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Stücke mit Tiefgang

Dass Camerlohers Musik nie langweilig wird, bewiesen die Ensembles des Gymnasiums bei der Festakademie zum Geburtstag des Namensgebers. (Foto: Marco Einfeldt)

Landratsamt und Camerloher-Gymnasium würdigen mit Musik und Vorträgen den Namensgeber der Schule. Der Komponist Placidus von Camerloher hätte heuer seinen 300. Geburtstag gefeiert

Die Konzertmeisterin steht auf und stimmt mit Blick auf das Orchester ihre Violine. Immer mehr Streicher setzen ein, die Bläser kommen dazu. Wenig später geht es mit der Sinfonie C-Dur von Placidus von Camerloher richtig los: Mit diesem Werk eröffnete das Große Orchester des Camerloher-Gymnasiums die vom Landratsamt ausgerichtete Festakademie rund um den Namensgeber der Schule, der heuer 300 Jahre alt geworden wäre.

4000 Einwohner hatte Freising damals und war doch alles andere als ein Provinznest, laut Landrat Josef Hauner. Zu verdanken hat dies die Domstadt dem Komponisten Placidus von Camerloher, der, so Hauner, bereits zu Lebzeiten eine "musikalische Autorität weit über Freising hinaus" war. Auch Schulleiterin Andrea Bliese erinnert an die "Kleinodien des 18. Jahrhunderts" des heute eher unbekannten Musikers: "Die Stücke kommen leicht daher, haben aber gewaltigen Tiefgang." Das erste Mal habe sie als Elfjährige seine Musik gehört: "Ich hörte und hörte und war völlig fasziniert." Diesen Eindruck bestätigt das schuleigene Kammermusikensemble mit Charlotte von Urff (Oboe), Katharina Eglhuber (Violine), Clara Eglhuber (Violincello) und Jakob Kuen (Cembalo) bei der Triosonate B-Dur. Der helle sowie silbrige Klang des Cembalos harmoniert ideal mit der springenden und mit Trillern versehenen Melodie der Oboe.

Von Ritterakademie, Priesterweihe und Reisen mit Fürstbischof Johann Theodor bis nach Paris und Rom weiß Kreisheimatpfleger Rudolf Goerge auf publikumsgerechte Art zu berichten. Am 9. August 1718 in Murnau geboren, besucht der junge Camerloher dank Beziehungen seiner Eltern die Ettaler Ritterakademie und genießt dort eine "gediegene musikalische Ausbildung". Nach dem Theologiestudium am Jesuitenkolleg in München und der Priesterweihe wird er 1745 zum Kapellmeister von Freising ernannt. Zwei Jahre später folgt auf Drängen des Fürstbischofs der Adelstitel, sodass er eine Stelle als Kanoniker im Stift St. Veit auf halber Höhe des Weihenstephaner Berges bekommt. Noch dazu kümmert sich Camerloher am Lyceum um die Kapellknaben und den Musikunterricht. Am 21. Juli 1782 stirbt der Komponist. Sein Grab wurde in der Säkularisationszeit vernichtet, sodass heute nur eine Gedenktafel am Diözesanmuseum an ihn erinnert.

Allerneueste Forschungsergebnisse präsentiert Professor Wilfried Stroh in seinem Bericht zur Comedia Frisingana. In dieser Oper beharrt die Christliche Seele trotz Versuchen der Abgötterei im Glauben und bekommt moralische Unterstützung vom personifizierten Glauben. Die in die Rahmenhandlung eingeschobenen Chöre erzählen von Abraham und Isaak aus dem Buch Genesis. In der Münchner Universitätsbibliothek gelang dem klassischen Philologen diesen Sommer ein erstaunlicher Fund: Denn die Comedia Frisingana ist nicht, wie bisher angenommen, eine selbständige Oper, sondern nur der durchkomponierte, nicht mit eigenem Titel versehene Teil eines größeren Kunstwerks. Und statt Camerloher hat der Münchner Hoforganist Peter Joseph Lapiér die Oper verfasst.

Ein paar Monate vorweg greifen das Große Orchester und der Große Chor des Gymnasiums bei der Weihnachtskantate von Camerloher und leiten mit voller Stimmkraft auf die nächsten Vorträge über. Hermann Stuhlfelder verliert sich jedoch in seinen Partituren und redet am Publikum vorbei, woraufhin der studierte Kirchenmusiker viel Kritik einstecken muss. Sabina Lehrmann als Leiterin der Neuen Freisinger Hofmusik und Christoph Eglhuber runden den Abend inhaltlich ab und machen Lust auf die Opernaufführung der Comedia Frisingana am Wochenende. Es gilt das Motto: "Diese feinsinnige Musik wird niemals langweilig." Genau das bewiesen Sebastian Brand und Gunther Brennich, die das Programm mit ihren Ensembles in nur drei Proben nach den Sommerferien auf die Beine stellten.

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