Gerd Blank

Journalist, Autor, Redakteur, Hamburg

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Hier spielt die Musik!

Berlin ist die politische Hauptstadt Deutschlands, Hamburg ist aber ganz klar die musikalische. Auf den unzähligen Bühnen der Hansestadt gibt es jeden Tag was auf die Ohren - und das hat Tradition. Ein Blick zurück macht zudem Lust auf die Zukunft, denn die Musik ist hier noch lange nicht vorbei.

Musik gehört zu Hamburg wie Struppi zu Tim. Damit sind nicht nur Shanty-Chöre oder die Finkwarder Speeldeel gemeint - auch wenn deren Musik für weitere Noten in der hanseatischen Partitur sorgt. Nein, es geht um Beats und Taktstöcke, um Musicals und Opern, um Rock'n'Roll, Schlager und Jazz. Und auch um die " Hamburger Schule": Unter dieser Bezeichnung entstand Ende der 1980er Jahre eine lose Musikbewegung mit überregional bekannten Acts wie Bernd Begemann, Jeremy Days, Blumfeld, Die Sterne oder Tocotronic. Hamburg war musikalisch ein Vorbild, wieder einmal. Denn immer wieder entstehen hier Klänge und Sounds, die bis dahin in Deutschland noch nicht gehört wurden.

Am Anfang großer Karrieren

Bekanntestes Beispiel: der Star Club. Er gehörte in den 1960ern sicher zu den wichtigsten Spielorten für neue Musik in der damals noch jungen Bundesrepublik. Die Beatles spielten hier, Jimi Hendrix, Bill Haley oder Achim Reichel standen hier auf der Bühne. Doch auch wenn noch immer nostalgisch verklärt über den besten Club der Welt gesprochen wird, war es nur einer von vielen Bühnen in Hamburg. Die Hansestadt hatte den Beat, viele Musiker begannen hier ihre großen Karrieren - wie zum Beispiel Freddy Quinn. Kurz vor seinem Durchbruch sang er nur mit seiner Gitarre bewaffnet noch in der Washington Bar für ein paar Getränke.

Und heute? Livemusik ist in Hamburg populärer denn je. Große und kleine Bühnen locken jeden Tag Tausende Musikfans in die Hallen. Die Bandbreite reicht von Clubkonzerten bis zu Stadionauftritten internationaler Megastars. Einen guten Überblick über die wichtigsten Bühnen der Stadt bekommt man übrigens, wenn man die beiden Stadtfestivals Elbjazz und Reeperbahn-Festival besucht, bei denen die Konzerte auf unzähligen Bühnen in der Stadt stattfinden.

Oder man geht in die Einkaufsstraßen, wo vor allem im Sommer immer wieder talentierte Musiker ihre Songs zum Besten geben und echte Perlen zu entdecken sind. Übrigens: Auch die Kelly Family spielte am Anfang ihrer Karriere auf den Straßen Hamburgs - und man weiß ja, wie erfolgreich die musikalische Familie geworden ist und welch breites Repertoire ihre Mitglieder heute in alle Welt tragen.

Stars wie du und ich

Hamburg ist auch ein gutes Zuhause für Musiker, denn bei uns im Norden kennt man keinen Starkult. Die Mitglieder von Beginner, Fettes Brot oder Deichkind können hier unbehelligt einkaufen gehen, Udo Lindenberg lebt nach wie vor ganz gediegen im Hotel Atlantic an der Alster. Und immer dann, wenn diese Künstler wieder auf Tournee sind, ist ein Auftritt auf Hamburgs Bühnen ein echtes Heimspiel vor ausverkaufter Kulisse. Tickets zu ergattern, ist dann manchmal gar nicht so leicht. Gute Anlaufstellen sind das Kartenhaus in der Schanze oder die Theaterkasse Schumacher in der City. Auf Facebook gibt es zudem die Gruppen Ticketbörse Hamburg und Fairverkauf Hamburg, wo immer wieder Karten für bereits ausverkaufte Konzerte zum regulären Preis angeboten werden.

Aber warum immer nur zuhören? Denn natürlich bietet Hamburg tolle Möglichkeiten, selbst zum Instrument zu greifen und die eigene Karriere zu starten. Instrumente und Mikrofone gibt es zum Beispiel im Musik Markt Hamburg oder, wenn es ein Klavier sein soll, im Pianohaus Trübger. Eine eigene Website gibt außerdem eine gute Übersicht über Übungsräume in Hamburg, damit für den nächsten Auftritt alles sitzt. Und wenn es statt einer Band ein Chor sein soll, gibt es viele Möglichkeiten, sein Können bei einem Vorsingen unter Beweis zu stellen - zum Beispiel beim Hamburger Kneipenchor oder den Hamburger Goldkehlchen.

Das hört sich doch gut an, oder?

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