Gerd Blank

Journalist, Autor, Redakteur, Hamburg

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Das Ticket für mehr Service im Zug

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Welche Herausforderungen gab es?

Tatjana Söder: Es mussten zum Beispiel Gruppen oder Familien eingebucht werden. Bei der ersten Testfahrt musste hier noch jede Person einzeln erfasst werden. Das ist sehr zeitaufwendig. Auch wenn jeder dieser Fälle für sich schnell zu beheben ist, summiert sich das natürlich. Die Entwickler haben daraufhin diesen Vorgang verbessert. Schon bei der zweiten Testfahrt konnten durch längeres Gedrückthalten der Sitzplatzposition auf dem Tablet die Selektion weiterer Sitzplätze aktiviert und so gleich mehrere Personen in einem Ticket-Buchungsvorgang erfasst werden.

Funktionierte alles reibungslos?

Christian Dünkel: Nein, und das ist gut so, denn nur so erhält man wichtige Erkenntnisse. Die schlechte Funkverbindung führte zum Beispiel bei der ersten Testfahrt zu Schwierigkeiten, die erfassten Daten an das Backend zu senden und Aktualisierungen der Daten vom Backend zu beziehen. Diese konnten bei der zweiten Testfahrt durch Änderungen im Ablauf des Datenaustausches behoben werden. Bei dieser Testfahrt erkannten wir nach dem Halt in Stendal bei der Zweitkontrolle ein Problem: Drei Einbuchungen in RiSpE waren verschwunden. Die Fahrgäste saßen noch im Zug, RiSpE meldete, die Sitze seien frei. Auch diesen Fehler in der Verbindung zur Reiseauskunft konnten wir im Nachgang schnell beheben.

Inwieweit erleichtert RiSpE die Arbeit vor Ort?

Tatjana Söder: Beim IRE Berlin-Hamburg gibt es keine automatische Reisendenerfassung, wie man es aus dem Nahverkehr kennt. Die Fahrgastzahlen werden manuell von den Kundenbetreuern erfasst. Solche manuellen Fahrgasterhebungen würden mit RiSpE wegfallen, wodurch mehr Zeit für den Fahrgast bleibt. Den größten Mehrwert sehe ich darin, dass der Reiseweg kundenorientiert erfasst werden kann. Das ist zum Beispiel bei Verspätung eines Zuges sehr praktisch. Mit RiSpE gäbe es die Information darüber, wie viele Passagiere an Bord sind, die noch einen Anschluss erreichen müssen. Der Anschlusszug würde entsprechend informiert werden und könnte wenn möglich warten. Zudem wird der sitzplatzgenaue Kontrollstand bei einem Personalwechsel an das neue Zugteam übergeben. Dadurch entfällt eine - für den Fahrgast ohnehin nicht verständliche - Zweitkontrolle.

Bringt der Einsatz von RiSpE auch finanzielle Vorteile?

Christian Dünkel: Auf jeden Fall. Wir haben dafür einen Business-Case erstellt. Bei der herkömmlichen Fahrkartenkontrolle werden immer wieder Graufahrer übersehen. Diese Fahrgäste kennen die Kontrollgewohnheiten und die Zugauslastung auf den von ihnen befahrenen Strecken und entziehen sich ganz bewusst den Kontrollen. Vorsichtig gerechnet liegt der daraus resultierende Verlust im Bereich von mehr als vier Millionen Euro pro Jahr. Mit RiSpE wird der Sitzplatz automatisch und visuell als „zu kontrollieren" angezeigt. Graufahrer haben geringe Chancen, unkontrolliert zu bleiben. Der Verlust für die DB könnte deutlich reduziert werden. Auch wenn für uns der Service am Kunden im Vordergrund steht: Das Geld liegt auf der Schiene, und mit RiSpE können wir einen Teil davon einsammeln.

Wie geht es mit RiSpE weiter?

Christian Dünkel: Aktuell stellen wir den Service bei mehreren Veranstaltungen vor. Mit der Teilnahme des Teams am Hackathon „Drei-Länder-Hack DB - ÖBB - SBB" in Wien konnten wir nicht nur neue Ideen entwickeln und Erfahrungen sammeln, sondern auch mit RiSpE das Interesse vieler Teilnehmer wecken und wichtige Kontakte knüpfen. Die Teilnehmer der SBB und der ÖBB haben auf Anhieb die wirtschaftlichen Aspekte von RiSpE erkannt und ihre Zusammenarbeit angeboten. Erste Anpassungen für RiSpE wurden mit einem Kollegen der SBB im Team entwickelt. Unser Wunsch ist es, mit Testfahrten in Zügen der SBB und der ÖBB weitere Erfahrungen zu gewinnen und diese mit den Kollegen auszutauschen.

Vielen Dank für das Gespräch.
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