Katharina Feißt

Multimedia-Redakteurin, Stuttgart

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Equal Pay Day am 18. März: Lohnunterschied in BW besonders groß | Baden-Württemberg | SWR Aktuell

Geldbeutel

Am Sonntag ist Equal Pay Day. Zwar ist der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen in Baden-Württemberg kleiner geworden, dennoch steht das Land im bundesweiten Vergleich schlecht da.

Männer verdienen im Schnitt in Baden-Württemberg immer noch 5,58 Euro mehr pro Stunde als Frauen in Vollzeitbeschäftigung. Das teilte das Statistische Landesamt in Stuttgart anlässlich des Equal Pay Days am 18. März mit. Demnach war der "Gender Pay Gap" 2017 in Baden-Württemberg erneut größer als in anderen Bundesländern.

Den Berechnungen zufolge erhielt ein Vollzeitbeschäftigter 2017 in Baden-Württemberg im Schnitt 25,60 Euro brutto pro Stunde, eine Arbeitnehmerin in Vollzeit hingegen nur 20,02 Euro. Das Entgelt für Frauen sei damit im Schnitt um 21,8 Prozent geringer als das der männlichen Kollegen. Grundlage für die Zahlen sind Erhebungen über alle Berufe, Branchen und die jeweilige Qualifizierung der Beschäftigten hinweg. Würden gleiche Berufe und Qualifikationen miteinander verglichen, fiele die Verdienstlücke demnach kleiner aus.

BW im bundesweiten Vergleich Spitzenreiter

Diese Zahlen berücksichtigen allerdings nur Vollzeitbeschäftigte. Frauen sind aber nach wie vor häufiger als Teilzeitkraft oder geringfügig beschäftigt. Wenn man das berücksichtigt, beträgt der Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern im Jahr 2017 sogar 27 Prozent. Damit liegt Baden-Württemberg bundesweit an der Spitze.

Ein Sprecher des Statistischen Landesamtes erklärte dies damit, dass es in Baden-Württemberg besonders viele Betriebe in der Metall- und Elektroindustrie gibt. In diesen gut bezahlten Jobs seien vor allem Männer tätig, Frauen dagegen in deutlich schlechter bezahlten Bereichen wie etwa im Einzelhandel.

Frauenberufe bei gleichen Anforderungen schlechter bezahlt

Dass die Anforderungen und Belastungen in typischen Frauenberufen aber durchaus mit typischen Männerberufen vergleichbar sind und dennoch geringer entlohnt werden, zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie der Universität Duisburg-Essen und der in Düsseldorf ansässigen gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Forscherinnen beider Institutionen haben den sogenannten Comparable Worth Index (CW) entwickelt. Er berücksichtige bei der Arbeitsbewertung nicht nur Wissen und Können, sondern auch die Verantwortung für andere Menschen sowie psycho-soziale und physische Anforderungen. Dadurch könnten die Profile in Berufen geschlechtsneutral verglichen werden.

"Hier können wir erstmals statistisch nachweisen, dass weibliche Erwerbsarbeit von systematischen Abwertungen betroffen ist", sagte die beteiligte Sozialwissenschaftlerin Sarah Lillemeier. So gleichen nach dem CW-Index zum Beispiel die beruflichen Anforderungen und Belastungen von Ingenieuren in etwa denen von Erzieherinnen und Grundschullehrerinnen. Während Ingenieure im Schnitt aber rund 30 Euro brutto pro Stunde erhalten, verdienen Pädagoginnen durchschnittlich nur 18.

Recht auf Gehaltstransparenz noch recht unbekannt

Um den Lohn zwischen Frauen und Männern für vergleichbare Tätigkeit innerhalb eines Betriebes zu vergleichen, ist zum Jahreswechsel das Gesetz zur Entgelttransparenz in Kraft getreten. Es soll für mehr Gerechtigkeit sorgen. Nach einer Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) mit Sitz in Stuttgart ist das neue Gesetz aber noch recht unbekannt. Demnach hat bislang nur eine Minderheit von 45 Prozent der Beschäftigten überhaupt von den neuen Möglichkeiten zum Lohnvergleich gehört.

Frauen zeigten sich mit 40 Prozent weniger informiert als die Männer, von denen 52 Prozent schon von dem Gesetz gehört hatten. "Gerade die geringere Kenntnis der weiblichen Angestellten verwundert aufgrund der aktuellen Gleichberechtigungsdebatte, die auch die gerechtere Entlohnung von Frauen thematisiert", kommentierte der EY-Vergütungsexperte Henning Curti.

In der Umfrage hegten 51 Prozent der Frauen den Verdacht, im eigenen Unternehmen schlechter bezahlt zu werden als männliche Kollegen. Die neuen Auskunftsrechte will aber nur jeder achte Umfrageteilnehmer aktiv nutzen. Ein Drittel der Mitarbeiter, die nicht aktiv werden wollen, rechnet damit, dass sich daraus Nachteile für sie ergeben würden.

Stand: 18.3.2018, 6.00 Uhr

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