen vorübergehend in ihren Urlaubsorten fest – für viele andere war der Urlaub zu Ende, bevor er überhaupt angefangen hatte.

Von der Pleite der britischen Muttergesellschaft war auch der eigentlich profitabel arbeitende deutsche Ferienflieger Condor betroffen. Deshalb soll Condor jetzt mit Finanzhilfe vom Staat gerettet werden – Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sagte am Dienstagabend von der staatlichen Förderbank KfW einen Überbrückungskredit in Höhe von 380 Millionen Euro zu. Auch die deutsche Thomas Cook GmbH hatte bis Mittwochmorgen um ihr Überleben gekämpft.

Ehepaar aus Raisdorf sitzt auf Mallorca fest

Auch ein älteres Ehepaar aus Raisdorf ist von der Pleite betroffen: Karin und Rolf Borchers sitzen in Cala Millor auf der Insel Mallorca (Spanien) fest. „Es gibt keinerlei Hilfe, auch nicht durch die Reiseleiterin. Wir wurden am Montag, wie viele andere auch, vom Hotelpersonal freundlich aufgefordert, unseren weiteren Aufenthalt aus eigener Tasche zu bezahlen. Das sind 1846 Euro“, berichtet Karin Borchers.

Ihre Schlüsselkarten seien auch gesperrt worden, weshalb sie zwischenzeitlich wirklich „auf der Straße“ gestanden hätten. „Da wir bis zum 4. Oktober bleiben wollten und wollen, haben wir das Geld bezahlt“, sagt die 68-Jährige. Sie können nun in ihrem Hotel bleiben – fragen sich aber, was die Urlauber machen, die nicht spontan die geforderte Summe aufbringen können.

Kieler kamen in der Nacht an, am Nachmittag begannen die Probleme

Die drei Reisenden aus Kiel sind diesen Montag um zwei Uhr nachts in ihrem Hotel in Hammamet (Tunesien) angekommen, am Montagnachmittag gegen 17 Uhr deutete das Hotel erstmals an, dass etwas nicht in Ordnung sei – man solle erst einmal einen Tag abwarten. Am Dienstag sollte ein Ansprechpartner des Reiseveranstalters vor Ort ins Hotel kommen - doch zu den zwei vereinbarten Uhrzeiten war er nicht erschienen.

Laut der Website des Reisekonzerns Thomas Cook hätte aber genau dieser Reiseveranstalter vor Ort Antworten parat, erklärt N. gegenüber KN-online. Als die drei Kieler in der Hotellobby auf den Reiseveranstalter warteten und N. noch einmal auf sein Zimmer wollte, funktioniert die Zimmerkarte auf einmal nicht mehr: Sie wurde laut N. vom Hotel gesperrt.

Zimmer gesperrt - Hotel will Geld von Reisenden aus Kiel

Aus Sicht des tunesischen Hotels seien die deutschen Urlauber umsonst da, müssten wegen der Insolvenz von Thomas Cook die Urlaubskosten direkt an das Hotel zahlen – da die Unterkunft kein Geld erhalten habe. Doch N. sagt: „Wir haben für unseren Urlaub bezahlt. Und auch Bucher Reisen sagt, dass das Hotel das Geld erhalten hat.“

Zudem habe Bucher Reisen am Dienstag an alle Hotels, die von ihnen vermittelte Gäste beherbergen, eine Rundmail geschickt, um klarzustellen, dass die deutschen Urlauber von der Insolvenz noch nicht betroffen seien. Erst am Mittwochmorgen hat die deutsche Thomas Cook GmbH Insolvenz angemeldet.

„Wenn wir zu 100 Prozent wissen, dass auch das deutsche Unternehmen pleite ist, zahlen wir auch. Dann hätten wir einen Anspruch durch den Sicherheitsschutz, dass wir das Geld wiederbekommen“, sagte N. noch am Dienstagabend. Würden sie zahlen, solange dies nicht geklärt sei, wäre das Geld einfach weg.

Sind Kommunikationsprobleme schuld an dem Urlaubshorror?

„Die Kommunikation zwischen Gast und Hotel ist sehr schlecht. Vielleicht handelt es sich bei dem ganzen um ein sprachliches Problem. Das Englisch der Mitarbeiter ist sehr schlecht“, sagt N.. Aus seiner Sicht geht es bei den gesperrten Zimmerkarten um ein „reines unter Druck setzen“ – denn das Absurde sei, dass die drei weiterhin alle Angebote auf der Hotelanlage nutzen dürften. Am Dienstag konnten sie unter Begleitung des Hotelpersonals kurz in ihr Zimmer, um die wichtigsten Gegenstände zu holen.

N. klagte am Dienstagabend: „Das setzt uns total unter Druck. Keiner hilft uns. Selbst die deutsche Botschaft nicht.“ Dort habe man ihm gesagt, dass Thomas Cook in Großbritannien Insolvenz angemeldet habe und nicht in Deutschland. Doch gerade das würde das Hotel nicht akzeptieren. Mittlerweile, am Mittwochmorgen, hätte die Botschaft ihnen zugesichert, dass „ab jetzt die Versicherung greift“.

Die anderen deutschen Urlauber habe es nicht ganz so schlimm getroffen: Auch sie seien mit der Forderung konfrontiert worden, den gesamten Urlaub vor Ort bezahlen zu müssen. Aber wenigstens hätten die noch Zutritt zu ihrem Zimmer. Die vergangene Nacht haben die drei auf der Hotelanlage und am Strand verbracht, sich da und dort mal hingelegt und versucht zu schlafen: „Sonst konnten wir ja nichts machen.“

Ende gut - alles gut?

Am späten Mittwochnachmittag gab es dann die Wende: Die Zurich-Versicherung hat den Aufenthalt der drei Kieler bezahlt. "Wir haben unsere Zimmerkarte wieder", sagt Niklas N. - der restliche Urlaub könnte jetzt entspannter werden.

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