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Entwicklungsgipfel im ehemaligen Dürreland

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Ein Ziel der UN-Konferenz: Der Hunger in der Welt soll überwunden werden.


Ausgebrannte Böden und Kinderskelette: Der Jahreswechsel von 1984 auf 1985 bescherte Äthiopien eine der heftigsten Dürren in seiner Geschichte. Fehlplanungen des kommunistischen Regimes und Nahrungsmangel resultierten in den Tod einer Million Menschen. Das Benefiz-Konzert Live Aid („We Are The World“) machte die ostafrikanische Nation nachhaltig als hitzegeplagtes Hungerland in der ganzen Welt bekannt.


Heute ist Äthiopien ein stabiler Staat mit einer der am schnellsten wachsenden Wirtschaften auf dem Kontinent. Ihr neues Ansehen will die Regierung jetzt auch mit der übrigen Welt teilen: Zu der internationalen Konferenz, die sich der Finanzierung von nachhaltiger Entwicklung widmet, werden zahlreiche Staats- und Regierungschefs aus der ganzen Welt erwartet. Am Montag startete die Konferenz in der Hauptstadt Addis Abeba.


„Financing for Development" (FFD) ist bereits der dritte Gipfel seiner Art, zum ersten Mal ist ein afrikanisches Land der Gastgeber. Der Kontinent beherbergt 33 der 54 am wenigsten entwickelten Staaten, wie der kenianische Radiosender CapitalFM berichtete. Doch auch für die restliche Staatengemeinschaft ist die Konferenz entscheidend. Nicht nur bringt sie 110 Minister sowie 30 Staatsoberhäupter mit etwa Tausend Vertretern von Konzernen und Nichtregierungsorganisationen zusammen, sie soll auch die Weichen aus der Armut hin zu einem effektiveren Klimaschutz stellen.


Im Fokus stehen die „nachhaltigen Entwicklungsziele" (SDGs) der UNO. Diese folgen den 2000 beschlossenen Millenniums-zielen, die Ende dieses Jahres auslaufen. Mit 17 einzelnen Entwicklungszielen ist das Regelwerk umfangreicher als sein Vorgängerdokument, das nur acht Einzelziele festsetzte. Erstmals vereinen die „nachhaltigen Entwicklungsziele" ein inklusives Wirtschaftswachstum mit dem Wohlergehen Einzelner und dem Klima- und Umweltschutz. Anders als in den bisherigen Entwicklungszielen formuliert, sollen die SDGs die Armut nicht nur „senken", sondern bis zum Jahr 2030 „in all ihren Formen überall beenden".


Vor allem für die am wenigsten entwickelten Länder (LDCs) sehen die neuen Entwicklungsziele weitreichende Reformen vor. Neben erhöhter Hilfe sollen auch die ausländischen Direktinvestitionen in fragilen Staaten gesteigert werden. Um die Gruppe der unterentwickelten Länder auf eigene Beinen zu stellen, wollen die Vereinten Nationen zudem deren Industrialisierung und technologischen Fähigkeiten sowie die Gleichberechtigung von Männern und Frauen vorantreiben.


Eine zusätzliche Bürde will die Weltgemeinschaft den LDCs außerdem nehmen - durch die Auslöschung von Steuerparadiesen. Jedes Jahr verlieren Entwicklungsländer mehr als 160 Milliarden US-Dollar durch illegale Transaktionen. Laut der UN-Agentur für Handel und Entwicklung (UNCTAD) übersteigt diese Summe jene der internationalen Entwicklungshilfe.

Das Gipfeltreffen von Montag bis Donnerstag bringt den Plan einen Schritt weiter. In Äthiopien wollen die Staatsoberhäupter nicht nur die praktische Umsetzung diskutieren, sondern auch die Finanzierung. „Die Konferenz schafft einen Rahmen, in dem wir nachhaltige Entwicklung in den kommenden 15 Jahren finanzieren können", so der UN-Untergeneralsekretär für Wirtschaft und Gesellschaft, Wu Hongbo. „Am Ende steht ein umfassendes Paket, das die SDGs für ihre Implementierung im September unterstützt. Der Plan wird ehrgeizig und inklusiv - niemand soll zurückgelassen werden."


Die UNO ist zuversichtlich, doch zum Zankapfel könnte sich in Addis Abeba ausgerechnet noch die in den letzten Jahren veränderte Weltordnung herausstellen. Während Entwicklungsländer die großen Industriestaaten in die finanzielle Verantwortung ziehen, fordern diese mehr Engagement von Schwellenländern - vor allem vom Staatenbund Brics, dem Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika angehören. Erst kürzlich hatten die Brics-Länder bei ihrem Gipfel-Treffen im russischen Ufa eine stärkere Kooperation vereinbart.


Viele Geberländer betrachten die Entwicklungshilfe für Schwellenstaaten als ungerechtfertigt. Sie argumentieren, diese könnten ihre Entwicklung mittlerweile nicht bloß selbst finanzieren, sondern sollten auch global ihren Beitrag leisten. 2013 hatte die britische Regierung für Aufsehen gesorgt, als sie ankündigte, Südafrika dieses Jahr nicht mehr durch Entwicklungsgelder zu fördern.


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