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Emelie rennt

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"Die fabelhafte Welt der Emelie" – laufen, rennen, siegen. So sieht der Kosmos von Emelie Forsberg aus.

Die Schwedin Emelie Forsberg ist Profi-Trailläuferin und Skimountaineering-Champion. Sie gilt als Überfliegerin mit Dauer-Abo auf's Siegertreppchen. Im Gespräch über Berglauf, Backen und Broccoli zeigt sie sich umso bodenständiger.

Was ich mache? Ich renne. Laufen, das ist meine Arbeit. Seit 2009 nehme ich an offiziellen

Wettbewerben teil, habe viele Rekorde erzielt, in ganz Europa und weltweit. Rund 50 Platzierungen habe ich erkämpft, im Sommer bei Alpin-, Sky- oder Trailrunnings und seit Winter 2012 außerdem bei Skibergsteigen-Rennen. Ebenfalls seit 2012 laufe ich für das Salomon Team.


Ich wurde im Dezember 1986 geboren und bin 1,63 Meter groß. Was mich motiviert und am Laufen hält? Ich liebe es einfach. Laufen ist eine einfache Methode, Dich überallhin zu bewegen. Ob Uphill, Downhill, Trails oder Verticals, ich habe keine Lieblingsdisziplin, denn jede hat ihren eigenen Charme. Bei kurzen Rennen musst Du schon von Beginn an pushen, bei Marathons geht es ums Durchhalten. Aber eigentlich geht es darum, den eigenen Körper zu kennen und auszutesten, wozu er fähig ist. Das ist der Gewinn. Ich laufe 10 Kilometer in 36 Minuten. Oder 160 Kilometer inklusive 10.000 Höhenmetern in 30 Stunden. Oder in acht Stunden auf den Mont Blanc. Derzeit trainiere ich 15 bis 20 Stunden die Woche. Ich renne die Berge hinauf und hinunter. Manche finden vor allem das Abwärtslaufen halsbrecherisch. Ob ich bestimmte Sturztechniken beherrsche? Nein, ich denke mehr ans Laufen als ans Fallen. Darauf konzentriere ich mich. Ich fühle mich in allen Terrains wohl. Nur zweimal habe ich mich verletzt, zuletzt 2016 bei einem Skitourenrennen das Kreuzband gerissen. Das war schlimm für mich.


Zu gewinnen, das ist dabei nur Teil der Motivation. Den Sieg davonzutragen ist ein konkretes Ziel, aber nicht das größte. Über allem steht, an meiner Leistungsfähigkeit zu arbeiten, ein Rennen ist da nur ein Teil davon. Mentaltraining mache ich nicht. Ich habe einfach ein klares Bild, was ich erreichen will. Ich habe schon als Kind spielerisch mit Laufen, Trekken und Orientierungslauf begonnen. Seit einigen Jahren lebe und trainiere ich zusammen mit meinem Freund, dem spanischen Bergläufer Kílian Jornet. Wir sind uns auf einem Sportevent begegnet. Ob wir uns gegenseitig motivieren? Vor allem trainieren wir gemeinsam, das ist wichtig, wenn man Athlet ist.


Wie ich mich und meine Persönlichkeit beschreiben würde? Ich bin optimistisch! Ich sehe die Dinge von der guten Seite, blende die schlechten aus. Ich bin fokussiert. Und ja, es kann durchaus schwer sein, mich von einer einmal gefassten Meinung abzubringen. Ob ich ehrgeizig bin? Auf eine gewisse Weise, ja! Ich arbeite hart. Aber es ist ja meine Entscheidung. Wir alle haben die Wahl, was wir tun wollen, immer und jederzeit. Ein ganzes Leben lang.


Was der Gewinn beim Laufen ist? Er besteht aus vielen Dingen. Wer ständig übt und trainiert, fühlt sich wohl in seinem Körper, ist happy und relaxt. Du musst lieben, was du tust. Als Ausgleich mache ich Yoga, habe in Indien am Fluss Ganges eine Ausbildung gemacht. Aktuell übe ich hie und da, so eine Viertelstunde am Tag. Yoga und Stretching macht dich leicht und frei, verbindet Geist und Seele. Es zieht dich in den Moment hinein, das fasziniert mich.


2016 sind wir von Montroc bei Chamonix nach Måndalen in Norwegen gezogen, in ein kleines Haus am Fjord, umgeben von Wasser und Bergen. Warum? Klar, ich liebe die Alpen, sie sind supercool! Aber es gibt dort keine echte Wildnis mehr. Ich stamme aus der schwedischen Provinz Västernorrland und hab die nordisch-wilden Berge vermisst, wo keine Restaurants auf dem Gipfel stehen. Außerdem habe ich hier in Norwegen meinen Garten, wo ich Gemüse pflanze. Bohnen und Rote Bete, Kürbis, Rettich, Salat und Blumenkohl. Ich arbeite einfach gern mit den Händen, will den Boden berühren und wissen, wo die Dinge herkommen. Das ist auch ein Gewinn. Sich zumindest zum Teil selbstständig versorgen zu können, ist ein Traum von mir.


Ich bin Vegetarierin, liebe meinen morgendlichen Kaffee und vor allem Kuchen. Zimtrollen, Schokoladenkuchen und auch mein Brot backe ich selbst. Und vieles mehr. Im Backen hab ich sogar eine Ausbildung gemacht und eine Zeit lang als Bäckerin auf einer schwedischen Bergstation gearbeitet. Auf Social-Media-Kanälen teile ich heute meine neuen Rezepte und zeige, wie ländlich wir hier in Norwegen leben.


Ursprünglich habe ich eine Ausbildung als Förster begonnen, dann Biologie und Umweltwissenschaften in Tromsö studiert, es aber nicht beendet. Mit Kilian habe ich das jährliche Tromsö Skyrace initiiert. Meine Zukunftspläne? Mal sehen. Ich möchte auf alle Fälle etwas mit Bedeutung machen, da gibt es viele Möglichkeiten. Backen ist nur eine davon. Ich möchte weiterlernen, mein Gehirn nutzen und vielleicht nochmal auf die Schule gehen, Anatomie und Biologie studieren. Und ganz konkret: Mein nächstes Ziel ist der Ski Mountaineering Weltcup in Italien.


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