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Reaktionen zum Mauerfall-Jubiläum: „Die größte Leistung, die auf deutschem Boden je geschehen ist"

30 Jahre nach dem Fall der Mauer kommentieren Politiker im In- und Ausland das Ereignis. Merkel ruft dazu auf, sich Rassismus und Antisemitismus entgegenzustellen.
Düsseldorf. Am 9. November 1989 fiel die Mauer. Heute - genau 30 Jahre später - äußern sich zahlreiche Politiker aus dem In- und Ausland zu dem historischen Ereignis.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dankte den Menschen in Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Polen für ihren Beitrag zum Mauerfall. „Ohne den Mut und den Freiheitswillen der Polen und Ungarn, der Tschechen und Slowaken wären die friedlichen Revolutionen in Osteuropa und die deutsche Einheit nicht möglich gewesen", sagte Steinmeier bei einer Feierlichkeit am Denkmal für die Visegrad-Staaten in Berlin, zu der auch die Staatsoberhäupter der Länder gekommen waren. Man erinnere sich heute an eine große historische Leistung, so der Bundespräsident.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nutzte das Jubiläum, um dazu aufzurufen, Hass, Rassismus und Antisemitismus entschlossen entgegenzutreten. Die Menschen sollten sich jedoch nicht entmutigen lassen, sagte sie bei einer Gedenkveranstaltung: „Keine Mauer, die Menschen ausgrenzt und Freiheit begrenzt, ist so hoch oder so breit, dass sie nicht doch durchbrochen werden kann."

Die Kanzlerin erinnerte an die Menschen, die an der Mauer getötet wurden und an die 75.000 Menschen, die in der DDR inhaftiert waren. „Ich erinnere an die, die unterdrückt wurden und ihre Träume begraben mussten", sagte sie.

CSU-Chef Markus Söder erinnerte an die Leistung der DDR-Bürger und sagte, sie hätten einen Friedensnobelpreis verdient. „Diesen Mut, diese Bereitschaft, durch viele Demonstrationen in einer völlig unsicheren Situation, ein System von innen heraus zu brechen, ist eine unglaubliche, vielleicht die größte Leistung, die auf deutschem Boden je geschehen ist", sagte Söder.

Auch Bundesaußenminister Heiko Maas bedankte sich auf Twitter bei denen, die für die Einheit protestiert hatten. „Vor dreißig Jahren fiel die Berliner Mauer. Doch sie fiel nicht einfach - sie wurde zu Fall gebracht. Sie wurde eingerissen von den vielen mutigen Menschen in Ostdeutschland, deren Hunger nach Freiheit und Gerechtigkeit stärker war als alle Zäune und Mauern. Danke!", schrieb er.

Auch Grünen-Chefin Annalena Baerbock appellierte auf Twitter: „Die Mauer hat uns einst getrennt. Heute hält sie uns vor Augen, was wir mehr brauchen denn je: Zusammenhalt."

Auch international äußerten sich Politiker zum Mauerfall-Jubiläum. Estland, Lettland und Litauen betonten in einer gemeinsamen Erklärung die Bedeutung des Mauerfalls. „Er kennzeichnete den Zusammenbruch des Reichs des Bösen auf direkteste und entschlossenste Weise - es war der Anfang vom Ende der kommunistischen Tyrannei in Europa", schrieben die Außenminister der Baltenstaaten - Urmas Reinsalu aus Estland, Edgars Rinkevics aus Lettland und Linas Linkevicius aus Litauen - in einer gemeinsamen Erklärung. „Durch den Fall der Berliner Mauer kehrten alle eingesperrten Nationen in die Familie des freien und demokratischen Europas zurück."

US-Präsident Donald Trump teilte in einer offiziellen, vom Weißen Haus veröffentlichten Erklärung mit, das Schicksal der Berliner Mauer müsse eine „Lehre für repressive Regime und Herrscher überall" sein und betonte die „gewaltigen Fortschritte" durch die Wiedervereinigung. Weiter hieß es: „Kein Eiserner Vorhang kann jemals den eisernen Willen eines Volkes zurückhalten, das entschlossen ist, frei zu sein".

Sergio Mattarella, italienischer Staatspräsident, betonte die Chancen, die durch den Fall der Mauer entstanden sind. „Das Europa ohne Mauern der Teilung und des Hasses ist eine große Chance für die Bürger, Herren ihres eigenen Schicksals zu sein", sagte Mattarella laut einer Mitteilung des Präsidialamtes.

Die Berliner Mauer sei für fast 30 Jahre das deprimierende Symbol des Zwangs und der Teilung Europas für Millionen seiner Bürger gewesen, sagte der italienische Staatspräsident. „Ein großer Wind der Hoffnung hat sie am 9. November 1989 eingerissen und machte aus diesem Tag eine Morgendämmerung der Freiheit und den Beginn eines neuen geschichtlichen Weges für Deutschland, für den ganzen Kontinent und für die gesamte Welt", sagte Mattarella.

Zahlreiche Veranstaltungen erinnern in Berlin seit Anfang der Woche an das geschichtsträchtige Ereignis. Bei der zentralen Gedenkfeier in Berlin am Samstag wurde den Opfern der Mauer gedacht. Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge starben an der Mauer in Berlin mindestens 140 Menschen.

Kanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steckten am Samstag symbolisch Rosen in die Hinterlandmauer auf dem früheren Todesstreifen an der Bernauer Straße. Der Ort gilt als Symbol für die Teilung der Hauptstadt: Während der Teilung lag die Häuserfront der Straße in Ostdeutschland, der Bürgersteig gehörte zum Westen. Menschen sprangen dort aus Häuserfenstern - einige von ihnen starben.

Am Samstagabend fand in Berlin eine Bühnenshow in Erinnerung an den Mauerfall statt. Bundespräsident Steinmeier hielt dort eine Rede, in der er für mehr Zusammenhalt warb. „Die große Mauer, dieses unmenschliche Bauwerk, das so viele Opfer gefordert hat, steht nicht mehr. Diese Mauer ist weg, ein für alle Mal", sagte er bei der Feier am Brandenburger Tor.

„Aber quer durch unser Land sind neue Mauern entstanden, Mauern aus Frust, Mauern aus Wut und Hass, Mauern der Sprachlosigkeit und der Entfremdung. Mauern, die unsichtbar sind, aber trotzdem spalten. Mauern, die unserem Zusammenhalt im Wege stehen." Wenn man heute an die Mutigen von 1989 erinnere, so der Bundespräsident, dann könne man nicht dabei zuschauen, wie das, was sie erkämpften, in Vergessenheit gerate. Man dürfe nicht zulassen, dass „Menschen ausgegrenzt und angegriffen werden, dass die Demokratie verhöhnt, dass der Zusammenhalt in diesem Land zerstört wird".

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